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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-03-11 · Heft 16 (11.3.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 16 (11.3.1883)
Date
1883-03-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Cottbus. (Ori g.- Corresponden z.) In Goerlitz ist die Stelle eines eisten Camors und Neligionslehrers noch immer vacant. Herr Obercantor Scherrhei, der seit einigen Jahren zur großen Zufriedenheit der Gemeinde dajelbst bisher fungirte, nbersiedelt am 1. Juli d. I. nach Berlin, um sich noch weiter -in der Compositionslehre zu vervollkommnen. College Scherrhei besitzt eine mächtige, slangreiche, vorzüglich geschulte Stimme und gediegenes musikalisches Wissen. Kein Wunder daher, daß die Görlitzer Gemeinde, trotz der beträchl'ichen Anzahl von Bewerbungen, sich noch nicht zu einer Wahl entschließen konnte. Die Stelle ist glänzend dotirt und die Görlitzer Gemeinde gehört unbedingt zu den intelligentesten und nobelsten unserer ganzen Provinz. In. Guben, unweit von bier, wirkt seit einigen Fahren Herr L- Sachs als .Neligiouslehrer. Cautor und Prediger der dortigen Gemeinde. Durch seine ausgezeichneten Leistungen hat Herr Sachs sich in dieser verhältnißmäßig kurzen Zeit die Liebe und Achtung seiner Gemeinde zu erwerben gewußt und zwar in einem so hohen Grade, daß noch vor Ablauf der provisorischen Contractszeit seine definitive Anstellung erfolgt ist. Ehre und Anerkennung der Gubener Israel. Gemeinde, die die Verdienste ihres Cultusbeamten zu würdigen weiß. Definitive Anstellungen zählen bekanntlich in Deutschlands Synagogen- Gemeinden zu den seltesten Ausnahmen. Wohl dem Cvllegen, der sie gefunden. Welch ein Himmel voll heißer Wünsche und froher Hoffnungen concentrircn sich nickt in dem Worte ,definitiv!" Leider erreichen nur die Wenigsten unter uns dieses glückliche Asyl — das Gros der Cantoren ist noch weit entfernt von diesem Ziele! O, zarte Sehnsucht, süßer Traum! Wann wird er blühst! und dauernde Früchte tragen, unser Lebensbaum! Kunst und Literatur. Die kaiserliche Akademie der Wissenschaften zu Wien (phil.- hist or. Cl affe) hat die in der .Oesterr.-Ung. Cantoren-Zeitung" niedergelcgten wissenschaftlichen Forschungen unseres Mitarbeiters des Professor Dr. S. Nascher mit schriftlicher Dankcsäußernng und Würdigung angenommen. Baal T’fillali, oder ״Der praktische Vorbeter", von A. B a er, Obercantor au der Synagoge in Gotbcnburg (Schweden). Dieses von den größten Capacitäten als eines der gediegensten und umsassendsten Musikwerke für Cantoren anerkannt, erscheint demnächst in zweiter Auslage. Die günstige Aufnabme, welche seinerzeit die erste Anstage gesunden, läßt mit Sicherheit erwarten, daß auch die zweite vielfach begehrt werden wird. Als ein Werk, Las sich bisher so trefflich bewährt hat, und dessen Vorzüge allgemein bekannt sind, bedarf dasselbe keiner weiteren Empfehlung. Seit dem Erscheinen ders Sulzer'schen Schir Zion^ der überall allseitige Würdigung und Verbreitung gesuirdrn;—ist" eine Reihe von Componisten für Synagogalmusik hecvorgctreten, die alle die schöne und lobcnswerlhe Absicht hatten, den religiösen Sinn zu wecken und den israelitischen Gottesdienst würdiger und erhebender, zu gestalten. Namentlich ist das letzte Jahrzehnt nn solchen Erscheinungen ungemein reich, leider aber — ich sage es g'rad heraus — ist auch Vieles gedruckt worden, das unreif und zur Veröffentlichung gar nickt geeignet war. Aber se seltener, um so willkommener und erfreulicher muß uns jedes Werk sein, das wirklich Gutes, Brauchbares gibt und demzufolge einen Fortschritt in der Synagogal-Literatur bezeichnet. Und solch ein Werk sind die Synagogengesänge ״Semiroth le 61 chaj“ für Solo, Soli und Chor mit Orgelbegleitnng (ad libitum) von dem verstorbenen Obercantor der ׳ Neligionsgemeinde in München, Max G. Löwenstamm. Die zweite Lieferung dieses Werkes ist soeben erschienen. Schon die erste Lieferung desselben fand Anerkennung nicht nur in Cantorenkreisen, sondern auch bei den größten musikalischen Capacitäten wie Franz Lachner, Rheinberger, Hanslick, die sich darüber äußerst lobenswerth aussprachen.. Das zweite setzt uns vorliegende Heft gibt , dem ersten nichtsnach; die darin vorkommcnden Compositiow'n für den Sabbathgottesdienst sind sämmtlich werthvoll und überraschend, sowohl durch die kunstvolle musikalische Form, wie auch.durch das tiefe Verständnitz und Erfassen des Textes. Namentlich gelungen und zu empfehlen sind der Lecbo adönoj, Hödo aj erez, und der 29. Psalm: Dorvu laa dönoj, höchst stimmungsvolle Chöre, die an Form und Inhalt nichts zu wünschen übrig lassen; der letztere (Psalm 29.) namentlich wird, wenn mit hinreichender Besetzung, aüsgefnhrt, stets großen Eindruck machen. Auch der Cantor ist im Werke bedacht: für ihn ist eine große Anzahl vortrefflicher Necitative geschrieben und fast jede Composition erfordert seine Mitivirkung. Das Werk ist durch den Herausgeber , Franz. Josef Löwcnstamm, Wien, I., Nibelnngengasse 3, sowie durch die Musikalienhandlungen C. A. Andre in Frankfurt a. M. und- Falter und Sohn in München zu beziehen; der Preis ist, irotzder besonders schönen Ausstattung, ein mäßiger (2 fl.).; * Zum Schluffe kann ich nicht umhin, mein Bedauern darüber anszusprechen,- daß unsere Componisten so wenig Unterstützung in den Cantorenkreisen finden. Mögen die Cantoren bedenken, daß sie die Träger des Gottesdienstes und deshalb verpflichtet sind, ihn zu heben und zu verschönern. Jede Gabe, hat sie nur auf künstlerischen Werth Anspruch, soll mit offenen Händen empfangen und für deren Verbreitung gesorgt werden; nur dadurch kann der Componift für seine Mühe belohnt und zu weiterem Schaffen angeregt werden. I a c. B a ch m a n n,.. Obercantor in Odessa. Imre schefer, betitelt sich das neueste Werk von Dr. ® e l b- Haus, Rabbiner zu Karlstadt. Genanntes Werk ist eine freie hebräische Uebersetznng eines ganzen Cykluscs Jellinek'scher Prachtreden, die der Autor auch jener Judenheit zugänglich zu machen suchte, die nicht deutscher Zunge ist, während der Hebraismus doch von allen jüdischen Schickten gepflegt wird. Dr. Gelbhaus hatte auch das vorauszusehende Glück, seine gelungene Idee bald realisirt zu sehen, und da die Uebersetznng eine vorzügliche ist, so erfuhr jjlmre sc lief er“ eine sehr rege Nachfrage. Besagtes Werk ist beim Verfasser um 60 kr., zu beziehen. Samuel, -er blinde Geiger. Novelle von Alois Kulka. (7. Fortsetzung.) V. (Nachdruck verboten.) Die Sonne sandte glühend heiße Strahlen hernieder, diewelken Plauzen lechzten nach kräftigendem Regen, Menschen und Thiere schmachteten nach kühlender Labung, die Bewohner des eingangs dieser Erzählimg bezeichneten deutschen Städtchens suchten in den, den sengenden Sonnenstrahlen weniger ausgesetzten Hinterstuben Schutz vor der Ermattung; plötzlich aberhüllte sich der Horizont in schwärzliches, gewitterschwangeres Gewölke, ferne schon leuchtete der-Blitz und eine unheimliche Stille herrschte in der ganzen Natur. Endlich brachen heftige Windstöße mächtig, durch die drückende Schwüle des Hinmels, eiliger zögen sich die dunkeln Wolkenmassen zusammen, immer näher und stärker rollte der Donner, feuriger zuckten geschlängelte Blitze, und bald rasselten Millionen schwerer Schlossen auf den Dächern der Häuser und schlugen an die, unter kräftigen Donnerschlägen erklirrenden Fenstertafeln; ein Ungewitter entleerte sich in seiner ganzen Wuchb über das Städtchen.

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