Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 22 (28.6.1883)
- Date
- 1883-06-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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in L i v o rn o mit Begleitung der Orgeb stairfand, Geschah solches auch nur an den Vorabenden der Sabbathe und Feiertage, so ist doch diese thatsäckliche Benützung der Orgel in der ulten Synagoge ein unumstößlicher Beweis gegen ihre Kennzerchuuug als — Schließlich muß noch bemerk! werden, daß die Entstehung der Orgel, wie bereits früher erwähnt, auf jüdischen Ursprung zurückführt. An mehreren Stellen im. Talmud ist von einem beim Tempelgottesdienste gebrauchten, aus einer kunstvollen Ordnung von Pfeifen bestehenden Tonwerkzeuge (Magrcpha) die Rede, das hundert, nach der Meinung,Anderer gar tausend Arten von Instrumenten oder Tonweifeu laut werden ließ. Interessant ist die Beschreibung, Naschi's zur Stelle: ,Sie, die Magrepha, batte zehn Oeffnungen jede Oeffnuug stand mir einer Pfeife in Verbindung; an jeder Pfeife waren wieder zehn Oeffnungen; aus jeder dieser Oeffnungen gab dieselbe eine Tonwcise, so daß sie im Ganzen hundert Tonweisen von sich gab.- Ihre Gesammtwirknng aber war so bedeutend, daß, mau das Spie! bis Jericho vernahm, welche Stadt von Jerusalem meilenweir entfernt liegt. Ist auch dies Alles, wie dcr Talmud selbst meint, eine Ueberlreibnng, gusm;1, so - bedeutet doch dieser Bericht eine unverkennbare Aehnliebkeit mit dem Baue und dcr Wirkung der Orgel, so daß wir in dieser nur unser Ei gen thnm wieder an uns nehmen würden. ,בשנת היובל הזאת תשובו אל -אחוזתו. ,In -diesem Jubeljahre möge sie zu ihren Eigeiubümern zurückkebren!-; Ans die zweite Einwendung, die Orgel verletze das jüdische Gefühl, lasse ich den rübmlichst bekannten Rabbiner zu Arad, Aron C h o r i n, antworten. Er sagt wörtlich: .Das jüdische Gefühl ist gegen die Orgel!- Daraus pflegt man sich besonders,in Wien zu berufen. Eine Abstimmung dcr ganzen Wiener Gemeinde würde aber ohne Zweifel ergeben, daß die überwiegende Mehrzahl der Qrgelgeg'ner auch Gegner des Chor- Gesanges sind, die Freunde des letzteren aber auch gegen die Orgelbegleitnng nichts einzuwenden haben. In ästbctischen Fragen gib! es eben so. wenig ein specisll jüdisches Gefühl, als es in Fragen der Logik einen speciell jüdischen Verstand gibt; wohl über gibt es allenthalben, nicht nur unter den Juden,^ verschiedene Abslusnngen in der Bildung des Geschmacks!- Wir kommen zu dem dritten Punkte, daß nämlich in dem Spiele der Orgel an Sabbatb- und Festtagen eine Ent- Weihung des Feiertages liege. Auch dieses Bedenken beruht ans einem Complcxe trüber Verwirrungen. In der Zeit des Tempels zu Jerusalem bestand, tvie schon bemerk!, das Wesen des Gottesdienstes im levitischen Gesänge mit Jnsnnmentalbcglcitnng, und je höher die Feier des. Tages war, um so feierlicher waren -Gesang und Musik. Und was zur..gottesdienstlichen Feier im . Tempel zu Jerusalem au Sabbathcn und Festtagen nicht blos gestatte!, sondern wescnttiches Ersorderniß war/ das sollte in n n s e r c n Gotteshämern geradezu verbolen sein? Das Gebe! soll und muß das Wesen unseres Synagogen-Gottesdienstes bleiben, es darf weder hinter Opfer noch hinter Gesang und Musik 'zurücktreten, soll nicht durch Schnörkcteien und Schaugcpräuge verunziert werden,, soll in seiner erhabenen Einfachheit crgreiftzn. Aber daß das Gebet gehoben werde durch die Begleitung von Gesang und'Musik, das ist gegenwärtig ein nnabweisbares Bedürfniß, und wenn Gesang und Musik im Tempel .zu Jerusalem in Vordergrund trat am Sabbath und Festtagen, so dürfen, so müssen sie in unseren Synagogen als Begleiterinnen dem Gebete einen größeren Nachdruck, eine tiefere ־ Innigkeit verleihen! Ueberhaupt ist ein Sabbathverbot des Musi- --cirens gar nicht vorhanden! Auch hier spuken puritanische An- Hauungen, die uns die Sabbathseier aus einer würdigen in eine ä u ß e r l i ch e verkehren. Die Bibel erwähnt eines Sabbath- Verbotes hinsichtlich des Musicirens mit-keinem/Worte, sie kennt blos das Verbot der Arbeit, und daß Musik keine Arbeit ist,' wird allgemein zngestandcn. der bekannte Ausspruch ist, Musik sei eine ^nnst, keine Arbeit. ־.הכבה ואינה ב,לאבה Allein bie Nabbiner befürchteten, man möchte, wenn an dem Instrumente etwas verdorben würde, dasselbe am Sabbath wieder ansbessern. Das ttt eine Umzäumung des Sabbathgesetzes, insofern ein Jsraelite mnsicirt; wird aber die Musik durch einen Christen ansgeführt., so liegt hier,. während sonst das rabbinische Gesetz es untersagt, einem Nichtisraeliten am Feiertage eine, sabbatblich verbotene Thätigkeit auszutragen -- was wieder eine- Umzäumung ist — die .Umzäumung einer Umzäumungvor, welche nirgend hochgchalten wird. Ist ja talmudisch, ans der gleichen Befürchtung, man. möchte ein Instrument Herstellen, an iiraet. Feiertagen auch das Tanzen verboten, und dennoch wurde an diesen Tagen, wohl aus Grund einer Glosse des Nemo, ,man dürfe den Nichiisraelilen. ans-: drücklich ansfordern, ein verdorbenes Instrument am Sabbath' auszubessern-.,-Tanzmusik stets nnbeanständet abgehalten. Möchte es nun nicht höchst auffallend erscheinen, wenn dasjenige, was ans dem Tanzboden gestattet wird, in der Synagoge verboten würde? Da sei Gotr für, daß das als jüdische Frömmigkeit. proclamirt werde! Also es gibt kein Verbot der Mn stk -am Sabbathe, cs ist vielmehr Pflicht, sic beim Gottesdienste in der Synagoge, insbesondere aber in großen Sycagogen, in welcher der Gesang , des Halles und der d 1t r ch greifenden Wirkung entbehrt, einzusühren. So sei denn jegtick es Bedenken beseitigt! Es ist nicht blos gestatte/ es ist geradezu religiöse Psticht, in unserer Zeit,' wo der Jndiffereniismus 11111 sich greift, die Orgel zur Verherrlichung 'unseres Gottesdienstes, zur Erhöhung der, Feier in unseren. Synagogen einzusühren. Und möge es mir gestattet sein, schließlich, diese Pflicht den Cauloren Oesterreich-Ungarns recht warm an's Herz zu legen. D1\ Gr. (Fortsetzung folgt.) Vereinsnachrichten. Sitzungsbericht vom 27. Juni 1872. Anfang 8 Uhr Abends. . Tagesordnung. 1. Errichtung des Zweigvereines in Böhmen und Berathung : des Organisations-Statutes für denselben. ׳ . 2. Eventualia. ' Anwesend: ,^J. B a uer, A. Fisch er, S. Hirsch, A. Kulka, M. P e t e r s i 1 k a, I. Sch i l l er, Nt. S ch l e! i n g er. /I. Singer, S. Singer, L. S t e r n,.. M. Z c m pliner, I. Stransky ans Prag als Gast. Vorsitzender: Präses I. Singer. Nachdem der Vorsitzende Herrn I. Stransky als Gast willkommen geheißen und dem Vorstande die offircielle Mittheilung . macht, daß Herr Moriz Edler v. Kuss n er dem österr.-ungar. Cantorenvereine den Betrag von 250 fl. (baar) gespendet habe, und dem verehrten Spender durch Erheben von den Sitzen der Dank des Vereines, votirt wurde, wird zur Tagesordnung übergegangen. Es wurde in Ausführung der Bestimmungen des Statutes die Begründung einer Zweigniederlassung für Böhmen angenommen. Hierauf, wurde, zur Durchberathung des Organisations- Statutes der Zweigniederlassung geschritten. Derselbe wurde mit-