Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 21 (20.6.1883)
- Date
- 1883-06-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/1304829-3452915-3452936--0626-3454682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-geth an zu haben glaubt, wenn man pro anno den auferlegtsn Obolus ׳dem Gemeindesäckel zufließen läßt, im Uebrigen aber den lieben Gott walten und den Herrn Vorsteher nach Gutdünken schalten läßt; was kümmert's diese Indolenten und Indifferenten in ihrer Theilnahmsfosigkeit für die höheren Güter des Lebens, daß unsere heilige Religion -allmälig dem Verfalle und Riedergange, ja fast dem Marasmus entgegengeht und entgegeugeführt wird, wenn nur die eigenen Geld׳ mnd Getreidesäcke intact bleiben. So kommt es, daß in manchen -Gemeinden, die nicht gerade Würdigsten und Berufensten zur Bekleidung eines Ehrenamtes erwählt werden, weil eben kein besseres und herworragenderes Mitglied sich zu der so wenig dankbaren Ehrenstelle, zu einer oft mit Unannehmlichkeiten und Störungen verbundenen Rolle chergeben will. Wenn Sie aber der Ansicht sind, daß nur der Cantor solch' massivem Benehmen ausgesetzt ist, so könnte ich Ihnen entgegenhalten, taß es zuweilen den Nabbin.-Functionär nicht viel besser ergeht. Daß man den Rabbiner als überflüssiges, antiquirtes Möbelstück, bestenfalls als Luxusartikel oder als ein nothweudiges Nebel ansieht, ist beckanntlich nicht mehr neu, aber ich kenne eine Gemeinde — nomina sunt odiosa — wo man demselben die hohe Ehre erweist, ihn auf die Stufe eines Alps zu erheben, den man natürlich so rasch als möglich los zu werden trachtet, da er die Gemeinde-Finanzen zu sehr drückt und belastet. Einer Zuschrift, die solch' erhabene Ausdrücke enthält, entspricht .auch selbstverständlich die Adresse, in der vermutblich, -der gistgeschwollene Repräsentant aus purer Vergeßlichkeit den Titel .,Herr" dem Namen vcrzusetzen unterließ; was sonst in einer intelli- .geilten, anständigen Gemeinde nicht einmal gegen den ,Schames" geschieht, der doch immerhin Mensch ist, wenn er auch auf einer noch so inferioren Bildungsstufe steht. Nebrigens ist damit durchaus׳ nicht gesagt, daß diese an der Spitze stehenden Herren aller Bildung baar find, sie können vielmehr einen hohen Grad von Wissen und Kenntnissen besitzen, und doch entrathen sie der zu dieser Ehrenstelluug gehörenden Gemüths- und Herzensbildung, welche eben zumeist nur durch religiöse Gestnnung und wahre Pietät erzeugt und erhalten wird. Es ist demnach ganz gerechtfertigt, wenn, das Organ der Can- ' toren aus die Achtung nud Autorität des Standes eifersüchtig Acht .gibt und darüber sorgsam wacht, dessen Ehre und Ansehen thunlichst rju wahren sucht, zumal in unserer alles nivellirenden Zeit, die in refpectwidriger Weise selbst das Höchste und Heiligste bekritelt und bespöttelt, doch braucht dies meines Erachtens keineswegs durch Herab" -fetzung des coordinirteu Standes zu geschehen, vielmehr ist das Richtigste .und das Beste, wenn die beiderseitigen Vertreter der Religion während des Gottesdienstes, jeder in seiner Weise, zur Hebung und Vervoll׳ ckommnung des Ganzen nach Kräften beiträgt und alle persönlichen Differenzen und Dissonanzen ferne bleiben ובל זר לא יקרב als dem -Heiligthnme fremd und feindlich abseits gehalten werden. Hier gilt das qulsque fabes suae fortunae, oder mit anderen Worten מעשיך יקרבוך׳ מעשיך ירחקוך und wird sich sicherlich jeder Einzelne -durch Pflichttreue, Eifer und Beharrlichkeit die Stellung erorberu und erwirken, die ihm von rechrswegen gebührt. Hochtönende und hochtrabende Weisen und bombastische Phrasen 11)1111 es also nicht und können hier nur leicht in gewisser Beziehung Schaden anrichten, die Köpfe verwirren und Streit begünstigen ..אל תרבו ררברו (ברר (ברר nachdem ja die Competenzsvhären beider Functionäre in der Natur der Sache selbst begrenzt und begründet ׳sind, so ist es nur ein müssiges Beginnen, immer von Neuem ein so bedenkliches Thema aufzuwerfeu und würde sich bei solchem, mit Gewalt bei den Haaren herbeigezogeneu Beginnen gar bald der alte Spruch unserer Weisen bewähren בל ררודףאהר הבבוד׳ הכבוד. בורה ממנו. Also lassen wir am besten diese streitige Frage aus dem Spiele und berühren wir sie so wenig als möglich. Es wurde ja schon in diesem ' Wlatte darauf hingewiefen, daß es wahrlich uunöthig erscheine, dem modernen Cantor erst Verhaltungsregeln gegen den Rabbiner anzuweifen, und andererfeits ist das Verhältniß beider zu einander, wie gesagt, bereits gegeben und constatirt. Ich denke, es wäre hier vielleicht die Analogie am Platze, wie sich der יניא) znm ברץ verhielt und finden wir nirgends, daß Ersterer herrschsüchtig war, während von einer Priester-Hilrarchie gar oft die Rede ist. Wenn Sie also den Pnestertitel und Beruf acceptiren, müssen Sie sich's auch gefallen lassen, daß der ת״ח Ihnen zur Seite steht und wo es die Noth- Wendigkeit erheischt, eine Correctur sich gestattet oder eine Anordnung eriheilt, damit die Vorschriften der Religion nicht hintangssetzt werden, wenn auch der Cantor, als ,Träger der Thora", zuweilen dem Rabbiner im Tempel vorangeht. War ja noch in alten Zeiten בזמן שב״המק קים unter gewissen Umständen sogar ein )"ב dem ת״ה untergeordnet im Range und kommt auch heutzutage nicht die physische Leistung ausschließlich in Betracht, das Ouale geht vielmehr über das Quantum, die Geistesarbeit über die der Materie, womit ich durchaus nicht den Cantoren uahezutreten beabsichtige, oder gar ihre Function in religiös-cultureller Beziehung und ihre hochbedeutsame Wirksamkeit auf das Gemüth herabsetzen will. Also nochmals, halten wir Rivalität und Rancune von der heiligen Starte nach Möglichkeit ferne, strebe vielmehr jeder in feinem Kreise, nach seiner Weise, den Anforderungen feines Berufes gerecht zu werden und bei harmonischem Zusammenwirken, in gegen» seitiger Achtung gewinnen wir nur selbst, noch mehr aber das gemeinsame, große Ganze des Judenthnms, wie das einzelne Gemeinwesen. איש את רעהו יעזרו ולאחיו יאמר הזק וסוף הבבוד לבוא ואיש על מקומו יבוא בשלום. E i n R a b b i n e r. Mener Meinungsaustausch. Obschon die Vorbereitungen zu einer mehrwöchigen Ferienreise, sowie der dieser Rubrik spärlich zugemessene Raum mir etwas Schwierigkeiten bieten dürften, gehe ich dennoch daran, noch ein Wort über בריקת רוק der Oeffentlichkeil zu widmen. . Vor Allem sei es mir gestattet, auf die unermeßliche Trcrgweite der vom Herrn M. A. Goldstein aufgestellten Behauptung hinzuweifen. Nennen wir das Kind beim rechten Namen! Herr G. ruft uns ermahnend zu, daß .ausschließlich בדיקת רוק maßgebe nd und unbedingt n o t h w e n d i g* sei. Mit anderen Worten, jene שיוהטים, die nach vorgenommener בריקת פנים keine ריעותא gesunden, und ohne die Lunge in Augenschein zu nehmen, mit einem ,.בשיר" die Scklachtstätte verlassen, sind nichts Geringeres als!מוציאי פפק טריפות מתחת ירם. Nun aber erkläre ich feierlichst, meinem Schechita-Amte und mit demselben einem sehr beträchtlichen Eiukommen sofort zu entsagen, insofern auch nur dreißig amtireude שורטים 'der Gegenwart aus Oesterreich-Ungarn mir mir ihrem Ehrenworte versichern, daß sie בריקת רוק niemals unterlassen haben. Freilich muß ich trotz der Gleichstellung des Herrn G. polnische ansschließen, denn, daß Polen מרמיר ist, beweist schon der Umstand, daß der bei uns allgemein zulässige מיעוך ומשמוש׳ dort unter keiner Bedingung gestattet wird. Selbstverständlich erstreben diese Zeilen durchaus nicht das Ziel, Herrn G. ein Zugeständniß abzuringeu, denn wer die seifenfesten Schlußfolgerungen eines טורי זרם ,schwaches Material" nennt, und dafür die eng abgsgrenzten für טרם שורטים geschriebenen שחיטת םפרים in Anwendung bringt (was nebenbei gesagt auch die geistige Selbstständigkeit des Herrn G. zur Genüge illustrirt) wer Citate figuriren läßt, die do facto nicht vorhanden sind, denn ein רמ״א der ראה שנאבדה “לאחר בדיקת פנים" מטריף ist, findet sich bei mir nicht vor, und dürste auch