Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 20 (12.6.1883)
- Date
- 1883-06-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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'Beweis anführen. Der Lehrstand, der vormärzlichen Zeit nämlich, trotzdem dieser würdige und berufstreue Männer in seiner Mitte ,zählte 'konnte sich deshalb, weil er der Qualifikation entbehrte, teil! Ansehen erwerben, wurde unter die Parias der Gesellschaft gezählt. Mit dem Momente des Eintrittes der Qualifikationsschule aber stieg dessen moralisches Ansehen sichtbar von Stufe zu Stufe, und erfreut sich der Lehrstand heutiger Zeit allseitig seiner :würdigen Anerkennung. Dasselbe Bewandtnis hätte es bei der autorativen Qualifikation des Cantorenamtes betreffs des moramischen Ergebnisses in Bezug auf Würde und Ansehen des Standes. - ׳ Es diente ferner die Gründung einer autorativen Cantorenschule als mächtiges Bollwerk gegen unwürdige und unberUfene Eindringlinge des Standes, und böte dies somit die sicherste Gewährleistung für die Bewahrung des moralischen An-, ffehens und der Würde des Amtes. Zeder Einzelne unserer Collegen weiß es von der Erfahrung alter Zeit, als noch blos die Kehlcncharlatanerie den ׳ Ausschlag gab, daß manch' unwürdiger Jünger des Amtes durch seinen lottern und profanen Handel und Wandel die Ehre und Würde des Berufsständcs moralisch beeinträchtigte, empfindlich schädigte, ja oft den Weinberg des Herrn arg zerwühlte. Dies aväre bei einer autorativen Institution möglichst verhindert. Die Schule eröffnete nur jenen Eleven die Thore zur weihevollen nnd priesterlichen Würde des Cantoratcs, die stimmbegabt, den hiezu würdigen Charakter mit dem nöthigen Ausmaße von hebräischer, lilhurgischer und musikalischer Bildung verbinden, die nicht nur eine kunstfertige Kehle, sondern auch eine gebildete Seele besitzen. Wohl haben sich, man muß es zum Lobe anerkennen, die Verhältnisse in Bezug auf Würde und Ansehen des heutigen -Cantors merklich gebessert. Das moderne Cantorenthum mit dem wesentlichen Attribute der musikalischen Bildung, die ihn in den Mang der Intelligenz emporhebt, steht eben in Folge dessen auf 2er Scala der priesterlichen Würde, auf einer viel höheren Stufe .als vormals. Denn Bildung adelt den Charakter, guter Charakter .hebt die Würde des Berufes in soliaüm. Die Nothwendigkeit einer solchen Institution erscheint um so dringender, als die gute alte Zeit, in der der gottergebene jüdische Vater mit dem Söhnlein an der Hand, in ,Schul" eilte, um daselbst den vom Chasan vorgetragenen weichen Mollklängen, die mit seinem weichen und frommen Gemüthe in solch' enger Consonanz accordirten, andächtig lauschte, längst vorüber ist. Jene herrlichen Weisen übergingen bei Vater und Sohn in Fleisch und Blut. Daher kam es, daß das alte Chasanthum viele Männer aufwies, die als Kaufleutc vom herben Mißgeschicke werfolgt, auf dem Gebiete des Gewerbes und. Handels nicht reussiren konnten, von der Natur stimmbegabt, und in die ritueilen Gesangsweisen eingeweiht, sich dem Chasaustande in die Arme warfen, und es Manche sogar auf diesem Gebiete zum Muhme brachten. Nun aber hat die alte Gesangstradition bereits aufgehört. Man geht nicht mehr in ,Schul" ,״אין חזון נפרץ. In Folge des Jndifferentismus, welcher seit einem Decennium, auf dem Gebiete -des jüdischen Cultus und Gottesdienstes, solche schreckliche Dimcusiouen annimmt, haben sich die Verhältnisse wesentlich geändert. Ferner stellt man heute an den zeitgemäßen Cantor höhere Anforderungen, als vormals. Es gehört heutigen Tages zur Stimmbegabung auch eifriges Studium im Fache, um dem ge-! bildeten Geschmacke und den Ansprüchen einerseits zu genügen,! anderseits aber eine edlere und höhere Auffassung seines Priester-; .lich'en Berufes als Cantor, um in seiner Ambition, und in seinem heiligen Bernfseifer durch den von Seite der Gemeinde entgegengebrachten .Kolssinn" nicht verletzt und erschüttert zu werden, und im ewigen Kampfe mit den Schwierigkeiten der Aufrechthaltung eines gottesdienstlichen Chores nicht zu ermüden und zu erlahmen: Angesichts solcher Verhältnisse ist es um so nothwendiger, . daß die Cantoren ihre Vorbereitung zu einem solch' heiligen und priesterlichen Amte durch eine autoritative Schule gewinnen. Von Seite des Fachorganes sollte für die Verwirklichung dieser Idee schon deshalb Propaganda gemacht werden, weil nach der obigen Beweisführung, hiedurch der moralische Aufschwung, somit auch die materielle Besserstellung des Cantorenamtes am sichersten erzielt werden könnte. 3. Wäre es im Jnteresie der Prosperität des Vereines und dessen erhabenen Zweckes nothwendig, und mit allen erdenklichen Mitteln zu erwirken, daß sich die Gemeinden in Israel berbeiließen, durch den Tribut eines Jahresbeitrages dem hehren Zwecke des Vereines sich anzuschließen, um auf diese Weise ihren humanen Nechtlichkeitssinn ihren Beamten gegenüber cclatant zu manifestiren. Die hohe Aufgabe des Cantorenvereines,/ welcher die Unterstützung dienstunfähiger Cantoren, deren Witwen und Waisen anstrebt, verleihet dem Vereine den Rechtstitel, auf die Belheiligung beziehungsweise Unterstützung der Gemeinden zu apelliren, denn diese werden durch die Agenden des Vereines, von der moralischen Pflicht der Pensionirung, Unterstützung und Altersversorgung, die sie dem Cantor schuldet, der sein ganzes Leben dem Amte geweiht, seine physischen und geistigen Kräfte der Gemeinde opferte, theilweise entlastet. Diese drei Cardinalpunkte wären meiner bescheidenen Meinung nach das .הו״ט המשולש לא במהרה ינתק* das dreifache Band zur Erhaltung und zum Gedeihen unserer Bestrebungen. Es wären die wesentlichsten Vorbedingungen zur Hebung des moralischen Ansehens, somit zur Förderung der materiellen Interessen des Cantorenstandes. Wohl gehören diese angeregten Fragen heute noch in den Bereich der frommen Wünsche und liegt noch die gehoffte Frucht im Keime der Pflanze. Allein wir besitzen seit der Gründung des Fachorzanes zur Veröffentlichung unserer gerechten Wünsche und Forderungen geräumigen Boden, in welchen wir den Samen zur Erreichung des vorgefteckten Zieles unermüdet ausstreueu. den Keim des Samens durch den sanften Thau der Worte zum Wachsthume anregen mögen, damit die Pflanze durch den wärmenden Sonnenstrahl des collegialen Zusammenwirkens hervorgelockt, diese auf dem Boden des Fachorganes so lange gehegt und gepflegt werde, bis sie zur Herrlichen Blüthe gelangt, und jene Frucht zeitiget, deren Genuß uns einst in der Erreichung unseres Zieles, in der allgemeinen Anerkennung der Würde und des Ansehens des Cantorenamtes erfreuen und ergötzen wird. Josef L ö wiu g er, Cantor in Keszihely. Festtags-Betrachtung. Welch' eine Pracht ringsumher! In wunderbaren Farben prangen die Blumen des Gartens) in Hellem Grün leuchten Wälder und Hügel, Käfer summen im warmen Sonnenstrahl und Lerchen singen über wogende Kornfelder; die ganze Schöpfung hat ein Festgewand angetha:: und lauter Jubel begrüßt den holden Lenz. Ja, in diesem Jubel stimmt aber auch ganz Israel ein; denn auf Horebs heiligen Höhen haben wir für die ganze Menschheit Licht und Wahrheit empfangen. Treu haben wir dem Versprechen unserer Ahnen durch alle Zeiten hindurch gelebt. Das נעשה ונשמע »Wir wollen thun und wollen hören" ist für