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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-06-12 · Heft 20 (12.6.1883) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 20 (12.6.1883)
Date
1883-06-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Altmeister. Wie diese unsere Anschauung "auch " gedeütW )Eden mag, die eine Thatsache zeigt uns die Zaubermacht jener alten Weisen.,am nachdrücklichsten, daß dieselben vom- Zudenthume LeinaheLHr ganzen^Welt — vielleicht" nur mit Müsnähme der AeLardim*) — als Gemeingut angenommen und trotz Anfechtung nnd unverdient-strengen Hintansetzens sich' dennoch als kostbare NMguien bis ans unsere Lage erhalten haben. Es ist nun uEÄe Estcht. MMleMWwie wir" dieses historischeWermächtniß augetreteu> verwerthet und der modernen Synagoge einverleibten. Jedem von uns, der die Phasen der Neugestaltung^ unseres Synagogengesanges mit durchlebte und beim Studium der Legionartig sich häufenden, nur zum geringen Theile wirklich gediegenenSynazöNenLSmpositionen seine heilige Schwärmerei für das^ wahrhaft Klassisch-Schöne der a!ten Gesänge nicht gänzlich einbüßte, trübt sich der Blick Leim vorurthcilsfreien Prüfen dieser Thatfache. — Der Zeitgeistder sehr viel Geist, aber nur wenig Zeitfür religiöse Zwcckebeansprucht, hat aus den drei starken NaöÜsor Bänden von 80kkotü, Pessach und Schewuoth ein zierliches Bänd׳ chen hervorgezaubert, welches für alle drei Festtage ausreicht; — die herrlichen Gelegenheilsgebete sind auf.Nimmerwiederkehr un d. mit denselben -,manch' tiefsinnige Melodien ^verschwunden, und wenn wir beute nach den historischen G eb e t s st e l l e 11 forschen, fo wird es höchstens die kleine Einschaltung bei יעלה וייבא oder bei ברכות ההפטרה sein, welche wenigstens den Tag bezeichnet, der gefeiert wird. — Um Zeit zu ersparen, sagte man, ^hab'en die Herren vom Geiste alles auf das Geschichtliche Hindentende aus dem Gebetbuche entfernt und wir hätten wahrlich für dieses auffallende Vernichtungssystem keinen Beleg, böte uns die Predigt, diese hohe Errungenschaft des modern-jüdischen' Zeitgeistes, nicht den Schlüssel hiezu. — Die jüdische Predigt — sucht und findet ihren Hauptinhalt in den geschichtlichen Ereignissen, welche dem jeweiligen Feste als Folie dienen, und indem .dieselbe sich in intelligenter Weise dieses hochwichtigen Stoffes bemächtigte, i st si e a l l e! n e s, welche dem Feste die ihm gebührende historische Färbungverleiht. — Wir sehen nun zu deutlich, wie im Strome der Z eit die Nöllen gewechselt erscheinen; — in den altjüdischen Gebetthäusern, allwo es noch keinePredigt gab, war es lediglich der Vorbet er, der dem Feste durch die musikalische Jllustrirung eines besonderen nur für den betreffenden Tag bestimmten Textes ein eigenartiges Gepräge verlieh, durch den charakteristischen Gesang auf die Gebetstexte aufmerksam machte und so gewissermaßen auf den Zusammenhang des Festes mit seiner Geschichte hinwies; — in den modernen Synagogen soll der Vorbeter am Freitag Abend, an den Vorabenden der Feste; beim Samstag-Vormittagsgottesdienst wie bei demselben Gottesdienste der Festtage ׳ganz gleichmäßig rccitireu; zudem hat man, um noch mehr Zeit zu gewinnen, bei der Schemone esre in vielen Gemeinden dem Vorbeter das Neciiiren nur bis hoel hakodosch. erlaubt und ihm ans diese Weste die Gelegenheit geraubt, die Stimmung des Festtages von der Stimmung des Samstages zu scheiden; es ist der Wunsch gewisser Kreise, daß der Vorbeter möglichst gleichmäßig bleibe, um den verschiedenen Gottesdiensten-einen, wie man sagt, ein- Zeitlichen Charakter zu verleihen und nur die Predigt hat sich die hochwichtige Ausgabe Vorbehalten, jedam Festtage das ihm gebührende Relief zu geben. (Fortsetzung folgt.) *) Sie sefaräischen ®efänge, die eine eigenartige Färbung haben, verdienen in hohem Grade die Beachtung und Würdigung unserer Fachgenoffen. Sprechen und Singen von A f *rffy § dt C S t '0 e-r ck. Der Kehlk.opssSiegel im Dienste des Gesangs- ' un t er r i ch t e s. Wir: müssen' gAMhieMMstatiron^daHMade die Anwendung' des/ Kehlkopfspiegels Gümedie Gesangstechnik merkwürdiger Weise nicht von jenen Erfolgen begleitet war, die sich G a r e i a von der Anwendung desselben versprochen hat; /und obsthon sich die Hilfsmittel zum Gehrauche des Kehlkopfspiegels in hohem Grade vereinfacht haben, .haben - sich die Gesangslehrer desselben bis zum heutigen Tage durchschnittlich viel zu wenig bedient, als daß sie daraus einen wesentlichen Vorlheil für:den Gesang gezogen hätten. Es ist selbstverständlich, daß man mittelst des ׳Kehlkopfspiegels und dessen bester Handhabung noch nie:Jemandem Gesangsunlerr.icht/beigebracht hat; man kann aber mittelst des Kehlkopfspiegels genau eruiren, ob das Individuum/-welches für den Gesang prädestinirt ist, auch ein entsprechend entwickeltes Organ besitzt. Es läßt sich mit dem Kehlkopsspiegel besser entscheiden, wie viel man dem Organ zumuthen darf als durch 'Singproben allein. Von vornherein läßt sich durch den Kehlköpfspiegel constätiren, daß Individuen, chfe konstant 'beiganz richtigem Verhallen und richtiger Sangesweise an Congestionen leiden, für den Gesangsunterricht sich wenig eignen. Ein sonst gesunder Kehlkopf darf bei nicht unnatürlicyer Anstrengung im Singen keine Congestionen erkennen lassen. Zur Beleuchtung des Kehlkopfs, dienen: Linsen aus reinem Glase, cuelche einfach polirt sind, wie man selbe jetzt in Glasfabriken zu ganz niedrigen Preisen bekommt. Eine derartige Linse in einen Blechcyliiider gcsaßL und auf irgend eine beliebige Lampe gesetzt, genügt zur Beleuchtung vollkommen. Passendere Untersuchungsobjecte als Sänger kann man sich ja gar nicht wünschen; dieselben ertragen ausnahmslos bei zarter Behandlung die Untersuchung vollkommen gut. Der zu Untersuchende muß so gesetzt werden, daß' das von der Lampe ausstrahlende, resp. durch die Linse concentrirte Licht auf das Zäpfchen des zu'Untersuchenden fällt. — ־ Legt man vorsichtig einen etwas erwärmten Kehlkopfspiegel an das beleuchtete Zäpfchen und bringt sein Auge in eine gleiche Linie mit dem einfallenden Lichte, so sieht man im Momente einen normalen in der Athmungsstellung besindlichen Kehlkopf.׳ Die beiden wahren Stimmbänder sind von einander weit entfernt, so daß man in die Höhle des Kehlkopfes hineinschaut, wobei man eine Anzahl der weiß durchschimmernden Luftröhrenknorpel zu Gesichte bekommt. Der Kehldeckel ist etwas gesenkt, wodurch man die ganze Lange der wahren Stimmbänder nicht sehen kann — indem der Kehldeckel-Wulst den vordersten Theil (Winkel) der spitz zulaufenden wahren Stimmbänder etwas verdeckt. Die Kehlkopfin spection und ihre Bedeutung. Damit der Gesanglebrcr beurtheileu köune, ob der Kehlkopf gesund oder krank sei, muß er eine Anzahl von Kehlköpfen, sicherlich gesunder Individuen .angeschaut haben, um die Nuancen der Farbenverschiedenheiten, wodurch sich krankhafte Zustände äußern, benrthcilen zu können. Es würde zu weit führen, all' die differenten Farben, die bei krankhaften Zuständen möglich sind, hier 611 detail anzuführen. Jemand) der sich solche Detailkenntnisse aneignen will, muß zu den entsprechenden Handbüchern greisen. Nur im Allgemeinen können wir hier, bemerken, daß.der ׳ obere Theil des Kehlkopfes, der Kehldeckel, bie Tascheubänder,

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