Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 13 (11.4.1883)
- Date
- 1883-04-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 vielleicht darin bestehen müsse, die Stellung des Cantors auf Kosten dieser Anderen zu verbessern. Was Wunder, daß dieser Embyro mit allgemeinem Mißtrauen ausgenommen wurde. Und siehe da! Das Flämmchen glüht bescheiden weiter, es verträgt ganz gut das Helle Tageslicht, ja es stammt und loht täglich Heller und wärmer auf und verbreitet Licht und Wärme unter uns. ״Durch Bildung zur Freiheit!" Dieser Schlachtruf unserer wissensdürstenden Zeit, er steht auch als Losungswort auf der Fahne des Cantorenvereines! Wer wollte es läugnen, daß auch in der Cantorenwelt in dieser Hinsicht ein großer Mangel an Ueberfluß herrscht? Und wer wollte engherzig sein und nicht anerkennen, daß es dringend noth thut, uns in jeder Weise zur Höhe unserer Zeit empor zu schwingen? Und ist nicht in der kurzen Zeit, die der Cantorenverein besteht, ganz Erkleckliches von den so arg verschrienen Cantoren geleistet worden? Aber auch das erwärmende Gefühl der Zusammengehörigkeit wurde durch den Cantorenverein entzündet. An dieser Oriflamme sollen die eisigen Fesseln des Partikularismus schmelzen, durch das Bewußtsein der gemeinsamen Bestrebungen soll der Muth des Einzelnen gehoben und gestärkt werden. Diese gemeinsamen Bestrebungen haben wahrlich nicht den Zweck, die Stellung des Cantors. auf Kosten Anderer zu verbessern. Wer sollten auch diese Anderen sein? Doch nicht die Gemeinden? Liegt es nicht vielmehr im Interesse selbst der kleinsten Gemeinde die Zwecke des Cantorenvereines mit allen Mitteln zu fördern? Der Cantor ist der Diener der Gemeinde, in ihr und mit ihr lebt er, wirkt er, und wird er alt. Nun tritt doch gewiß in erster Linie an die Gemeinde die Pflicht heran für ihren treuen und in ihrem Dienste ergrauten Diener zu sorgen. Allein sie ist beim besten Willen nicht in der Lage, dieser ihrer wohlverstandenen Pflicht nachzukommen, sie kann nicht zwei Familien erhalten; denn wenn der alte Cantor berufs-, unfähig geworden, muß ja ein neuer ausgenommen werden, und die Gemeinde hat ja ohnehin der Lasten mehr als genug! Ja, dazu ist eben der Cantorenverein geschaffen worden, um den Gemeinden die Lasten zu verringern. Hier findet der müde Diener des Herrn chie Mittel seiner ferneren Existenz, nicht als ein Almosen, sondern als wohlverdiente Abgabe, die er zu fordern das Recht hat. Der Cantorenverein verfolgt daher solche Zwecke, die gewiß von jeder Gemeinde, als iu ihrem eigenen Interesse gelegen, erkannt und gewürdigt werden mögen. Wohl wird es dem Cantor nicht erspart von seinem mitunter sehr geringen Einkommen einen nicht unbedeutenden Theil als Vereinsbeitrag abzugeben. Aber die Rücksicht auf sich und seine Familie zwingen ihn, sich sogar Entbehrungen aufzuerlegen. Er ist eben ein Einzelner. Aber bei einer Gemeinde kann ja das Opfer nicht so groß sein אץ צבור עני Vereinte Kräfte werden es wohl zuwege bringen, daß ein jährlicher Beitrag von einigen Gulden aufgebracht wird. Mögen daher die löblichen Gemeinden uns in unserem Streben thatkräftigst unterstützen! Mögen sie uns aufmuntern in unserem Vorhaben, indem sie unseren Appell an ihre guten Herzen nicht unerhört verklingen lassen! Soll der schwache Docht Licht verbreiten, so muß er vom Oele getränkt werden! Und gewiß, es bedarf nur des rechten Wortes um die Quelle jüdischer Freigiebigkeit sprudeln zu machen. So oft noch ein Ruf an die Freigiebigkeit milder Herzen in die Oeffentlichkeit gedrungen, immer waren es unsere Gemeinden, waren es Juden, die in munificenter Weise mit ihrem Beispiele vorangingen. Um wie viel mehr dürfen wir Cantoren hoffen, daß unsere Gemeinden, deren warme Fürsprecher vor dem Altvater wir genannt werden, diesmal unsere aus vollem Herzen stammende Bitte erfüllen und unserem Vereine als unterstützende Mitglieder beitreten werden! Und an diesem Beitritte, werden wir erkennen, daß es unseren Gemeinden ernst ist, unser Streben zu unterstützen. Aber auch Kraft und Ausdauer wollen wir daraus schöpfen, um unsere Hingebung zum Berufe durch das aufrichtige Gefühl der Dankbarkeit zu verklären. Das walte Gott! Turnau, 5. April 1883. Adolf Rotter. Verschiedenes von Emil Krankel, Strakonitz. In unserer Zeitung lasen wir vor Kurzem eine kleine Auseinandersetzung, die Einen sagten: wir brauchen keine Artiteln von Rabbinern, sondern Fachartikel; die Andern meinten, die Belehrung über die in unser Fach einschlägigen Anordnungen aus 86llnI6llan ^.raeii, N0§6n Abraham, sowie interessante Exhorte seien nothwendig; beide Collegen haben in der Hauptsache entschieden Recht. So wie wir von unseren Capacitäten schon längst erwarteten, ihre mit Erfolg gekrönten Erfahrungen in unserer Zeitung veröffentlicht zu sehen, in der Behandlung des Organes, Stimmbildung, Ausgleichung und weise Benützung des Organes, Solfeggirung^ Stellung der Tonart, Aussprache und Benützung der Akustik, Chorunterricht, Orgelgottesdienst, Vortragsweise in neuer, alter und polnischer Weise; so wie wir seinerzeit mit großem Fachintercsse die ״Musikbriefe" lasen, so hat weiter dieses so wichtige Terrain leider wenig Beachtung gefunden und die ״Cantoren- Zeitung" sollte doch das Rendezvous aller unserer, durch Erfahrung und Stellung zur Anerkennung gelangten Collegen sein, hier sollte man die Herren suchen und finden.*) Eine leicht faßliche praktische Generalbaßlehre und Contrapunkt als beständige Rubrik würde die Collegen wie jeden Cantor lieber sein, wie jedes Roman-Feuilleton, selbst wenn er noch so interessant ist. Ebenso erwünscht wären Artikel über Liedervortrag. War doch seiner Zeit Meister Sulzer anerkannter Schubertsänger, Obercantor Singer in Wien und Obercantor Beer in Paris, diese Riesenbaritone und Meister in Recitative, die sich im Oratorienstyle und Gesang vortrefflich einarbeiteten, sollten jungen Cantoren zum nachahmenswerthen Beispiele werden. Auszüge von Hanslick'schen Recensionen über Lieder- Vorträge im Vereinsorgane würden gewiß auch von vielen Collegen begrüßt werden. Auch der zweite Herr College ist vollkommen im Rechte, geistreiche Belehrung ist uns willkommen und wenn die ehrwürdigen Herren Rabbiner auch Artikel bringen, die dem *) Auch wir müssen diesen Ausführungen vollkommen beipslichten und über die Nachlässigkeit so mancher Collegen, die auf diesem Gebiet? recht Tüchtiges und für ihre Collegen Ersprießliches leisten könnten, bittere Klage führen. Anregungen zu solchen Arbeiten wurden in unserem Blatte schon öfters gegeben, doch blieben dieselben meist erfolglos. Die Red.