Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 16 (11.3.1883)
- Date
- 1883-03-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— r7 — Stille und traulich saßen die Familien beisammen, die" Geschäfte stockten, selbst Frauen und Mädchen ließen die Handarbeiten ruhen und hie und da lag wohl auch das Buch Bereschith aufgeschlagen auf dem Tische, um den sich die erschrockenen Kinder, einer Schafheerde gleich, unter Vorsitz einer .Deutsch-, Chumesch" lesenden Großmutter oder alten Dienstmatrone schnürten. So ruhig saß auch die Familie des jüdischen Gemeindepräses im Wohnzimmer des ersten Stockes beisammen, der Hausvater selbst hatte die Schreibstube verlassen und saß behaglich in seinem .weichen Lehnstuhl, gemächlich seine Pfeife schmauchend. Die jüngeren Töchter saßen furchtsam im finstersten Winkel des Zimmers, gegenseitig^einander Muth zusprechend, indeß doch jede ihre Äugen mit dem iLacktuche verhüllte, um die Flammenzüge nicht ansehen: zu müssen. Die Mutter blätterte in einem Buche, während Röschen, -Deren liebenswürdiger Charakter dem Leser hinlänglich bekannt! ist, am Fenster^saß. welchen Platz sie trotz mehrmaligem Zurufe! der Mutter: .So geh' doch vom Fenster weg. bei einem Donner-! weiter!* wie festgebannt von dem Natnrschauspiele, nicht verlassen konnte. Nachdenkend, mit, lieblich ernster Miene, lebnte sie sich mit dem Ellbogen auf das neben dem Fenster befindliche; Arbeitstischchen und sah dem Auf- und Niederbüpfen der Schlossen -zu; sie schien Gefallen zu finden an dem Grollen der Elemente. . Der Blitz, das Krachen des Donners, erschienen ihr nicht furchtbar und schaurig, denn sie fühlte sich angezogen durch die Erhabenheit und Majestät dieser Naturerscheinung, durch die Nähe ihres Schöpfers, der durch die flammenden Feuersäulcn des Blitzes im Glanze seiner Herrlichkeit herniederzustrahlen, und durch die Schrcckcus>timme des Donners, der in den uahegelegcnen Bergen, so feierlich, wie die großartigsten-Accorde einer Riesenorgel verhallte, die Worte seiner Macht: ,Ich bin-euer Herr!" den bau-- genden Wellen, die nicht aufzualhmen wagen, zuzuherrschen schien. ,. Lange hing Röschen schönen Betrachtungen nach, aus denen ^sie endlich ,die Mutter erweckte, welche die mitleidige Aeußeruug laut werden ließ: .Ach, wie sehr bedauere ich' den armen Wan-, -derer, der unter solchem Aufruhr der Elemente ohne Obdach, vielleicht nur unter dem mehr gefährlichen als schützenden Blätterdache einer stämmigen Eiche weilt, oder ans einsamer.Heide fortzuwandern genöthigt ist. Dieses Thema wurde nun von sämmtlicken Familieugliedern, mit Ausnahme Röschens.'- die sich nicht satt sehen konnte an dem Farbenspiele des sich nach und nach mehr ausheitcrnden Himmels, förmlich dnrchgeführt, indem auch die andern Mädchen, wohl ein wenig fckamroth ob eines spöttischen Zublinzetns von Seite des Vaters, ihre Schlupfwinkel verlassen, und sich um den großen runden Tisch in der Mitte des Zimmers zu ihren Handarbeiten und Büchern gesetzt hatten. Samuels Schicksal, von dem man nicht mehr wußte, als Daß er sich in Rom aufhalte, wurde in der kleinen Stadt bald durch das Hinscheiden seines allgemein geachteten und beliebten Vaters, zum täglichen Gespräch, und so konnte es auch nicht fehlen, daß, da Das erwähnte Thema an's Reisen streifte, auch jetzt von seiner Rückkehr in's Vaterland, die man auch wegen der Verlassenschaftsabhandlung erwartete, die Rede war. Neidische Freunde und, Freundinnen, denen ein zartes Verhältniß zwischen Samuel und Röschen nicht entgehen konnte, waren längst eifrigst bemüht gewesen, seiner eiligen.Abreise — zudem, da selbstverstündlich das nächtliche Concert nicht unbemerkt, geblieben —einen romantischen Anstrich zu geben, die Quelle von Röschens düsterer Stimmung, ja schwärmerischen Träumereien, wohl nicht mit Unrecht, in einer unglücklichen Leidenschaft zu suchen, und die gewvnnenen Entdeckungen durch die baracksten Details, die man nicht erst nachträglich ansgesunden zu haben glaubte, ausznschmücken. Schon früher aber war derselbe Gegenstand im Hause des Gemeindepräses, unter Beiziehnng des alten Cantors, welcher wenige Tage daraus starb, und so seinen Sohn Samuel davon nicht in ,Kenntniß setzen konnte, mit wichtiger Miene verhandelt worden, da nämlich das gerade auch zu den Ohren des Präses gelangt war, und demselben auch die Veränderung im Benehmen seiner Tochter lange schon im Geheimen Kummer gemacht hatte, wurde dieselbe befragt, in wiefern sie mit Lramuel in näherer Verbindüng stehe, und nachdem sich die Eltern überzeugt hatten, wie edel der junge Mann gehandelt, mit welcher Selbstaufopferung er den häuslichen Frieden in der Familie des Präses zu schonen suchte, wie herrlich auch Röschen sich benahm, so mußte Samuel in den Äugen dieser Familie nur gewinnen und der reiche Kaufmann und Gsmeindepräses entsagte den Plänen einer Convenienz- Heirat seiner Tochter mit einem nahe verbundenen reichen Kaufmann der Residenz u!1d gelobte dem hocherfreuten alten, biedern Cantor. wenn sein Sohn aus Italien zurückgekehrt, und sein edler Charakter dis treue Liebe zu Röschen bewahrt haben würde, demselben die Hand seiner Tochter nicht zu verweigern. Dieser Gegenstand alsv beschäftigte abermals jetzt die Theilnähme aller, und bald rückte auch Röschen, deren glänzendes Auge ihre innere Bewegung von sich strahlte, dem Tische näher. (Fortsetzung-folgt.) Stellenveränderungkn. College 8. Nosenz wetg von Nab Sziget nach Nagy-Abony. College Pollak von Schwihau nach Tnrnau. College S. Beinkeles von Frauenberg nach Postricin. (Wir wünschen unseren College!! viel Glück in ihren neuen Stellungen. . Die Red.) Griindungs- und Vereinsbeiträge. I. Singer Wien ganzjährigen Beitrag. A. Löwy Wallisgrnn vierteljährigen Beitrag׳ K. Haas Lipto St. Miklos halbjährigen Beitrag. S. Singer Wien Halbjährigen Beitrag. L. Fricdländer Szilos Bolbas viertel- -jährigen Beitrag. L. Spiegel Gr. Bittse vierteljährigen Beitrag. A. Schrecker Piesling halbjährigen Beitrag. L. Ausspitz Horch Gründungs-Beitrag und ganzjährigen Beitrag. M. Zempliver Wien halbjährigen Beitrag. S. Hirsch Wien vierreljäbrizen Beitrag. Ph. Löwinger Priwitz halbjährigen Beitrag. H. 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Wir ersuchen unsere geehrten Herren Abonnen- Len, mit Bezugnahme auf die ernsten und eindringlicherr Worte unseres Vereinspräses, in denen die Wirksamste Unterstützung der Cantoren-Zeitung jedem Bereinsmitgliede zur Pflicht gemacht wurde, mit Der Ginsendnng der Pränumerationsbeträge weniger säumig zu sein, und die Rückstände ehestens zu begleichen. Die Nedaction. Correspondenz der Nedaction. E-o liegen H. in B.; Sehr, in G- F- ׳, L. in K. ׳, K. in Kob.; Fr. in Ni. : Fr. in 11. W.; W. in B. St. M.; W. in K. : K. iw 3c.; N. in L.; F. in Münchengr. R. in Q. H.; 9c. in Ni. K. ׳, L. in K-; 9c. in 11.; 3i. in K.; Iin M!!. ׳ S. in Pr.; I. in K. bestätigen dankend dis eingesandten Abonuemenrsbciräge. Colleg. Gruß. W. in T et. Eiugesandten Betrag haben wir für Rechnung des->?errn Sa-varv bis 1. Zebr. 1883 gutzeschrieben. Schr. in P. Ihren eingesandten Betrag für 4. Quartal 1882 g׳gr. gebucht- Sie sind demnach für 2 Quartale im Rückstände. Gruß. 9!. in R. S z. Eingesandt;- für da-1. Quarcal 1383 gutzeschrieben. Gru!g. G. i n K l. Znd. Kikeriki besteht nicht mehr. G. in N i k. Sie erhalten die bewußten 9inmmern nachze! endet. Mitglicd des Vereines können Sie werden, wollen sich diesbezüglich an den Borstand I., Seiten stättengasse Nr. 4 wenden. Gründungsbeilrag 1 fl-, fährt. Bereinsbeitrag fl. 4. Dem un- Zuzesagten sehen wir mit Bergungen enrgegen. Gruß. M. in SWir haben nicht 2 fl. 50 kr-, sondern 1 fl. 50 kr. erhalten. T. in K. Bedauern ebenfalls, vielleicht später möglich. Gruß- Hin Kr. Sie können den Abonnementsbritrag auch in Mark einsenden und zwar 3 Mark vierteljährlich. Nob. in L 1 b. Angenommen, colleg. Gruß. An unsere g e e h r t e n Herren C o l l e g e n i n E n g l a n d. Ersuchen um freundliche Rückäußerung. Die Expedition unserer letzten Nummer hat sich in Folge der bei Herstellung der Musikbetlage eingetretenen technischen Schwierigkeiten um einen Tag verzögert, und ersuchen wir daher unsere geehrten Herren Abonnenten um gütige Rücksicht. Der heutigen Nummer liegt ein Prospekt der beiden bis jetzt erschienenen Hefte ,Spnagogengefäuge" v. M. G. Löwenstamm be!.