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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-05-03 · Heft 15 (3.5.1883) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 15 (3.5.1883)
Date
1883-05-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 mäßig, weil er nach und nach von irgend Jemand verrathen wird. Fällt er gar durch, so ist er gerichtet. Mag er der größte Künstler sein, er ist die Zielscheibe aller ironischen Bemerkungen. Kurz, eine andere Erledigung dieser ernsten Frage ist nach so vielen Versuchen, sie Zn lösen, kaum denkbar. Wollte Gott, Jemand fände einen Modus, der plausibel genug wäre, von Gemeinden und Cantoren ohne Bedenken angenommen zu werden. Ich habe diesen Versuch gemacht. Die competenten Betheiligten Mögen nun den Entwurf bis zu jener Reife ausarbeiten, die die fernere Existenz jener Bravourcajzenz unmöglich machen dürfte. Sie lautet: Dem Acceptirten werden Reisespesen vergütet. Karlstadt, am 17. April 1883. Julius I o s e f o v i c. Der jüdische Gottesdienst. XIV. Obgleich unter Gamaliel II., welcher im ersten Jahr- Hunderte der jetzt üblichen Zeitrechnung wirkte, die Gebetformet geordnet und die ״Schemone-eßreh" eingeführt wurde, so war doch den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Betenden, die weitgehendste Freiheit gelassen, so daß von einer bindenden Form gar keine Rede sein kann; der bekannte Spruch Elieser's bei Hyrkan, ״betrachte dein Gebet nicht als feststehende Satzung, sondern als Flehen vor Gott", bestätigt die freie Behandlung, mit welcher noch lange Zeit hindurch die. Vorbeter, welche damals eine hervorragende Rolle im Cultus spielten, verfuhren. Die Gebete durften in jeder Sprache verrichtet werden, selbst die Bibelstellen, welche das ״Bekenntniß" und die ״Erinnerung" enthielten, sollten in jeder Sprache gesagt werden dürfen. So lesen wir in Megilla: ״Das ״Schemagebet" .kann in jeder Sprache, die man versteht, verrichtet werden". Im Pr. Soferim heißt es: ״Am 9. Abend wurden die Klagelieder Jeremias von einem Kundigen in der Synagoge übersetzt, damit das Volk, Weiber und Kinder sie verstehen." Für die griechischen Juden wurde am Purimfeste das Buch Esther in griechischer Sprache verlesen, auch beteten sie in griechischer Sprache. (Sota.) — Wenn auch im Laufe der Zeit die Zahl der bestimmten Gebete zunahm, so waren doch die eingeführten Gebetsformeln noch nicht vollends in bindende Worte verschrumpft; die bekannte Stelle, in der von einem Vorbeter berichtet wird, er habe, indem er am Anfänge des eigentlichen Gebets die üblichen Bezeichnungen Gottes, als groß, mächtig und furchtbar, bereichern wollte, mit noch mehreren ähnlichen seiner eigenen Erfindung, sich Tadel zugezogen, weil er dadurch, in dem Scheine, Gottes Eigenschaften alle aufgezählt zu haben, eine Verletzung der göttlichen Majestät begehe, nicht aber, weil er die übliche Formel verändere, zeigt, daß dieselbe damals noch nicht unabänderlich festgestellt war. Das ובא לציוץ des Morgens, das 'ברוך ה des Abends, das ויבולו und מגן אבות am Freitag Abend, welches in kurzen Worten das ganze Gebet wiederholt, sollte vom Vorbeter gesprochen werden, und zwar für Solche, die zu spät ins Gotteshaus kamen, und so in Kurzem das Versäumte zusammenfassen. Allein diese Formeln, welche, zur Erleichterung dienen sollten, wurden später zur Last, indem sie stehend wurden für alle Besucher des Gotteshauses, und auf solche Weise ist eine lästige, gcisttödtendc und grundlose lieberfüllung der Gebete entstanden. Da die׳ babylonische. Volksspräche die chaldäische war, so wurden die wichtigsten Gebete, wie ״Keduschah", ״Kaddisch" rc. in dieser Sprache verrichtet. Daß der chald. ״Jekumpurkan" alle und jede Berechtigung für unsere Zeit eingebüßt hat, bedarf kaum mehr eines Beweises, und doch betet noch ein großer- Theil unserer gegenwärtigen europäischen Glaubensgenossen ganz.naiv für gute Nahrung, langes Leben, zahlreiche Nachkommenschaft des Resch Gelutha's. Geonim und Schulhäupter Babylons, während dort kein Exilhaupt, keine Excellenz und kein Schulober- Haupt mehr existirt! Genügt es nicht, wenn für die Gemeinde der Segen in dem ג ־בבר־ gesprochen wird, wozu also diese ganz grundlose Ueberfüllung? Geistiges Brod soll dem Volke im Cultus gereicht werden und ach! man bietet ihm gar oft — Steine! Auch das übel berufene ״Kolnidre" ist in chaldäischer Sprache abgefaßt. Dieses hat sich so sehr eingebürgert, daß selbst solche Juden, die sich sonst über die Satzungen leicht hinwegsetzen, wenn sie den Versöhnungstag nicht mit dem ״Kolindre" einleiten hören, glauben, es fehle ihnen etwas. Es ist nicht das eigentliche Gebet, welches aller Erbauung bar, Andacht erregt, sondern die Melodie, an welche sie gewöhnt sind. Da nun dieses Gebetstück von Judenfeinden — freilich ohne jeden tatsächlichen Grund — ausgebeutet wurde, die Eide der Juden zu verdächtigen, so ist eine Ursache mehr, um es auch in orthodoxen Gemeinden abzuschaffen. Um wie viel passender ist der vonsS^u^zn^zu Grunde gelegte Text, oder das herrliche Lied: ״O, Tag des Herrn" von Stein mit derselben Melodie und Musikbegleitung. : Doch sollen zum Ueberfluß einige , Stellen über die Entstehung des ״Kolindre" hierher gesetzt werden. Diese für den Versöhnungsabend festgesetzte Formel,, ist erst in Babylon entstanden, weßhalb sie auch in chaldäischer, der babylonischen Landessprache, verfaßt ist. Ja, ein bedeutender Religionslehrer der späteren Zeit, Rabbi Hai Gaon, das Haupt der Talmud-Akademien zu Pumbaditha, erwiederte sogar einer Gemeinde, die an ihn die Frage richtete, ob sie die oben genannte Auflösungsformel einführen solle: ״Gott behüte, daß wir hiernach handeln . . . man darf weder am Neujahr, noch am Versöhnungstage die Gelübde auflösen; auch haben wir nie von unseren Lehrern vernommen, daß sie einen solchen Brauch übten, und so sollt auch ihr euch nach diesem Gebrauch nicht richten." (Schare Tschubah.) (Fortsetzung folgt.) Das Jubiläum des Cantors und Neligiouslehrers Leopold Stern in Fünshaus am 22. April 1883 יום א׳ דפסח תרמ״ג. Wiederum hat ein wackerer College das seltene Fest einer 25jährigen Wirksamkeit in e i n e r Gemeinde gefeiert und die ihm zahlreich dargebrachten ehrenvollen Beweise von Sympathie und Hochachtung müssen Jeden von uns mit herzlicher Freude erfüllen, denn sie sind ein sicheres Zeugniß, daß ehrlichem Streben und treuer Pflichterfüllung niemals die gebührende Anerkennung versagt wird. Besonders ehrenvoll war die Art und Weise, wie die Gemeinde dieses Jubelfest begieng. Auf Anordnung des Gemeindevorstandes war der Sitz des Jubilars im Tempel mit verschwenderischer Blumenfülle ausgestattet. Der Tempelbesuch war ein äußerst zahlreicher

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