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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-06-12 · Heft 20 (12.6.1883) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 20 (12.6.1883)
Date
1883-06-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«ine Gemeinde, die eine Orgel im Gotteshause zuläßt, ist keine jüdische Gemeinde: mehr;, ein .Nabblner gar,! der einer-Orgel das Wort redet, ist ein Jerobeam, der da ,sündigt und Andere sündigen macht*, ein?«solle dsroel, kein Jude mehr! Merkwürdiger Weise existirt ein solches Anathema nirgends. Was hat eigentlich bei den Juden eine solche Antipathie gegen die Orgel hervorgernfen? Es war der nicht wegzuleugnende Umstand, daß unter Orgeltönen die größten Judenverfolgungen rnscenirt wurden: Das ivurd^ freilich mit der Emancipation der Juden anders, sie haben Ln der-Orgel nichts als ein musikalisches, die Andacht beim Gottesdienste hebendes Instrument. Wenn die Orgel, weil in Kirchen -eingeführt, von der Synagoge fern bleiben sollte, dann müßte gar Vieles als eine unstatthafte Nachahmung bezeichnet werden. Was hat man nicht Alles -als verbotene Nachahmung bezeichnet! Die Abhaltung deutscher Predigten chukkos kaggoj, Nachahmung, deshalb verpönt— was ja die Gegner der deutschen Predigt vor 30—40 Jahren als Grund ihrer Opposition thatsächlich anführten; die Ablegung des Kaftans, der vielzackigen Zobelmütze, die Ausnahme des Nockes nach europäischem Schnitte und dgl. Nachahmung, ollukkos also verpönt; die Amtstracht -des Rabbiners und- Cantors, Talar und Bäffchen, Nachahmung, chukkos haggoj, also verpönt; dann müßte ja consequenterweise die ganze innere Einrichtung der Synagoge als chukkos haggoj begeichnet werden, da in den früheren Synagogen bewegliche Stehpulte waren, daun müßte, die Beleuchtung, auch eine andere als in den Kirchen u. s. w.! Und mit solcher beschränkten klösterlichen Anschauung will man Netter des Judenthumes sein! Da hatte Joseph Kolon eine,ganz andere Ansicht. ,Verbotene Nachahmung*, sagt er in einem Gutachten, ,kann nur auf zwei Arten Anwendung finden: 1. Bei Dingen, wofür kein vernünftiger Grund anzuzeben ist, so daß die Aufnahme eben bloß auf leerer Nachahmung beruht; 2. bei Dingen, durch welche Anstand und gute Sitte verletzt wird, so daß der Leichtsinn dadurch Nahrung findet;'was sich aber als nützlich erweist, darf und soll Aufnahme finden. Dies nehmen die Verfasser der Codizes auf, Joseph Karo und Moses Jsserles. Bedarf es nun erst einer ausführlichen Anwendung auf die Orgel? — Dr. G. (Fortsetzung folgt.) Pia desideria. Der mächtigste Hebel zur Weckung des esprit de ehorps, wie auch zur Anregung des Bewußtseins der solidarischen Zufammengchörigkcit eines Berufstandes ist unstreitig die Gründung und Erhaltung eines Fachorganes, das ans die Förderung der moralischen und materiellen Interessen des Berufes hinzuwirken bestrebt ist. Allein es ist durchaus nicht genügend, wenn ein Fachorgan von seinen Interessenten nur materiell unterstützt wird, sondern auch geistiger Beitrag muß demselben durch wohlmeinen׳ den Nath geboten werden, nach dem Worte des Weisen "ותשועה ברב יועץ- ,Sieg kommt durch vielen Nath*. In den Spalten eines solchen Fachorganes gelangen bekanntlich die auf dem Be- -rufsgebiete vorkommenden Mängel und Uebelstände, wie auch die Nathschläge und Mittel zur Abhilfe derselben zur Ventilirung und detailinen Besprechung. Zweckmäßige, auf die Erreichung des gemeinsam anzustrebenden Zieles gerichtete Anträge, erhalten auf dem Terraine des Fachorganes ihren prägnanten Ausdruck. Unter dem Zeichen und Paniere eines solchen mit Kraft ausdauernden Bestrebens, eines einhelligen und aufrichtigen Zusammenwirkens kann sodann der Sieg des hehren Zieles, dem eine Berufsgenossenschaft gemeinsam entgegenstrebt, ruhmvoll und mit Erfolg erkämpft werden. ׳ ׳ Die »Oest er r. 11־ n g a r. Cantoren-Zeitü ng*, als das eigentliche und ausschließliche: Organ des C a n t o r e n st a n d es., verfolgt seit der: Zeit; ihres Entstehens unentwegt einen löblichen und , erhabenen Zweckläßt keinen Moment außer Acht, wo es sich handelt, , für Pie Interessen' des Cantoreuamtes in die Schranken zu treten. Diese löbliche Kundgebung des ehrlichen und treuen Strebens wirkt anspornend auf sämmtliche Collegen des Berufsstandes, hält diesen gleichsam die Devise in Lapidarform vor. daß Jeglicher, nach Maßgabe seines, geistigen Vermögens, sein Schärftein zur. Erreichung des erhabenen: Zieles beizutragen sich bestrebe.. Unter der Macht dieses Eindruckes stehend, erlaube ich mir auch hervorzutreten, und ohne zusagen- קבלו :לעתי meine bescheidene Intention in Betreff der Hebung des Cantoreuamtes: hier bekanntgebend, auf jene 3 Momente hinzuweisen, welche auf. die. Förderung des moralischen Ansehens, somit auch auf die Verbesserung der materiellen Lage des Cantorenthumes von merklichem, ja von entschieden wohlthätigem Einflüße wären: 1. Darf von Keinem unserer Standesgenossen die Wichtigkeit und Tragweite eines tactvoll rcdigirten Fachblattes für die Förderung unserer vitalsten Interessen unterschätzt, vielmehr dasselbe als das geeigneteste Medium zur Veröffentlichung -unserer gerechten Wünsche und Beschwerden allseitigst unterstützt werden. Allein müßteein derartiges Fachorgan nach meinem Dafürhalten den jeweiligen Bedürfnissen des Vereines angemessen; in ganz spontanen Zeitabschnitten erscheinen und der Preis hiefür sollte demnach auf ein derartig kleines Minimum herabgesetzt werden, daß nebst der Zahlung des jährlichen Vereinsbeitrages, was doch das nervus rerum gerendarum unserer Bestrebungen bildet, das Abonnement desselben Niemandem unter unseren Collegen beschwerlich fallen dürfte*).. 2. Erachte ich die autoritative Qualifikation des Cantorates — was natürlich nur durch die Creirunz einer Cantorenschule zu bewerkstelligen wäre, und daher diese Frage mehr in die Sphäre der Gemeinde gehört — als einen vorzüglichen Factor, zu Förderung der Autorität des Cantorenstandes. Es liegt zwar die Nealisirung dieser Idee in solcher Ferne bei uns, daß . selbst die Umrisse derselben kaum wahrnehmbar sind. Und schlägt auch diese Frage, nicht direct in den Programm der Vereinsagenden ein, verdient aber insoferne von Seite des Fachorganes die kräftigste Anregung, weil der moralische Aufschwung des Berufsstandes mit der autoritativen Qualifikation in engster Verbindung steht, ja ersterer durch letztere in bedeutendem Maße gefördert würde. **) Obzwar die Echtheit dieser Behauptung keines Argumentes bedarf, will ich doch zur Erhärtungderselben einen concreten *) Wir sehen uns veranlaßt die Erklärung abzugeben, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Herabsetzung des Abonnements nicyr möglich.ist, da der Herausgeber, in Folge der Unpünktlichkeit der Zahlungen von Seite unserer geehrten Herren Abonnenten, schon jetzt mit einem bedeutenden Deficit zu kämpfen hat. Die materielle Lage der Cantoren-Zeitung würde sich nach den traurigen Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben, auch dann .nicht verbessern, wenn dieselbe in größeren Zeitabschnitten erschiene unb der Preis demgemäß ein geringerer wäre, da auch in diesem Falle die Einsendungen des Äbonnementsbetrages mit derselben Unpünktlichkeit geschehen würden. Bon einer Verminderung des Abonnementspreises könnte also nur dann die Rede sein, wenn die 'Abonnentenzahl unter den Cantoren sich vergrößerte und dieselben sich bestrebten uns Privatabonnenten zu erwerben, wie auch dahin zu wirken, daß die Concurse für vacante Stellen unserem Blatte eingesandt werden. Die Redaction.. **) Die Gründung einer Cantoren Schule liegt durchaus nicht in so weiter Ferne, wie der geehrte Autor meint. Wir können vielmehr demselben die Versicherung geben, daß bereits alle Vorbereitungen Hiezu von Seite, des Vereinsvorstandes getroffen sind, und zwar'in einer Weise, daß die Vereinsmittel dadurch nicht in Anspruch genommen werden. .Die Red.

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