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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-06-04 · Heft 19 (4.6.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 19 (4.6.1883)
Date
1883-06-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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e — seelischem Antriebe sich hiezu berufen suhlt — sonst bleibt er stets ein Heuchler, der die Sache Handwerks- und geschäftsmäßig betreibt und dem es bestenfalls nur um den Beifall und die Anerkennung des Auditoriums zu thun ist — nicht aber um die Andacht erweckende, innige Gemüthserregung ׳התעוררות welche den alten in so hohem Grade eigen war. Mit Recht gilt hier das Sprichwort: Chi non arde, non narde, oder in a. W. דברים היוצאים הלב נכנסים אל הלב wobei freilich die herrschenden Zeitverhältnisse und die TageSströmung zur richtigen Beurtheilung mit in Betracht gezogen werden müßten. Ferner siude ich die generalisirende abfällige Bezeichnung für alle Pijutim in Bausch und Bogen nicht ganz gerechtfertigt, wenn auch einzelne an Unverständlichkeit und Schwerfälligkeit nichts zu wünschen übrig lassen; jedoch muß -berücksichtigt werden, daß sie im Großen und Ganzen den Besten ihrer Zeit genug gethan und gerecht geworden, Jahrhunderte hindurch unseren Altvordern zur Erbauung und Erhebung im Drucke, in trüben Zeiten gedient, zur Aufrichtung des gesunkenen Muthes vielfach beitrugen, trotz der vielen grammatikalischen Verstoße. Sieht ja doch bekanntlich der liebe Gott nur auf das Herz und nicht auf die Orthographie ד' יראה ללבב und verschlägt es bei vielen der anerkennendsten Bibelcommentare in sachlicher Beziehung nur sehr wenig, wenn hie und da ein Lapsus gegen die damals noch nicht 10 geläufigen Regeln der Grammatik mit unterläuft. Ueberdies haben wir ja viele dieser, dem Wesen nach höchst poetischer Gebetstücke, nach rationell getroffener Auswahl, selbst in unserem modernen Tempelgottesdienste beibehalten — es ziemt sich also im A-burtheilen eine gewisse Dosis Reserve und Mäßigung für uns Epigonen, die wir in Bezug aus den Cultus eine nur zu geringe schöpferische Thätigkeit entwickeln. Laxionti 8at. ודי לחכימא ברבייה. Auch über das Verhältniß des Seelsorgers zum Cantor wäre so Manches zu sagen gewesen, doch ist dies für den נוגע בדבר ein zu heikles Thema, das besser nnerörtert bleibt, zumal ja jeder Einzelne von richtigem Tactgefühle sich am besten leiten läßt, je nachdem er zum Rabbiner auf freundschaftlichem und vertraulichem, oder nur friedlichem Fuße steht. Im Uebrigeu wird mir Herr Cantor S. diese kurze Auseinandersetzung wohl nicht verargen, da es nicht arg gemeint ist und ich nur meine Meinung äußern wollte. אל נא תהי בריבה. - Rabbiner G. Kleine Chronik. . Wir lesen im ״Berliner Tagblatt": ״Zarter und origineller dürste wohl von keiner anderen Seite den Noth. leidenden wirksame Hilfe. gebracht werden als von einem hiesigen Verein, der sich die Unterstützung armer Wöchnerinnen zur Aufgabe gemacht hat. Die Hilfeleistung erfolgt, wie gesagt, in einer so diskreten und dabei so originellen Weise, daß wir wohl annehmen dürfen, die näheren Mittheilungen hierüber werden in weiteren Kreisen lebhaftes Interesse erregen. Der Verein, der ״Sandikin" heißt, zählt zu, den Wohlthätigkeits-Gesellschasien, welche der hiesigen jüdischen Gemeinde unterstehen. Dieser Verein besitzt zwei Sammelbüchsen, deren eine mit dem Buchstaben Aleph (A) bezeichnet ist, während die andere den Buchstaben Beih (B) trägt. Die erste ist versiegelt und wird nöthigenfalls von dem Aeltesten der Gesellschaft eröffnet; die zweite Büchse dagegen bleibt beständig offen. Sobald nun bei irgend Einem von der Gemeinde -— er sei reich oder arm — ein Todesfall sich ereignet, oder eine Frau in die Wochen kommt, wird die offene Büchse B mit Geld angefüllt und nebst der versiegelten Büchse A der betreffenden Familie in's Haus geschickt. Das Geld in B steht gänzlich zur Verfügung der Familie, und sie kann es ganz und gar zu ihrem Gebrauche verwenden, oder auch nur einen Theil davon entnehmen; nur muß sie im letzteren Falle das noch übrige Geld auS^ der, Büchse thun und in den oben angebrachten . Einschnitt der (versiegelten Büchse A werfen. Ebenso : muß. der Reiche, das Geld ausder Büchse B in die:Büchse A hinüberschütten, und es bleibt.seinem^ Gewissen anheimgesiellt,- von seinem eigenen Segen. so viel noch beizusteuern, als die Verhältnisse ihm gestatten. Nach einigen Tagen׳/ werden beide Büchsen durch dm Gesellschaftsboten abgeholt. Dieser׳ findet die Büchse B jedesmal ausgeleert; aber Keiner weiß, ' ob dashingeschickte Geld verbraucht, oder ob noch mehr hinzugethan worden ist. Jndeffen hat . der Dürftige genossen und darf sich dessen nicht schämen, der Reiche hat Gutes gethan und kann sich dessen nicht׳ rühmen. Siehst Du, mein Freund, das ist eine gar sinnige Erfindung׳, wodurch Gelegenheit gegeben wird, Wohlthaten zu empfangen, ohne׳ Beschämung und Wohlthaten zu ertheilen ohne Vergeltung. — Soberichtete im Jahre 1784 ein polnischer Rabbi, der damals in Berlin längere Zeit verweilt und einem Amtsgenossen in-der Heimat, seine׳ in Berlin?gesammelten Beobachtungen mitgetheilt hat. Von?einem, Freunde unseres Blattes auf diese Berichte aufmerksam gemacht, ließen׳ wir Nachforschungen darüber anstellen, ob jene .so. humane Einrichtung heute noch bestehe. Dies ist, -wie wir mit Genugthuung constatiren: können, in. der That der Fall, allerdings mit der im. Eingang ange--׳ deuteten Einschränkung, daß die beiden Büchsen nicht mehr bei Todesfällen, sondern nur noch den Wöchnerinnen in's.Hans geschickt werden.* ÄSleN. Im Laufe der vorigen Woche kam ein alter, dem- Anscheine nach dürftiger Mann zu dem Vorsteher des Loth-Harnidrasch in der hiesigen Schiffschule und bat diesen, er möge ihn daselbst übernachten lassen. Der . Vorsteher willfahrte seiner Bitte, lieber Nacht erkrankte aber der alte Mann und mußte unter Nücklassung seiner wenigen, in einer desecten Reisetasche befindlichen Habseligkeiten in's^ Spital transportirt werden, woselbst er in, wenigen Tag-n starb. Alsman nun unter den in Lsth-Lamidra^ch zurückgebliebenem Sachem zur Bekleidung des Tobten nach dem Tallis suchte, und' denselben einer genaueren Besichtigung unterzog, fand man darin 16.000 fl., in Papiernoten, eingenäht, Die verschiedensten׳ Vermnthungen über die׳ Convenienz dieses Gelbes wurden, da laut. Keiner konnte glaubendaß es hier mit rechten Dingen zugegangen lei, denn: Niemand hätte bet diesem Manne eine so.große Summe Geldes׳ vermutket. Wie man׳ uns aber berichtet, ist die Lösung dieses räthselhaften Vorfalles bereits gefunden, wir können jedoch derselben wenig Glaubwürdigkeit beimessen. Der Alte hatte den größten Theil seines Lebens in Jerusalemzugebracht, und wurde jetzt bei feiner Rückkehr von wohlhabenden, iir Posen lebenden Verwandren reichlich beschenkt. Die in Jerusalem lebende Frau und die Kinder des Verstorbenen wurden nun gerichtlich-׳ aufgefordert, den im hiesigen Depositenamt. hinterlegten Betrag zubeheben. IFrerr. Letzten Sonntag fand im allgem. österr. ifrael. Taubstummeninstitute auf der Landstraße die öffentliche Schlnßprüfnng. statt, welcher ein zahlreiches und exquisites Publikum beiwohnte. Wir bemerkten den Bürgermeister der Siadt Wien, Herrn Uhl, den Bezirksvorstand der Landstraße, Bezirksschnlinspeetor Hofbauer und׳ mehrere Gemeinderäthe. lieber die Leistungen dieser mustergiltigen Anstalt haben wir schon so oft zu berichten Gelegenheit gehabt, daßwir es uns ersparen können, wieder auf die staunenerregenden Ne-, fultate des Unterrichtes an dieser Anstalt hinzuweisen. Nur so viel fei hervorgehoben, daß bei der heurigen Prüfung namentlich die glänzenden Erfolge in der Aussprache der taubstummen Kinder die ungetheilte Befriedigung der zahlreichen Gäste hervorriefen, und daß׳ der Director, k. Rath I. Deutsch, von den Beglückwünschungen und.' Ausdrücken der Anerkennungförmlich überschüttet wurde. Oskav WaldeE's biblisches Lesebuch'für die israelitische- Jugend der Mittelschulen, I. Theil, Klinkhardt, Leipzig, Wien,- 1883. — Gerathen Kies und Stahl hart aneinander, gibt es׳- Funken. Der Funke war da, er lag im Kiese, tief verschlossen^ ׳Auch in der menschlichen Natur, tief unter der Brust schlägt.ein-

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