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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-04-19 · Heft 14 (19.4.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 14 (19.4.1883)
Date
1883-04-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 obgleich diesem Porträt noch manche Pinselstriche hinzuzufügen wären und mögen alle Collegen Gott danken, wenn diese Species in ihrer Gemeinde nicht vertreten ist. Jene aber, deren Gemeinden damit gesegnet sind, mögen sich trösten mit dem Ausspruch der Weisen, daß. sowie unter den Kräutern des Rüucherwerkes auch das übelriechende Galbanum war, so auch die schlimmen Elemente zuweilen das Gute fördern, wie der Geist der Finsterniß, der ״das Böse will und das Gute schafft". Wir aber wollen uns bestreben, dem הכם ähnlich zu werden. I. Löwy, Cantvr und Religionslehrer in Jnitz- Freie Gedanken eines unfreien Geamien über Knmulirung der Äemter. Wer als aufmerksamer Beobachter und denkender Beurtheiler die in gewissen Zeitungen veröffentlichten Concurse liest und zwar zwischen den Zeilen zu lesen versteht, dem muß wohl manchmal vor Zorn und Entrüstung die Schamröthe in's Gesicht steigen über den offenbaren Mangel an Opfer- Willigkeit und Verständniß seitens vieler Cultusgemeinden, indem, wie man z. B. im ״Pester Lloyd" öfters zu bemerken Gelegenheit hat, die Anforderungen für die zu besetzenden Posten ziemlich großer Gemeinden zu dem ausgesetzten Gehalte in gar keinem Verhältnisse stehen. Was wird da Alles in einem Athem verlangt! Der Anzustellende müßte sactisch ein Universalgenie sein, wenn er wirklich allen hier gestellten Anforderungen nur halbwegs gerecht werden wollte. Es findet sich hier wirklich das bekannte רד!"ש in einer Person vereinigt, nur wäre statt des sonst darin zu verstehenden שמש der שוחט hinzuzufügen — außerdem verlangt man bisweilen, daß der Competent ein guter .קוס sei, — nebenbei mag er auch ein bewährter מוהל und tüchtiger בעל תורע sein. Wohl heißt es sprichwörtlich, daß der liebe Gott demjenigen, welcher ein Amt erhält, zugleich auch den hiezu nöthigen Verstand ertheilt — aber, um in allen Sätteln gerecht zu sein, müßte man wahrlich ein vielseitig ausgebildeter, umfassender Künstler und Gelehrter sein. Ob aber bei gewöhnlichen Sterblichen nicht ein Fach durch die unverhältnißmäßige Bevorzugung des anderen in Mitleidenschaft gezogen und verkürzt wird, daran denken die omnipotenten Allgewaltigen am grünen Tische gar nicht, wenn nur ein Religionslehrer gefunden ist, der gleichzeitig als Cantor und Koreh fungiren kann, etwa nebstbei noch das Secretariat versorgt und ähnliche einschlägige Functionen versieht, um so den Gemeindesäckel weniger in Anspruch nehmen zu müssen. In Wirklichkeit gilt hier der bekannte Spruch unserer Weisen: .תפסת מרובה לא תפםת Wer zuviel auf einmal erreichen will, erlangt gar nichts. Außerdem ist aber hiebei das sachliche Moment in's Auge zu fassen, daß manchmal zwei im Wesen ganz divergirende und disparate Aemter künstlich zusammengeschweißt werden, die keine Vereinigung leicht vertragen, ohne nach beiden Richtungen geschädigt zu werden. Der Rabbiner oder Prediger soll der Natur der Sache nach in seiner Stellung unantastbar und unanfechtbar sein, nicht bloß geduldet und gedrückt, um demüthig und devot sich in Gunst, Gnade und Gewogenheit des oft hochmüthigen und hartherzigen Provinzpaschas, vn!§0 :"רה zu erhalten, der manchmal die ganzeלח ׳. y am Gängelbande führt, den Ängestellten aber als den seiner Herrlichkeit unterworfenen, ihm botmäßigen משועבר auf Schritt und Tritt bewacht und beobachtet, dessen Nebeneinkommen er mit peinlicher und kleinlicher Akribie haarklein berechnet — damit nur ja nicht dessen Existenz eine zu glänzende werde, in Folge dessen er ja gar leicht übermüthig und unabhängig werden könnte. Hier heißt also mit Sanftmuth, Nachgiebigkeit und Politik alle maßgebenden Factoren in Rechnung ziehen, um gut mit der Welt fortzukommen und nur bei Zeiten jede Regung von Selbstständigkeit unterdrücken. Auf der anderen Seite als gleichzeitiger Lehrer muß der Functionär der Zweiseelen- Theorie huldigen und der Jugend gegenüber wieder als ganz anderer Mensch erscheinen, selbstbewußt auftreten, unnahbar und zugeknöpft, schroff und streng, sich Autorität zu verschaffen wissen, durch stolzen Ernst zu imponiren suchen, dabei aber sollen auch unmöglich zu erreichende Unterrichtsrefultate erzielt werden, denn das prüfende kritische Auge Berufener und Unberufener wacht, oder vielmehr lauert auf den geringsten Uebelstand, den zu beseitigen man selbst im Hause nicht das Geringste beitragen will. Wohl gab es auch in früheren Zeiten kleinere ישובים, die durch ihre pecuuiären, precären Verhältnisse genöthigt waren, sich auf einen ש" ץ ומ״י׳ן zu beschränken, jedoch in den meisten Orten galt der Grundsatz אין צבור עני und bei einigem guten Willen konnte überall ein Rabbiner besoldet werden, der als א״צ ausschließlich mit למוד התורה sich befaßte ללמוד וללמד לשמור ולעשות, dem man nach dem Spruche גהלהו משי אדדו, wenn auch seine Honorirung keine bedeutende, eine anständige Existenz ermöglichte und war auch Mancher mit Kindern reich gesegnet, konnte er dennoch Alle gut versorgen, weil eben früher die Lebensbedingungen günstiger waren und auch sein Stand mehr Achtung und Ansehen genoß. Hingegen bei den Entbehrungen und Entehrungen, denen heutzutage der Functionär auf dem Lande zuweilen ausgesetzt ist, wo man das גדלהו höchstens so auffaßt, daß man die Agenden-Mehrung als Zugabe ansieht, wird sich ein gewissenhafter Vater wohl überlegen, sein Kind dem Stande zu widmen, welchen er selbst angehört und ein Lebensopfer bringen muß, sich als שעיר המשתלה ansehen zu lassen, der alle Sünden und alle Schuld auf seine Schultern gntmüthig wälzen läßt und den man, nachdem er wie ein עבה עברי durch mehrere Fahre nach bestem Wissen gewissenhaft mit den vorhandenen Kräften seine Pflichten erfüllte, wegwerfend zu behandeln sich erlauben darf. Nun dürften sich aber die Dinge erfreulicher gestalten und entfalten, wenn die Gemeinde-Angestellten mit mehr moralischer und materieller Macht ausgestattet, gewissermaßen indirect eine Strike ausführen können und sich nicht allen drückenden Bedingungen wider Willen fügen müssen. Diese auch dem Ganzen nützlichen Bestrebungen der Cantoren sollte aber auch die Wiener Allianz, ebenso der mährisch-jüdische Landes-Massafond und die Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft nach Kräften unterstützen, was sicherlich für die Gesammtheit ersprießlicher wäre, als wenn diese so löblichen Anstalten ihre Kräfte verzetteln und einzelnen Gemeinden Subventionen ertheilen, die erwiesenermaßen, gar nicht nothleidend sind. Aber auch die Rabbiner mögen dahin streben, sich frei vom Kohelsjoche zu machen, wo sie auch dann sich freier bewegen und viel mehr wirken könnten — doch davon ein nächstes Mal! Rabb. G.

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