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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-06-28 · Heft 22 (28.6.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 22 (28.6.1883)
Date
1883-06-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — Sprechen und Singen von Professor Ar. Earl Sloerck. Sie wissen, für tiefe Töne steigt der Kehlkopf hinunter, für hohe steigt er hinauf. Einen gewissen Grad von 'Ansatz hat der Mensch-mithin schon von Natur aus. Es gibt merkwürdigerweise eine Sorte von Gesangslehrern, die da behaupten, sie hätten die Kehlkopfe ihrer Schüler für das Auf- und Absteigen ganz unabhängig von der Phonation gemacht. Wie sieht der normale Ansatz aus? Für den Ansatz der tiefen und Brusttöne, wo es sich darum handelt, das; die größtmögliche Menge von Muskeln agire und nicht die sogenannte -Nahmenspannung, sondern Nundung des Kehlkopfs zu Stande komme, wird dieser so gestellt, daß er womöglich in ruhiger Stimmlage genau si.rirt werde, was mit Hilfe der äußeren Muskeln, und zwar jener, welche vom Kehlköpf zum Brust- und Zungenbein und vom letzteren zum Unterkicfer ziehen, dann jener, welcher vom Kehlkopfe zum Schlunde, zur tuba Eustachii, dem weichen und harten Gaumen, dem proc. styloideus gehen — geschieht. Die richtige Gruppirung, die Fixirung all' dieser Muskeln, die einen festen Tonus haben müssen; das macht den richtigen Ansatz aus. N i c a r i i r e n d e M u s k e l - T h ä t i g k e i t. Eigentlich ist damit das Wesen des richtigen Ansatzes noch immer nicht ganz klar; es gehört dazu noch ein Zweites. Wenn z. B. ein Jndividuum in einer Gruppe von Muskeln, sagen wir in den Kehlkopfbinncnmnskeltt ermüdet, so muß es diesen Ausfall mit anderen Muskeln decken. Wenn Sie sich vorstellen, daß jede Mußkelaction nicht das Resultat der Contraction eines Muskels allein, sondern der synergischen Zusammenziehung -mehrerer Muskelgrnppen ist, so werden Sie auch verstehen, wie das Phoniren durch die Thätigkeit mehrerer Muskeln, so namentlich Brustbein-Zungenbein-, Brustbein-Schildknorpel-, Schildknorpel-Zungenbein- und Zungenbein-Unterkiefermuskel (sterno hyoideus, sterno thyreoideus, thyreo hyoideus und genio hyoideus) zu Stande kommt. Treten die Muskeln, die nach oben ziehen, und die unteren gleichzeitig in Action, so ist der Kehlkopf gleichsam suspendirt. Zum Sternum ziehen die Brustbein-Schildknorpelmuskel m. sterno thyreoideus beiderseits. Zwischen zwei solchen Muskelgruppen ist der Kehlkopf festgestellt, aber er muß auch gespannt sein von hinten und vorne durch das Platysma (der breite flache Hals muskel), von vorne durch Zitzeufortsatz-Brustschlüsselbeinmuskel, von der Seite durch den Omohyoideus, und endlich durch die Schlundschnürer, deren es drei gibt. Alle diese Muskeln müssen gleichzeitig agiren und wenn einer derselben ermüdet, so muß ein anderer dafür intensiver gespannt werden. Wenn wir mit dem Kehlkopfspiegel in den Larynx hineinschauen, während er für Brusttöne eingestellt ist, so muß der Larynx breit gespannt sein, das falsche Stimmband muß mehr gespannt sein als das wahre, weil der oberhalb der Stimmbänder liegende jetzt etwas verengte Theil zur Unterstützung dient, der weiche Gaumen muß hinaufgezogen fein, so daß nur ein Theil der Luft in die Nase geleitet wird, die Nachenmußkelu müssen an der Wand liegen bleiben; das ist der richtige Ansatz für eine normale Bruststimme. In dem Momente der Ermüdung thürmt sich ein Theil der Muskeln, welche zur Stütze des Kehlkopfs bis zur Zunge gehen, die beiden Arkaden treten um etwas hervor in dem Moment, wo das Individuum die richtige Spannung erzeugt hat. Es gibt aber Individuen, die immer solche Spannungen haben; d. h. sie singen mit falschem Ansätze. Configuration des Kehlkopfes beim Falsett. Beim Falsettsingen ist natürlich die Anordnung eine ganz veränderte. Es ist dabei der Rahmen mehr oval geworden. Dazu sind jene Muskeln nöthig, die vom Kehlkopf zum Brustbein ziehen und in diesem Falle stärker gespannt sein müssen; ferner jene Muskeln, welche in den beiden Arkaden eingebettet sind; die Schildknorpel-Zungenbein- und Schildkuorpel-Spitzenfortsatzmuskel müssen stärker gespannt sein; gegen die Medianlinie zu muß ein freier Raum gelassen sein, weil bei Falsettstimme die richtige Stellung die ist, daß der weiche Gaumen ganz nach oben rückt, der Kehlkopf steigt hinauf, das Ansatzrohr verkürzt sich; wäre der Gaumen nicht verschlossen, würde der Ton nicht in die Ferne getragen werden. Um das zu verhindern, hebt sich dev weiche Gaumen; die Arcaden verengern sich. Geschieht dies nicht, so ist das krankhaft, eS ist ein falscher Ansatz. Es würde dadurch, daß der weiche Gaumen nicht nach oben gezogen ist, eine näselnde Stimme entstehen, und die Physiologie und Pathologie lehren, daß jene Schallwellen, welche nicht nach außen geleitet werden, eine Erschütterung des Kopfes und Schlundes erzeugen. Der falsche Ansatz ist oft bei normalen Sängern durch Müdigkeit bedingt. Ein Sänger, der müde ist, wird einen sögenannten gequetschten Ton von sich geben. Oe norma ist der Raum, welchen ich als Canal bezeichnete, offen. Wird der Sänger aber müde, so verengt er diesen Raum durch Thürmen der Zunge, Senken des Kehldeckels, wodurch dem freien Abfluß ver Luft nicht mehr genügender Spielraum gewährt ist, die Luft wird gleichsam zusammengequetscht. Dieser Vorgang, welcher bei normalen Sängern nur dann eintritt, wenn sie müde sind, ist bei Anderen etwas ganz Gewohnliches, — diese haben eben einen falschen Ansatz. Was ist nun der Einsatz? Das Wesen des Einsatzes. Wenn wir die Intention haben, zu sprechen, einen bestimmten Ton laut werden zu lassen, so müssen die Stimmbänder in einer präformirten Stellung stehen. Durch Uebung haben wir erlernt, den Stimmbändern für jeden Ton eine entsprechend bestimmte Spannung zu verleihen. Der Redner ist in seinem Redefluß durch das tiefe Alhemschöpfen nicht nothwendigerweise gestört, weil er diesen Act immer zwischen zwei Worten in nnmerklicher Weise ausführen kann. Der Sänger darf mitten in der Phrase nicht athmen, weil er dieselbe dadurch auseinanderreißen und den gewünschten Effect vernichten würde. Mithin muß der Sänger einen größeren Luftvorrath in seinen Lungen aufspeichern. Ist das der Fall und er stellt nun seine Stimmbänder für einen intendirten Ton ein, so entweicht in dem Momente der Inspiration eine gewisse Menge Luft, woraus dann jener Laut entsteht, welcher dem Spiritus asper der Griechen und dem arabischen Hamse entspricht. Bei Sängern muß dies ganz unmerklich ersolgen; er darf also nicht ,Hange", sondern er muß ,Auge" sagen. Dies muß der Sänger erlernen unl> dann sagen wir, er habe richtig eingesetzt. Er soll also nur denjenigen Druck anwenden, der zur Production des gewünschten Tones führt, mag er nun piano, forte oder mit mezza voce singen. Der Ton muß im Momente erklingen. Ein richtiger Einsatz kann nur durch ein feines Gehör gebildet werden, das ihn zugleich fördert. (Schluß folgt.) Der jüdische Gottesdienst. XXI. Der Vorwurf, daß die Orgel ״chuckot hagopm“ eine unjüdische Sitte sei, widerlegt sich übrigens schon durch den Umstand, daß man von uraltersher in der Synagoge zu Prag den Sabbath mit Instrumentalbegleitung eingeleitet hat, und dies

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