Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 15 (3.5.1883)
- Date
- 1883-05-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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׳7׳ Mittlerweile war die mitleidige Alte leise, mit einem Arzneifläschchen in der Hand, hereingeschlichen. Sie trocknete ihm den kalten Schweiß von der Stirne, hüllte ihn in eine warme Decke und flößte ihm dann eine beruhigende Arznei ein. Mehrmals tappte Samuel nach ihr und hielt die dargebotene dürre Hand in der seinen. ״Bist Du es. mein Röschen", lächelte er sonderbar und schaurig — doch nein, das ist nicht die Hand, die ich in der meinen einst hielt." ״Ich bin's, lieber Samuel", sprach die gerührte Alte. ״Ja, ja, Rachel, Ihr seid es", sagte Samuel, dem nach und nach mehr die Besinnung wiederkehrte, ״geht, dort auf dem Tische liegen zwei Lira, die letzten, nehmt sie — sie sind Euer — Ihr habt ja noch keinen Wohnzins erhalten, nichts auch für Speise und Trank, so geht doch und nehmt sie." Rachel aber sagte, halb schluchzend, halb freudig bewegt: ״Hier, lieber Herr, ist ein Beutel ׳mit mehr Geld, der gute Doctor gab ihn mir für Sie, und auch die Arznei. Er versprach, bald wiederzukehren, und so will ich denn, seinem Wunsche gemäß, das nöthigste an Kleidung und Wäsche, sowie auch kräftige Nahrung besorgen." Der gütige Arzt besuchte nun Samuel öfters und schon nach mehreren Tagen war er im Stande, auf dem weichgepolsterten Lehstuhle, den die brave Alte von einer Nachbarin ausborgte, zu sitzen. Der Arzt erfuhr nun aus dem Munde des Kranken selbst dessen ganzes Schicksal, das er mit bewundernswerther Ergebung und Geduld ertrug. Der edle menschenfreundliche Doctor, welcher in die angesehendsten Häuser und besonders bei dem Deutschen Adel in der Vorstadt St. Peter Zutritt hatte, verbreitete bald die Nachricht von dem traurigen Zustande des Deutschen. Nun wollte man die ״Rosalinde" in brillanter Ausstattung nochmals in Scene setzen, allein nachdem man erfuhr, daß der Maestro selbst sie verbrannt habe, veranstalteten die Damen eine Subscription, welche es möglich machte, Samuel die Heimkehr in seine Vaterstadt zu erleichtern. Eine angesehene aristokratische Dame erbot sich überdies noch gerührt durch die Worte des Doctors, — da ihre Reisetour nahe bei der Vaterstadt Samuels vorbeiführte — denselben mit sich zu nehmen und ihren Kammerdiener zur Verfügung des armen blinden Componisten während der ganzen Reise zu stellen. Mit dem lohnenden Bewußtsein einer schönen That eilte der Doctor in Samuels Wohnung und verkündete ihm diese frohe Botschaft. Uebe'rrascht und kaum seinen Sinnen trauend, drückte Samuel dem edelmüthigen Doctor׳ dankbar die Hand. Worte vermochte er nicht zu finden, um seine Gefühle zu äußern. Wunderbar stärkte ihn die freudige Hoffnung in seine Heimat zu gelangen, die Kräfte nahmen zu, je näher die Zeit der Abreise von Rom, welche auf die ersten Tage der kommenden Woche festgesetzt war, heranrückte. Zum erstenmale seit Langem brachte er es wieder über sich, seine Violine zu ergreifen und den Bogen zu führen. Das Erste was er spielte war — jenes Adagio cantabile, mit dem er von seinem geliebten Röschen Abschied nahm und welches seinem Gedächtnisse nie entschwunden war. Und wieder hörte er sie lispeln: ״Samuel, ich danke herzlich st." Sein Antlitz verklärte sich in den süßen Erinnerungen, er vergaß sogar auf Augenblicke seine unglückliche Lage. Nachdem er eine Zeitlang sich solche angenehmen Träumen hingegeben hatte, bat er die alte Rachel, die ihn während seiner Krankheit fast nie verließ, ihn in die Synagoge zu führen. Von ihr geleitet, wankte der arme Blinde durch die Gassen in die geheiligte Stätte und betete inbrünstig zum Lenker der Welten. Er sah nichts um sich, aber er ahnt'e Gottes heilige Nähe durch die feierliche Stille, welche in den gottgeweihten Räumen herrschte. So bereitete er sich zur Reise vor. Fürwahr, nur seine religiösen Gesinnungen, die ihm von Kindheit auf von seinen frommen Eltern eingeimpft waren, hielten ihn vor Schritten der Verzweiflung zurück und seine reine innige. Liebe zu Röschen allein mar jetzt sein Trost und feine Erheiterung. Am nächsten Dienstage nahm er Abschied von der Herzlich, guten alten Rachel, der er vergeblich eine Entschädigung für ihre Mühe und Auslagen anbot, sowie von dem Doctor, welcher ihm das versprochene Schreiben einhändigte und da Samuel ihm eben seinen Dank stammeln wollte, entzog sich derselbe, nach einem warmen Händedrucke schnell seiner Nähe. Draußen vor dem Hausthore wartete ein Wagen, in welchem Samuel an der Seite eines herrschaftlichen Dieners, eines ehrlichen gutmüthigen Deutschen, Platz nahm. Noch ein Abschiedsgruß und fort rollte die Equipage zum Bahnhofe. Mit ganz anderen Gefühlen, als er vor mehr denn zwei Jahren die Tiberstadt betreten hatte, mit schmerzlich-süßen Gefühlen entfernter Hoffnung und tiefer Sehnsucht nach seiner Vaterstadt, obgleich er auch dort nur am Grabe seiner Eltern beten durfte, verließ er die ewige Stadt. Nichts hatte er in Rom zurückgelassen, nichts hatte er mitzunehmen, als die treue Gefährtin seiner Leiden und Freuden, seine — Geige. — (Fortsetzung folgt.) W ere insnaiHrichten. Die Herren Gebrü-e? Ritter v. Grrttrnanrr haben dem österreichisch-ungarischen Cantorenvereine eine Spende von fünfhundert Gulden ö. W. (baar) gewidmet. Wir sind daher in der angenehmen Lage, bisher folgende Spenden zu verzeichnen: Baron M. Königswarter 1000 fl. Rente ״ A. Rothschild 1900 ״ baar Gebr. Rv. Guttmann 900 ״ ״ Summa 2000 fl. baar und 1000 fl. Rente. Der Borstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereins. Berichtigung. Dem in voriger Nummer von Herrn Cantor Löwy in Jrtz eingesandten Artikel ״Die vier Kinder der Hagadai" wurde vergegen, beizusügen. daß derselbe aus ״Stern's Festpredigten" entnommen sei. Korrespondenz. F. in B.; Schl, in E.: M. in Gr. W. Bestätigen dankend die eingesandten Abonnementsbeträge. B. in O. Ueberhäufung der Arbeiten, sowie der Eintritt der Feiertage haben uns in der Beantwortung Ihres werthen Schreibens verzögert. Werden nächstens die Angelegenheit nach Ihrem Wunsche erledigen. Gruß I. F. in O- Für diese Nummer zu spät, erscheint nächstens. College» L. in Fr., Fr. ur Sz. B., F. in M., M. in Sz., B. in j B., A. in Hr., D. in Br., F. in Kr. Bestätigen dankend die eingesandten! Beträge. H. in Kreutzburg. Sie können Ihr Abonnement auch in Mark ein senden. Z Mark pro Quartal. Gruß. T. in B. Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit. B. in G. Auch wir haben uns leider in bewußtem Collegen getäuscht. Besten Gruß. G. in Sz. Sie können auch bei der Post unser Blatt abonniren. Für das Inserat berechnen wir für 3mal ft. 4.50. K. in G. Die Lösung können wir erst in nächster Nummer veröffentlichen, da das Manuscrrpt zu spät eingelangt. Gruß. R. in Lib. Sie können Mitglied unseres Vereines sein und haben 1 fl. Gründungsbeitrag und 4 fl. jährlichen Beitrag zu leisten Bewußte Musikbeilage wollen Sie nur zur Einsicht senden. Gruß.