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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-06-28 · Heft 22 (28.6.1883) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 22 (28.6.1883)
Date
1883-06-28
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— "7 — .Friedhöfe. Knapp hinter dem Sarge schritt der tiefgebeugte Gatte ׳und die vier Söhne der Verblichenen. Zn der Friedhofshalle angelangt, trat, nachdem das ״Hazur tomim puolo“ recittrl wurde, Herr Rabbiner Dr. Ehrenrheil an den, vor dem offenen Grabe postirten Sarg und hielt anknüpfend an den Bibelvers: 1. B. M., Cap. 23, B. 4—6 eine lief ergreifende, oft durch minuntenlanges Schluchzen und Helles Weinen unterbrochene Rede. Ein vom herbsten Schmerze durchwehter Nachruf war es, den der Gatte seiner durch 30 Zahre treuen Lebengefährtin gewidmet, ein Nachruf für die liebevolle Mutter ihrer Kinder, für eine Wohl- .thälerin der Armen und theilnahmsvolle Freundin Aller die, sie gekannt. Kein Auge blieb thränenleer. Während im Trauerhause Stunden vor der Beerdigung schon Männer und Weiber aus der christlichen Bevölkerung vor dem Katafalke kniend ihr Gebet verrichtet hatten, Halle sich am Friedhöfe selbst der Bürgermeister mit den Stadtvertretern und Beamten, die hervorragendsten Bürger und Frauen, der Pastor .der evangelischen Gemeinde und ein katholischer Geistlicher beim .offenen Grabe eingefunden. So einer allgemeinen Beliebtheit hatte sich die bescheidene wohlthätige Frau im Leben erfreut, so allgemein war die Theilnahme, welche ihr Dabinscheiden bei Grosz und Klein, bei Arm und Reich, bei Inden wie Christen erweckt -Halle. — Frau Nabbinerin Cäcilie Ehrentbeil, der Familie Schreiber in Preßburg entsproßen, stand erst im 49- Lebensjahre. Die Cultusgemeinde hat derselben eines der schönsten Begrabnißplätze .auf ihrem Friedhofe, dicht neben dem Grabe der Gattin unseres früheren Rabbiners, gewidmet. Dumpf sielen die Schollen auf den mit Kränzen bedeckten Sarg, nur noch laut übertönt von dem Schluchzen der Umstehenden. Möge der edlen Todten die Erde leicht sein; den trauernden Hinterbliebenen aber den Trost des Himmels finden -׳.in ihrem herben Schmerze! L. A. Literarisches. ^Indische Lehre und jüdisches Leven" von Josef Miller von Werlheimer. Der Kampf gegen unser Volk und unsere .Religion ist heftiger denn je ans allen Punkten entbrannt. Die Zagen und Aiuthlosen treten wohl ans unseren Reiben, aber die .Tüchtigsten und Besten in Israel haben sich fest zusammen- -geschaart tim unsere Vertheidigung zu führen. Unter diesen ragt der Autor der obcitirten Schrift durch innige Liebe zu seinem 'Volke, durch treues Ausbarren auf seinem Posten hervor. Zum ׳wiederholten Male ergreift er das Wort um in ruhiger, leidenschaftsloser Weise für das Jndenthnm einzntreten. Zwar fragen wir uns mit Wehmutb, ob dieser Kampf ׳Aussicht auf Erfolg hat, ob wir Diejenigen überzeugen können, die sich nicht überzeugen lassen wollen. Die allerjüngste Vergangcnheit hat die Berechtigung dieser Frage nur allzusehr bestätigt. Der Papst hat vor einiger Zeit die Grundlosigkeit der gegen die Juden erhobenen Blutbeschnldignng anerkannt, aber selbst dies hat das conservative ״Vaterland" und ihm ähnliche .Blätter nicht abgeballeu, den Tisza-Eßlarer-Fall für ein rituelles Verbrechen zu erklären. Trotzdem wissen wir den Werth einer solchen Enunciation wie die des verehrten Autors gehörig zu ׳würdigen; denn sie weckt und stärkt das Selbstbewustsein in unserer eigenen Mitte, sie erhebt den Muth, der uns so sehr cuöthig ist. Der Autor selbst hat es wohl gefühlt, daß es nur zu Viele .gibt, die sich absichtlich die Ohren verstopfen und diesen gilt auch sein Apell nicht; aber auf der anderen Seite leuchtet sein Optimimus durch, um den wir ihn nur beneiden, den wir aber durchaus nicht!heilen können. Er erhebt sich gegen den, den Juden zugeschleuderten Vorwurf der Feigheit. Wenn an dieser :'Beschuldigung etwas Wahres ist, wen trifft dann die Schuld, .woraus soll der Unterdrückte, der Niedergebeugte Muth schöpfen? Man möge uns frei aufathmsn lasten, und wir wollen zeigen, daß es uns an Mnth wahrlich nicht fehlt. Werthvoll erscheinen uns besonders die criminaliftischen Daten als treffendste Widerlegung der gegen uns erhobenen Verläumdung, daß unsere Glaubensgenossen das größte Contingent für die Verbrecherwelt liefern. Weiters weist der geehrte Autor nach, wie groß das Streben der jüdischen Jugend nach Bildung sei. Wenn er aber glaubt, daß dieses in den Augen unserer Gegner Gnade und Anerkennung finde, so ist er in einem, wenn auch verzeihlichen Jrrthum. So wie man einst den Juden für unfähig hielt, sich die europäische Bildung anzueiguen, so schmiedet man daraus, daß wir die Haltlosigkeit dieser Ansicht durch die That nachgewiesen, jetzt Waffen gegen uns. Je größer aber die Gefahren sind, welche jetzt die Existenz des Judenthum bedrohen, desto rühmenswerther erscheint uns der Much, mit dem der greise Präses der israelir. Alliance unsere Gegner zu widerlegen, zu überführen sucht. Solche Männer in unserer Mitte zu zählen, ist ein Trost, der uns nicht alle Hoffrruug auf eine glückliche Zukunft unseres Volkes schwinden läßt. Aufruf! Wieder hat der Tod ein Opfer ans der Mitte unserer Collegen gefordert: Cantor Freisinger in Wottitz ist am 16. d. M. einem langwierigen Leiden erlegen. Er hat eine trauernde Witwe und fünf unmündige Waisen hinterlassen, die jetzt der größten Noth anheimfatlen müssen, wenn nicht rasche und ausgiebige Hilfe von Seiten der Eollegen naht. Der Verstorbene war leider nicht Mitglied unseres Vereines, die Coltegen sind daher nicht verpflichtet den statutenmäßigen Beitrag einzusenden. Dennoch wendet sich der Verband des österr.-ungar. Cantoren- Vereines im Vertrauen auf den Edelsinn und das Mitgefühl der Cantoren an alle Collegen mit der herzlichen Bitte, daß jeder zur Linderung der Noth und des Schmerzes der Hinterbliebenen sein Schärflein beitrage. Bei dieser traurigen Gelegenheit läßt der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines wieder an alle Cantoren Oesterreich- Ungarn die dringende Aufforderung ergehen, dem Vereine im eigenen Interesse und im Interesse der Familie beizutrAen, da der Vereinsvorstand in Zukunft leider nicht mehr in der Lage sein wird, Nichtmitgliedern irgendwelche Hilfe angedeihen zu lassen. Beiträge sind an den Vereinscassier zu richten, und werden dieselben im Vereinsorgane veröffentlicht werden. Der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines. Correspondenz der Nedaetion. W. in Au. Wir baden diesbezüglich die Meldung an Den Vereins- Vorstands erstattet. L l. in Dr. Konnten Ihrem Wunsche um unverkürzte Aufnahme nicht Nachkommen, da der Inhalt den Rahmen einer Correipondenz übersteigt. G. in Z. Ihre Erwiederung aut offenen MemungsauSrausch mußte Zurückbleiben, da wir diese Angelegenheit als erledig: berrachtec und selbe sich nicht in's Unendliche fortspinneu kann. Gin A. Dieses Werk wurde in unserem Blatte schon zur Genüge in lobender Weise besprochen. H. Kopr. Ihr Abonnement iit bis 1. Juli beglichen- H. in T- Einverstanden. L. in W. 1 sl. Grnndungsbeitrag, 4 fl. Jahresbeitrag. Vom I. Juli, d. i. vom Beginne des 2. Vereinsjahres, ist jedoch 2 fl. Gründungsbeicrag zu entrichten. Mehrere G e m e i n d e m i t g l i e d e r ׳u Z. Da die diesbezügliche Enunciation ganz allgemein gehalten war, ja nicht einmal der Name der Gemeinde genannt wurde, mußten wir von Ihrer, das persönliche Gebiet stark streifenden, Entgegnung Umgang nehmen. N. in P. Gründnngsbeitrag vom 1. Juli 1883 fl. 2. Jahresbeitrag fl. 4. Bitte uns mitzucheilen, unter welchem Dalum Sie die Prännmerations« gebühr cingesandt, da wir selbe nicht erhalten. Collegen: B. in A.; L>chw. in P.; L. in W.; K. in P.; Kr. in G.; Gr. in N.; L. in K.; G. in Schl, bis 4- Juli beglichen. A. in H-; G. in Kr. erhalten. Kr. in W.; F. in A.; St. in Fr.; H. in G. Bestätigen dankend die eingesandten Beträge.

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