Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 15 (3.5.1883)
- Date
- 1883-05-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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und bewies, wie sehr Stern in seiner Gemeinde beliebt ist. Der Jubilar wurde mit vollem Namen., zum. Mafur aufgerusen.' Nach der gewöhnlichen dir6da8 baktdorvd sprach er mit sichtlicher Rührung Hierauf trug Obercantor H. Goldsteiu, welcher au diesem Tage mit seinem jubilirenden Collegeu die Functionen gewechselt hatte, einen vom 'Rabbiner Dr. Schmiedel eigens verfaßten Miseheberach vor; derselbe enthielt die Verdienste Stern's und die Segens- ^wünsche der Gemeinde. Bon besonderer Wirkung war aber der Moment, als Dr. Schmiedel vor der Thora an den Jubilar herantra! und in beredter Weise das 25jährige Wirken Sternes als Cantor, Lehrer und Mensch schilderte. Nach Beendigung des Gottesdienstes verfügte sich der gesummte Gemeindevorstand in die Wohnung des Jubilars, wo Herr Präses Gottlieb Taussig in herzlichen Worten die Glückwünsche der Gemeinde darbrachte, und dem Jubilar ein bedeutendes Ehrengeschenk überreichte. Zugleich theilte er demselben den einstimmigen Beschluß des Vorstandes mit. wonach dem Jubilar in Anerkennung der hervorragenden Verdienste, welche sich derselbe durch eifrigste Pflichterfüllung in seinem Berufe erworben, eine bedeutende Gehaltserhöhung votirt ward. Tief gerührt dankte der Jubilar dem Vorstande, und bat, derselbe möge auch weiterhin ihm sein Wohlwollen angedeihen lassen. — Im Laufe des Tages kamen mehrere Deputationen und unter diesen der Vorstand der ״Chewrn Kadifcha", geführt von Herrn Präses A. Grünspann. In einer trefflichen Ansprache erwähnte derselbe vieler schöner Einrichtungen in der Gemeinde, welche er im Vereine mit Stern in's Leben geruien. Nach dem Vorstände des Frauen- Vereines kamen noch mehrere Corporationen und zahlreiche Private mit schönen Geschenken. Der Hofweinlieferant Herr Em. Pollak, sandte einen prachtvollen silbernen Pokal. Auch aus dem Kreise der Collegeu kamen dem Jubilar vielfache Gratulationsschreiben und Telegramme zu: Prof. Sulzer, Wien. Obercantor I. Singer, Wien. Obercantor I. Bauer, Wien, Redaction der ״österreichisch-ungar. Cantoren-. Zeitung", I. Goldstein, Wien, M. Schlesinger, Hernals, Prof. Friedmann, Budapest. I. Stransky, Prag, M. Rosenfeld, Pisek, Schwarzkopf, Tachäu, & H. Kohut, Zülz, M. Wodak. Gödrug; ferner der Gemeinde- und Cultusvorstand in Mieslitz, Dr. Friedländer, Kanitz, Bezirksrabbiner Kohn in Mieslitz. In der am 26. d. M. abgehaltenen Vorstandssitzung des österr.-ungar. Cantorenvereines, brachte der Präses, Obercantor I. Singer,> im Namen des gesammten Vorstandes dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche dar. Die Schriftstellerin Frau Rosa Barach widmete dem Jubilar folgendes Gedicht: Du stehst, ein Stern, inmitten Deiner Brüder, Gefeiert heut' als unser Jubilar. Ich seh' Dich an und Bilder ziehen vorüber An meinem geistigen Auge wunderbar. Dein Leben ist mir wie ein ״betend Singen", Dir fügt sich jedes Wort zum schönen Klang, Den hehren Ton, tief in das Herz zu dringen, Gab Dir ein Gott, den frommen Weihgesang. Und weil Du mit uns fühl'st am heil'gen Orte, Ob Leid, ob Freude füllet unser Herz, So trägst Du uns'rer Seele Stammelworte, Auf heil'gen Liedes Schwingen himmelwärts. Und was auch bot das wechselnde Geschicke In seinem Weltenlaufe der Gemein', Du trugst mit ihr im Leide wie im Glücke, Du halfest redlich sie der Menschheit weih'n. Das bist Du uns! Du selbst stand'st oft im Streite Mit des Geschickes dunkler Erdenmacht. Du sangst Dein heilig Lied, das Gortgeweihte, Und sieh', es schwand dahin die dunkle Nacht. Du stand'st als ״Stern", ob noch so heiß die Fehde, Dein inn'res Wesen war ja Dein Panier. Du sprachst der Wahrheit sieggewohnte Rede, Und — Feinde neigten stumm ihr Haupt vor Dir. Das warft Du Dir! Doch wer den Blick gesenket In Deines Herzens Tiefen, die so klar, Vor Deinem geistigen Thun den Blick gescheuket, Das stets so bieder, das so männlich, wahr. Der weiß auch wie als Vater und als Gatte In Dir ein ״Stern" vor unseren Blicken steht. Ob Du gewandelt nun auf blum'ger Matte, Ob tosend Dich so oft der Sturm umweht. So stehst ein ״Stern" Du unter Stamm'sgenossen, Hältst hoch ihr Banner, das an Frieden reich. Die Silberfädcn, manchem Gram entsprossen. Auf Deinem Haupt sind sie dem Lorbeer gleich. Und wie Du heut' ein silbern Hochzeitsfeste Mit Deinem Amte, Deiner Kunst begehst. So sei gewährt vom Himmel Dir das Beste, Das Du für spät're Zeiten noch erflehst. Dein Leben sei fortan ein ״betend Singen", Dir füg' sich Alles nur zum Hellen Klang. Mag er im Jubellaut Dein ״Sein" durchdringen, Geleiten Dich Dein fern'res Leben lang. Nimm diesen Händedruck der schlichten Fraue, Wie er in Worten sich Dir kundgethan. Ich streu' das Veilchen nur, das schlichte, blaue, Auf Deine blumgeschmückte Ehrenbahn. Vielleicht — denkst Du in Freude und im Glücke. Das einst gewiß Dein Grersenhaupt umlacht. Mit feuchtem Blick an diesen Tag zurücke - Denkst Du des Veilchens auch, das ich gebracht. Eingesendet. Löbliche Redaction! Von einem ehemaligen Cantor, der heute als Künstler in einer der bedeutendsten Städte Deutschlands eine hervorragende Stellung einnimmt, erhielt ich dieser Tage ein Schreiben, dessen Inhalt sich auch mit unserem Streben beschäftigt. Ich hoffe mit der auszugsweisen Mittheilung dieses Schreibens nicht nur den Lesern der ״Cantoren-Zcitung" eine kleine Freude zu bereiten, sondern auch den Vorstand unseres jungen Vereines in seinem erfolgreichen Wirken aufzumuntern und zugleich meinen Dank auszudrücken für den selbstlosen Eifer, den die Herren an den Tag legen, um unsere Zwecke zu fördern. Doch zurück zu meinem Briefe. .״Also ״Cantorenverein" ist das neue Wort, durch welches der deutsche Wörterschatz bereichert wurde! Stehe ich auch thatsächlich fern allen jüdischen Gemeindeangelegenhciten, so ist mein Herz dennoch warm bei Allem, was das Judenthum angeht und so kann ich nur aus vollem Herzen wünschen, daß der ״Cantorenverein" nicht bloß ein Wort bleibe, sondern vielmehr zur segensreichen That heranreife. Auf seltsame Weise gelangte ich dieser Tage zu einer Nummer (13) der ״Cantoren-Zeitung". Ich las das Blatt mit großem Interesse und ertappte hierbei mein Herz bei einer alten — sollte ich es nicht Liebe nennen dürfen? .... Es ist eine Errungenschaft und wahrlich an der Zeit, daß endlich das Stiefkind der Gemeinde, Cantor genannt, sich auch aussprechen darf. Auch für dieses Blatt habe ich warme Sympathie. Möge aber auch dieses vielversprechende Blatt ein Organ sein für bescheidene Cantoren, welche durch ein weniger Gott begnadetes Organ nicht in der Lage sind, sich eine erste Stellung zu erringen. Um meine Sympathie für diese gute Sache auch thatsächlich — wenn auch nur in bescheidener Weise — zu bocu*