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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-05-19 · Heft 17 (19.5.1883) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 17 (19.5.1883)
Date
1883-05-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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würde die ganze Gemeinde bald kennen, und so wäre es dem Cantor leicht, einen geregelten Gottesdienst in der kleinsten Gemeinde zu führen. Was fehlt also? — Folgendes: Schwere Gesänge für vollständigen Chor mit Orgelbegleitung — deren gibt' es so viele! Dort, wo solcher Chor ist, sind auch die Mittel vorhanden, alles Nöthige herbeiznschaffen. Der Land- -cantor, der 1. die Miltel zu diesen Werken nicht hat, 2. davon Zeinen Gebrauch machen kann, weil er mit Noth ein paar Buben zusammendrillt, der soll etwas von den Beilagen haben, das er benützen kann, zu dem er leicht kommt. Also nicht für die Neichen, für die Armen wirkt — nicht für die Großgemeinden, für die Zleinen Gemeinden soll componirt״ werden, damit das Gebrüll, .die Unarten während des Gottesdienstes den schönen ein- und zweistimmigen L’clio dodis, Michomochos 11. s. w. Platz machen. Wie vielen Cantoreu fehlt die Fähigkeit eine Kedasohe melodiös zu recitiren :c., rc. —;— Dem Manne ן oft geholfen werden! Holzer in Benescha u. Eingelendet. Fiume, am 9. Mai 1883. Hochgeschätzter Herr N e d a c t e u r! Gestatten Sie mir die Aufnahme nachstehender Zeilen in Ihrem vidgelesenen Blatte, vielleicht kann dem Nebel, welches Herr College Joseffovic ans Carlstadt in Nr. 15 anregte, durch nach stehenden Modus abgeholsen werden. — ״Nur dem Arceptirten wer׳ den die Reiscspesen vergütet," und mit 3techt, warum denn selbe den Nichtacceptirten vergüten? — Hat etwa nicht jeder Cultusbeamte, welcher;um Vortrage reist, so viel Geld, um die Reiseanslagen aus eigenen Mitteln bestreiten zu können? — Und wäre denn überhaupt ■ein Pressionsmittel da, um diesen Schlußpassus eines jeden aus ge׳ fchriebenen ConcurseS ausmerzen zu können? — Ich sage ja; und bringe hiermit einen Beweis, daß ich vor drei Jahren bei einem ans- Leschriebenen Concurse der Gemeinde Jpolsägh die Reiseanslagen bei etwaiger Nichtacccptation verlangt habe, wo mir auch bei Abschluß des Concurses die Hälfte derselben zugesagi wurde, welchen Brief ich der geehrten Nedaction zur Einsichtnahme auch übermittle. — Wir müssen nur Hand in Hand gehen, den so wichtigen Gegenstand besprechen, dann einen endgiltigen Beschluß fassen, und diesen Beschluß von einem jeden Cantor Oesterreich-Ungarns unterfertigen lassen, bei Nichteinhaltung des gefaßten Beschlusses aber jeden mit einem Pönale ׳von fl. 25 zu belasten, welches dem Vereinsfonde zu Gute kommen soll. — Ich habe Beweise, daß viele Gemeinden Concurs ausschreiben, um eben nur neue, resp. frische Cantoren zu hören, dann auch ffolche Gemeinden kenne, welche die Concurszeit monatelang hinausschieben, und sich eben den Genuß verschaffen wollen, jeden Samstag ein unentgeltliches Coneert anhören zu können. Von einem Honorar ist gar keine Rede, da der Gemeinde-Präses ausdrücklich erklärt, keineu Kreuzer aus der Gemeindecassa anweisen zu dürfen. — Sollte es aber einem der Coucurrirenden einfalleu, dem Herrn Präses zu erwidern, daß er für die Retourreis.- keinen Heller besitzt, dann, o iw eh! da geht es gleich einem Donnerwetter los. — Wußten Sie denn nicht, daß Sie auch Geld zur Retourreise benöthigen werden, warum haben Sie das nöthige Geld nicht mitgebracht? Da haben Sie aus meinem Eigenen! fl., telegravhiren Sie nach Hause um Geld, damit Sie Heimreisen können, mehr kann ich nichts thnn.*) — Ich bezeuge hier Thatsachen und spreche ans Erfahrung. — Auch gibt es noch eine andere Abfertigung. — ״Fahren Sie nur getrost mach Hause, es wird Alles zu Ihren Gunsten erledigt werden, und *) Herr College Joseffovic sagt nämlich, man möge auf diese Art .und Weise eine Prepion auc-nben, um wenigstens einen Theil der Ajeiseaus- .lagen zu erhalten. haben Sie die größte Aussicht acceptirt zu werden.' — Die Lehre ist, daß die Gemeinde bei einer Concurszeit von 3 Monaten 13 Cautoren hörte, diese 13 Cantoren aber, welche durchgehends Familienväter sind, durchschnittlich um 25 fl. brachte. Das Ende vom Liede ist: ״Bedauern sehr, wir behielten den Alten.' - - Und ein solches Unkraut soll nicht ausgerottet werden? Ich glaube ja; aber hiezu bedarf es von Seite der sehr geehrte Nedaction, vereint mit dem Cantoren-Vereine, einer sehr thatkräftigcn Unterstützung, und erlaube ich mir folgenden Vorschlag zu unterbreiten: Die gesammten Cantoren Oesterreich-Ungarns unterfertigen eine Erklärung, in welcher l. Gefertigter nur auf Einladung der Gemeinde zu einem Probevortrage erscheint, und 2. daß ausschließlich nur bei Retonrnirnng der Reiseauslagen, auch bei etwaiger Nichtaereptation, einr solche stattünden kann, 3. daß der Uebertreter dieser Erklärung zu Gunsten des Vereinsfonds mit 25 fl. bestraft wird. Erscheint dann ein Concurs, auf' welche Stelle, sagen wir, 20 Cau - toren refleetiren, und in einem jeden der einlangenden Offerte eine Bezahlung der Reiseanslagen verlangt wird, was wird die Gemeinde thnn.? Sie wird hierdurch gezwungen sein, 2 oder 3 der Offerenten einzuladen und ihnen auch die Reisespesen bei etwaiger Nichtacceptation vergüten. — Daher wollen wir trachten, einen festen Bund zu schließen, und ich hosfe, daß dem Uebelstande gänzlich abgeholfen wird. — Mit collegialem Gruße zeichnet sich hochachtungsvoll M. A. Goldstein, Cantor u- Rabbinatsverweser. H o r i tz im Mai!883. Geehrter Herr 31 e d a c t e u r! So mannigfach und verschiedenartig die Wünsche und Vorschlage sein mögen, die für das Aufblühen unseres Vereines und für dessen Kräftigung in den Spalten dieses geschätzten Blattes bisher Ausdruck gefunden, so cnlminiren sie doch alle in dem einen Wunsche, es möge zunächst die materielle Existenz desselben für Gegenwart und Zukunft als fruchtbringend recht bald gesichert sein. — Wol kann nur die Zeit die noch junge Pstanze kräftigen und zur Reife bringen, doch müssen wir auch gewissermaßen erfinderisch in der Wahl unserer 3Nittel sein, um diese Reifs womöglich zu beschleu-- nigen und unserem Vereine in erster Linie auch zugleich eine gewisse Pnblicität und Popularität zu verleihen. Die in einer jüngsten Nummer angeregte Verbreitung unseres geschätzten Organes ist wol sehr wünschenswrrth, reicht jedoch noch immer nicht hin, um den 26rvu8 rerum; das Capital, zum Wachsthum zu bringen. — Da hatte z. B. die ״Concordia' in Wien, als Verein für Schriftsteller und Journalisten, den Nagel auf den Kopf getroffen, indem sie die Theilnahme hervorragender Virtuosen und Mimen zu gewinnen gewußt und so durch Veranstaltung hochinteressanter Vorstellungen und Prodnctionen dem Verein sfonde nach und nach sehr ansehnliche Summen znfnhren konnte. Gründer und Leiter unseres Vereines sind in ihrer Stellung populär und geachtet genug, um fortwährend Fühlung zu haben mit den Kuiistgrößen Wiens, die ja zur Förderung humaner Zwecke selten oder niemals ihre 3Nitwirknng versagen. Wäre es also demnach nicht möglich, auch für unseren Cantoren-Verein irgend eine Matins, Akademie oder wie immer Namen habende Kunstproduction unter 3Nitwirkung hervorragender Knnstkräfte der Residenz zu veranstalten? Die Wiener Künstler traten noch immer in die Bresche, wo es galt, edle Zwecke zu fördern, und das Wiener Publikum hat nie gekargt und stets bereitwillig Opfer gebracht im Streben, sich beim Wohlthun zugleich einen Kunstgenuß zu verschaffen. Daß unsere tonangebenden Journale die Bestrebungen des Cantoren-Vereines in dieser Richtung ihrem großen Leserkreise zu fördern nicht anstehen würden, unterliegt keinem Zweifel, und müßte dem Cantoren-Vereine in kurzer Zeit eine Publieität verschaffen, die derselbe sonst nach

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