Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 13 (11.4.1883)
- Date
- 1883-04-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Berge", d. h. von erhabenem Standpunkte wirst Du 'Gott verehren. Erst durch den Gottesdienst war die Erlösung eine vollendete Thatsache. So sagt auch der Talmud, daß jedem Gebete eine Erlösung des Geistes und der Seele von dem Joche der Sünde, von der Knechtschaft, der Begierde und bösen Lust vorangehen müsse, wenn es seinen Zweck würdig erfüllen solle. Der Gottesdienst der Bibel ist das Opfer. Wenn uns auch die Bibel, namentlich in den Psalmen, die herrlichsten Gebete jeder Art bietet, so wird doch nirgends in der Schrift ein bestimmt vorgeschriebenes Gebet ausgestellt; sie überließ -es vielmehr dem individuellen Bedürfnisse des Betenden. Der Ausspruch des Psalmisten: ״Abends, Morgens und Mittags klage ich und seufze ich, und er erhöret meine Stimme", ist nur der Ausdruck des unerschütterlichen Vertrauens, daß Gott >zu allen Zeiten des Tages auf sein Flehen achte; aber nirgends wird ausgesagt, daß er zu bestimmten Zeiten ein Gebet verrichte. Während des zweiten Tempels trat jedoch hierin eine Aenderung ein. Wie die biblischen Vorschriften mit Einrichtungen wie sie den Bedürfnissen und den Ideen der Gegenwart entsprachen, bereichert wurden, so ward auch der Gottesdienst mit neuen Formen ausgestattet, welche dem damaligen Leben mehr, entsprachen. Größere öffentliche Versammlungen wurden dazu benutzt, dem Volke aus dem fremd gewordenen Pentateuch vorzulesen und da Viele das Ebräische nicht verstanden, so waren Dolmetscher angestellt, um die betreffenden Stellen in den üblichen Dialeet in die Volks- und Landessprache zu übertragen. Während der Syrerkriege wurden folgende Momente für das religiöse Bedürfniß festgestellt: 1. das Bekenntniß von der Einheit Gottes; 2. die Erinnerung an den Auszug aus Aegypten; 3. die Bitte zu Gott um Schutz und Beistand in den Gefahren. Das ״Bekenntniß" fand in den biblischen Abschnitten Schema und wehojoh im schomoa, die ״Erinnerung" in dem Abschnitte von ״Zizis" Ausdruck. Allmählig wurde die Bestimmung getroffen, diese Abschnitte des Morgens und des Abends zu sprechen. Diesen beiden biblischen Stellen schlossen sich dann bald noch freie Betrachtungen an, und zwar des Morgens vorausgehend die Erschaffung des Lichtes hameir loorez und die Berufung Israels zum Bekenntnisse des Einige Einzigen ahawoh rabboh und nachfolgend die ausführliche Darstellung der Erlösung Israels aus Egypten 68ra8 u. s. w., des Abends vorausgehend der Dank für den Wechsel der Tageszeiten und wiederum die Berufung Israels ahawas 010m und nachfolgend die Erlösung 611168, dem später sich noch ein Nachtgebet anschloß mit der Bitte um Schutz in der Nacht. Das dritte Moment, das Gebet im engeren Sinne des Wortes, blieb anfangs den Bedürfnissen des Augenblicks und des Flehenden überlassen und bildete sich erst allmählig zu einer größeren Bestimmtheit. In den zur Belehrung im göttlichen Worte dienenden Sammelhäusern wurde täglich in größerer Gemeinschaft gebetet und zwar in der Weise, daß ein Kundiger das Gebet laut sprach, es den Anforderungen der Gegenwart anpaßte und die Gesammtheit andächtig zuhörte. Eine geraume Zeit ging neben dem Opfercultus der 'neue Gottesdienst, das Gebet einher, ohne daß man, wie dies leider in unserer Zeit bei der geringsten Gottesdienst- Reform zu geschehen pflegt, nach dem Rechte dieser Neuerung 'fragte. Nach der Zerstörung des Tempels begann das Bet- Haus oder Versammlungshaus ,V'.: als einziger Träger der öffentlichen Gottesverehrung zu gelten, denn das häusliche und öffentliche Leben außer dem Gotteshause konnte diese Aufgabe nicht mehr erfüllen, da ja sehr viele Gebote und Institutionen, welche an den Besitz Palästina's. an Tempel-, Priester- und Opferdienst sich knüpften, ihre Giltigkeit verloren. So war denn das ״Bethaus״ der einzige Ort, wohin die bedrängte Brust und das beklommene Herz mit seiner glühenden Andacht sich wandte, seinen bittern Nationalschmerz in Gebeten und Klageliedern ausschüttete, Trost und Kraft zur Ausdauer suchte und auch fand. Dr. G. (Fortsetzung folgt.) Ädolf Maustem, Begründer der ersten Fachzeinmg für jüdische Cantoren. Eine fünfundzwanzigjährige Wirksamkeit in irgend einem Berufe, ist unter allen Umständen ein beachtenswerthes Moment für die zunächst Betheiligten — verdient jedoch auch die Aufmerksamkeit weiterer Kreise, wenn die Bestrebungen des Jubilars den Interessen eben dieser weiteren Kreise zugewendet waren. Dieser letzt angedeuteten Thatsache gegenüber befindet sich das jüdische Cantorenthum angesichts des Jubiläums unseres Freundes A. Blau st ein, dem Schöpfer der ersten Fachzeitung für jüdische Cantoren. Die Herren Rabbiner und israel. Lehrer jeden Landes und jeder Richtung hatten ihre Wochenschriften und manch' wuchtiger Hieb gegen Cantor und Cantorenthum in denselben, wie auch das Bedürfniß, eine ähnliche aber eigen geistige Fürsprache zu besitzen mag für Manchen von uns den Gedanken zur Gründung einer Cantorenzeitung wach gerufen haben, allein zwischen diesem schüchternen Gedankenfluge und der wirklichen Ausführung gähnte uns eine Kluft von Befürchtungen und Gefahren entgegen, die die Ueberbrückung derselben als unmöglich erscheinen ließ. Freund B l au st ein nun war es Vorbehalten, muthig und siegesgewiß die granitenen Pfeiler für diese Gedankenbrücke zu bauen und wenn er jetzt, nach nur wenigen Jahren, auf die Erfolge seiner Bestrebungen zurückblickt und an dem festen Stamm des ״jüdischen Cantors" bereits ein zweites Reis die ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung" frisch und saftig hervorsprießen sieht, so erheitert sich sein Antlitz in dem festen und erhebenden Bewußtsein, daß dieser von ihm gepflanzte Baum noch viele lebensfähige Reiser ansetzen und mit seiner erquickenden Fruchtspende ein Labsaal allen denen werden muß, die unter seinem Schatten ruhen wollen. Solchen Bestrebungen und solchen Erfolgen gegenüber kann das jüdische Cantorenthum nicht theilnahmslos bleiben, und wir vermeinen, unserer heiligen Sache dadurch einen Dienst zu erweisen, wenn wir beweisen, daß wir die Anstrengungen unserer bedeutenden Männer anerkennen, indem wir unserem Freunde Blau stein für all' die Sorgen, Mühe und Opfer, die er uns entgegengebracht, auch ein Opfer bringen, und zwar nicht vereinzelnte persönliche Zugeständnisse, sondern ein Opfer der Gemeinsamkeit. Jeder jüdische Cantor, der mit uns fühlt und denkt, sende seine Opfergabe an irgend eine ihm vertrauenswürdige Person, entweder mit einem Motto oder auch blos mit seiner Namensunterschrift versehen ein; so werden wir in der Lage sein, unserem verehrten Freunde B l a u st e i n durch die reiche Betheiligung den Beweis zu liefern, wie feine Collegen über ihn und sein