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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-05-03 · Heft 15 (3.5.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 15 (3.5.1883)
Date
1883-05-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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mentiren, so möchte ich gern mit einem Jahresbeiträge dem Cantorenvereine beitreten. Um aber jeder falschen Deutung auszuwcjchen, möchte ich gerne den Beitrag als Anonymus absenden und würden Sie mich verbinden, wenn Sie mir anzeigten, wie viel ein Jahresbeitrag ausmacht." Indem ich, geehrter Herr Redacteur, um Veröffentlichung dieser Zeilen bitte, überlasse ich es Ihnen, in einer ״Anmerkung" die Höhe des Beitrages mit der Adresse des Herrn Cafsiers anzugeben. Nachdem ich die Anonymität wahren muß, erübrigt mir nur hier meinen herzlichsten Dank auszudrücken. Möge dieses schöne Beispiel recht bald Nachahmung finden! Uns Cantoren aber soll es als Sporn dienen, als Aufmunterung, für die Förderung unseres Zieles mit allen Kräften einzutreten. Mit dem Ausdrucke meiner vorzüglichen Hochachtung nebst collegialem Gruße Turnau, 26. April 1883. Adolf Rotier. Offener Meinungsaustausch. Ich erachte es als eine ״heilige Pflicht" die in Num. 10 und Nummer 12 enthaltenen Artikel über שחיטות als einen פילפול darzustellen, da durch solche Artikel und. solche kein einziger שוחט erbaut und belehrt wird, im Gegentheil, denselben gar nicht beachtet, selbe nur für olche שוחטים paßt, die בני תורה sind. Bezüglich der von Herrn I. Künstlinger veröffentlichen Zeilen gebe ich zu, daß jeder pTQI töV\W die בדיקת חוץ vornehmen soll und muß, und sich auf בדיקת פנים nicht verlassen darf, da dies im ש״ע סימן ל״ט mit Folgendem begründet und im הבמת אדם כלל reproducirt wird. Es heißt: ומ״מ יש להוציא הריאה אחר שבדק בפניב בדי לבדקה "במראית עין׳ ויש גדולים שגוזרים במקומם על הבודקים בהרם שלא יסמכו על בדיקת פגים. Folglich ist es auch unrichtig, in Nr. 12 (von einem angehenden Schochet), daß alle jetzigen Rabbinen einig sind, daß der neue Schochet בשנת ראשונה die ריאה herausnehmen muß, und nach Ablauf eines Jahres sich auf פנים בדיסת verlassen kann. — Ich glaube kaum, daß ein Rabbiner das zugibt, da die Herrn Rabbinen nicht überzeugt sind, ob man ״ מראות, מורנא•b• 9. מרגשות ist, daher nur der ausübende, praktische שוחט dies versteht, der Rabbiner aber nur den דין handhabt, ob dasjenige טריפה oder כשר ist. — Alle Verfasser von שחיטות בפרים waren ausübende שוחטים, z- B. der בית יצהר u. s. w. und nicht em einziges Mal gab er zu sich auf בדיקת פנים AU verlassen, daß derselbe ein tüchtiger ב| תורה und gleichzeitig ein שוחם וממחה war, das wird Jeder zugeben, das beweisen auch seine große Arbeiten בית׳ אהל׳ לקיטת יצחק u. s. w. es ist hiemit sehr nothwendig und auch sehr richtig, sich ausschließlich nur auf בדיקת מבהרן zu verlassen. — Ich bin daher mit Herrn I. Künstlinger bezüglich des Obigen einverstanden, die anderen דינים aber führen nicht zum eigentlichen Zweck und finde ich den Ausdruck ״Sphynxarbeit" des Herrn Sal. Pundi ganz am richtigen Orte. —: Einen דין aber, der mir während meiner Praxis selbst zukam, will ich zur Beantwortung vorlegen und nur durch derartige דינים kann Nutzbringendes'geschafft werden.— היכא שיש בימין ובשמאל שלושה אונות. ובצד השמאלית יתרת בדרי. "ואותו היתרת צמקה" מה דיני,־׳ Somit glaube ich den richtigen Weg gesunden zu haben, wenn überhaupt über הלבות שחיטות gesprochen werden soll, auf diese Art und Weise wird dasselbe bei jedem Cantor- Schochet Anklang finden. — Fiume, am 12. April 1883; M. A. Gold st ein, Cantor- und Rabbinatsverweser. Samuel, der blinde Geiger. Novelle von Alois Knlka. 6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten. Wenige Minuten nach diesem schwersten Schicksalsstreiche trat die alte Rachel mit einem kleinen, alten, elegant gekleideten Manne ein. Derselbe war von dem Schicksale Samuels durch die brave Alte bereits unterrichtet und ergriff sogleich Samuels Rechte, um den Puls zu fühlen. Es war der Arzt aus der Vorstadt St. Peter. Bedenklich schüttelte er das Haupt und fragte den Kranken, welcher nach und nach aus dem Starrkrampfe, der ihn umfangen hielt, erwachte, mit freundlichstem Tone, wie er sich fühle. Samuel wendete die erloschenen Augensterne gegen den Arzt und sprach leise mit halbgebrochener Stimme: ״Wer spricht mit mir? macht doch Licht, es ist ja finstere Nacht um mich her!" ״Um Gotteswillen!" kreischte die alte Rachel, während sie die Hände zusammenschlug, ״es ist doch Heller Tag und goldene Strahlen sendet die Sonne durch die Fenster herein." Kalter Schauer überlief -Samuel bei diesem Ausrufe der Alten und ächzend rief er: ״Ich bin erblindet!" Nacht ist es draußen, finstre Nacht im Herzen, o so laßt mich doch in ihr versinken! Wehe! wehe! Gottes ärgster Fluch schlägt mich zu Boden!" Die alte brave Rachel schluchzte laut. Der Arzt wischte sich verstohlen eine Thräne von den Wimpern, dann besah er die Augen Samuels und nach einigem Nachfinnen sagte er zu dem tiefgebeugten jungen Mann: ״Noch ist nicht die Hoffnung aufzugeben, daß das Licht der Augen wiederkehrte aber unter diesem ungesunden Himmelsstriche ist es unmöglich- Sie müssen in Ihr Vaterland zurückkehren, ich werde Sie einem geschickten Augenarzt in der Residenz empfehlen und will auch für Mittel sorgen, daß Sie nach Hause gelangen, wo man sich gewiß Ihrer mitleidig annehmen wird." Samuel aber hörte nichts von all diesen Trostesworten. Der edelmüthige Doctor gab Rachel einen Wink, ihm zu folgen und sie ließen den Kranken mit seinem wirren Gedankensturme allein. Die heterogensten Bilder und Ansichten zogen an ihm vorüber, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit ihren Erinnerungen, martervollen Betrachtungen und Hirngespinnsten verdrängten sich gegenseitig, und wie im schwer ängstigenden Traume lallte der Kranke einzelne Worte und abgebrochene Sätze vor sich hin. Bald wähnte er sich in seiner Vaterstadt und sah sein theures Röschen, dann wieder ergriff ihn das Bewußtsein seines jetzigen erbärmlichen Zustandes und von Schmerz überwältigt stöhnte er laut auf.

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