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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-06-12 · Heft 20 (12.6.1883) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 20 (12.6.1883)
Date
1883-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oeste rrei ch i sch-u n g arische n-Zeitung. O r g a n für die Oesammt -IntmMil jüdischer Ollutmeu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob Wcruev. Nr. 20. Wien^ 12. Juni 1883. _3. Jahrgang. (prünilmeratillns-PreiL^ für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50;Für das Ausland: Ganzjährig . ... fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig .fl. 1.75 incl. Lastrllllng in’» Haur. JJ f und Administration Leopol-sta-t, Circusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht .. retournirt. 1 ' M Chasonus von Höercarrlor Z. Singer in Wien. Dir jüdischen Fest- und Fasttage haben, im Gegensätze zu den Festen-anderer Glaubensbekenutnisse, zumeist keinen religiösen, sondern rein historischen Hintergrund; selbst die beiden Fasttage ]Esther und Gedaljah, wenngleich nach Personen benannt, dienen keineswegs zum Andenken an die Heiligsprechung derselben sondern lediglich zur Fixirung eines jeweiligen bistorischen Ereignisses: Sukkoth — ein cultur-historisch-bemerkenswerther Zeitpunkt der jüdischen Wüstenwanderung; Pessach — ein! Befreiungsmoment vom Sklavenjoche und Schevvuoth, als Proklamirungszeit eines Weltgesetzes, welches bis nun von keinem anderen Gesetzbuche übertroffen, dem entsprechend auch von keinem Staatsgesctze verworfen wurde. In welcher Weise wurden nun diese erwähnten Feste in den Synagogen Altisraels gefeiert, um jedem derselben sein eigenartig historisches Gepräge, demgemäß auch jedem eine eigenartige Weihe zu verleiben? In erster Neibe durch die Gebettexte. Vor uns liegen drei Machsorim von Sukkoth, Pessach und Sehewuoth in unverkürzter Ebrwürdigkeit; wir betrachten aft’ die Blüthen akthcbräischcr Poesie, die in erschütternder, aber glaubensfreudiger Weise die Geschichte des Tages vorsühren, wie z. Bam Sukkoth . . N2O2 ויהי בשלום 2^1 ... באים ולנים שבעה אוחזי בידם ארבעה מינים ■ u. A. Am Pessach פםה אמונים שיר שוררוהו .. das herrliche Gedicht des spanisch-jüdischen Dichterheros -Jehuda Halevy : יום ליבשה נהפכו מצודים שירה הדשה שבהו גאולים und das bekannte ]Essay über Verse aus Israels erhabenem Siegesgesange שירה u. A. Am Schewuoth als אנכי גלה והאיר לעמו. זמן מתן תורה ובל העם רואים ושמעים, wie die geistvollen Anschauungen über die zehn Gebote 2c. Für jedes Fest war ein eigenes Gebetbuch bestimmt. weil, wie erwähnt, der Gebetsinhalt des einen Festes, als für den geschich?!ichen Charakter des andern durchwegs unpassend, eine strenge Sichtung des Stoffes nothwendig machte. Ebenso streng geschieden waren die Melodieen der verschiedenen Gebete und wenn dieselben beim Gottesdienste vom Vorbetec recitirt und von den Anwesenden in frommer Gemeinschaft nachgesungen wurden,- du ergriff ein heiliger Audachtsschauer aW Herzen, bebten alle Pulse inmitten des frohen Festesjubels. Und wenn der Festesglanz verblaßt, die Festesfreude verrauscht und der emsige GlanbenSbruder wieder des Lebens Müh'' und Last aufznnehmen gezwungen war, so umgaukelten und umrauschten ihn all' die heiligen Melodien auf seinem schweren Gange, als treuer Begleiter aufmunternd und kräftigend. Werfen wir nun einen kritischen Blick auf all' die ehrwürdigen Weisen, die einen Hauptbestandtheil des altjüdischen Gottesdienstes ansmachten, so müssen wir, Kinder eines kunstgewandteren Geschlechtes, dennoch achtungsvoll erstaunen vor der Fülle charakteristischer Melodieeu und stimmungsvoller Gelänge und können unseren Altvordern daS rückhaltslose Zngeständniß nicht vorenthalten, daß sie trotz ihrer beschränkten Kuusttheorie dennoch ,Denker in Tönen" waren. Die von einander wesentlich verschiedenen Klänge beim Abeudgoktesdienfte der Wochentage, des Freitagabend, der Vorabende der Scholosch regolim und hohen Feiertage; die Mannigfaltigkeit der fünf verschiedenen stimmungsvollen ־לדור״ודור^^^«, die Andersgestalt NN g der Schemone esrc-Recitalion für Wochentage, Festtage, Sabbathe und Posch haschanah, wie die zahllosen heiligen Weisen zu den eingangs erwähnten Gebetseinlagen für Sukkoth, Pessach und Schewuoth, sie sind wahrlich nur zu beredte Zeugen für die gesangliche Gestaltungsfähigkeit, wie für das edle Zielbewußt-- sein unserer ehrwürdigen, nun längst entschlafenen Fachgenossen- Diese angedeuteten und zahllose andere Synagogenweisen prägten den einzelnen Gebetabschnitten der verschiedenen Feste die Signatur der Tagesstimmung in des Wortes edelster Bedeutung auf; bieten dem Forscher auf fynagogal-gesanglichem Gebiete treffliche Anregung zur Vertiefung in die Arbeit, wenn nicht gar Material zur Aufstellung eines Systems der Compositionsweiie unserer

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