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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-04-03 · Heft 12 (3.4.1883) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 12 (3.4.1883)
Date
1883-04-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Kleine Ktzronik. \ Wien. Prof. S. Sulz er feierte Donnerstag den 29. März im engsten Familienkreise seinen 79. Geburtstag. Obercantor I. Singer und Obercantor I. Bauer beglückwünschten den Altmeister im Namen des Vereines und der ״Cantoren-Zeitung". Sil: Moses Montefiore, der ^weltberühmte jüdische Menschenfreund begeht am 24. October d. I. das seltene Fest seines hundertsten Geburtstages. Wien. Auf die Mittheilung, welche der Professor Dr. S. N a s ch 6 r als Präsident des hiesigen isr. Humanitäts-Bereins ״Ahabath Zion" über die Tendenz desselben der Alliance Israelite universelle in Paris amtlich eröffnet hatte, erwiederte das Central-Comite demselben, daß sie ihn der besten Dankbarkeit versichern und sehr gerührt von der Anhänglichkeit sei, welche Dr. Nascher auch in früheren Jahren der Alliance universelle gegenüber bekundet hatte. Wien. Unter großer Theilnahme feierte der Director der israel. Taubstummen-Anstalt, der kaiserl. Rath I. Deutsch seinen siebzigsten Geburtstag. Sowohl seitens der Instituts- Zöglinge, als auch in weiteren Gesellschaftskreisen gab sich lebhaftes Interesse kund. Als Gratulanten erschienen für die israel. Cultusgemeinde Dr. Leopold Kompert, für das Rabbinat Dr. Güdemann, für die Alliance Isralite in Wien Dr. Friedländer; ferner Dr. L. A. Frankl, Ritter v. Hochwart, Professor Dr. S. Nascher, der Cantor der Anstalt Herr D. L. Rotter u. A. m. Prediger Dr. Jellinek ließ sich Unwohlseins halber entschuldigen. ׳ Floridsdorf, am 24.. März 1883. Es war ein glücklicher Gedanke mehrerer näheren Freunde des Herrn Dr. Bloch, sämmtliche ihm aus Anlaß seines Auftretens wider den Antisemitismus zahlreich zugegangenen Zustimmungs-, Anerkennungs- und Dankschreiben, sowie die eingelaufenen Adressen israel. Cultusgemeinden mit einem wohlgetroffenen Portrait des geistreichen Vorkämpfers für Freunde und Verehrer desselben drucken zu lassen. Donnerstag am 22. v. M. erschien eine vom Gemeinde- Präses Herrn Em. Grünwald geführte Deputation von Mitgliedern der israel. Cultusgemeinde zu Floridsdorf beim Rabbiner und überbrachte einen kostbaren Pocal und das erste Exemplar der erwähnten Brochure in Prachteinband. Herr Dr. Leop. Grünwald hielt bei dieser Gelegenheit folgende Ansprache: ״Ew. Ehrwürden! - Ihr mannhaftes Auftreten gegen die Angriffe wider das Judenthum und dessen altehrwürdiges Schriftthum hat allseitige Anerkennung gefunden. Von nah und fern, weit über die Grenzen unseres Kaiserstaates langten und langen noch fortwährend in den verschiedensten Sprachen und Lauten, in dem weiten Gewände einfacher Prosa sowohl, als im gedrängten Style poetischer Kürze, Dank- und Anerkennungsschreiben ein. . Doppelt fühlen wir uns verpflichtet, Ew. Ehrwürden unseren Dank zu zollen. In erster Linie als Glied in der Kette, welche das Judenthum verbindet, in zweiter Linie als Mitglieder der hiesigen Cultusgemeinde, deren geistiges Oberhaupt wir in Ihnen verehren. In diesem Doppelsinne ist mir der ehrenhafte Auftrag geworden, Ew. Ehrwürden im Namen einer großen Anzahl Gemeindemitglieder zu Ihren Erfolgen Glück zu wünschen und unseren aufrichtigsten Dank abzustatten. Als geringes sichtbares Zeichen unserer Verehrung und Dankbarkeit bitten wir diese Brochure und diesen Pocal von uns entgegen zu nehmen." Herr Dr. Bloch sagte in seiner Erwiderung, daß er es mit zu! den wunderlichen Launen des Geschickes zähle, daß es sich Menschen und Völker zu Werkzeugen erwähle, nicht nach Verdienst und Tüchtigkeit, nach Begabung und Kenntniß, sondern oft nach reiner Willkür. Das Sclavenvolk in Egypten hatte sich weder durch höhere Sittlichkeit noch durch höhere Einsicht und Gotteserkenntniß; weder durch eine machtgebietende Stellung, noch durch eine numerische Größe — vor anderen Völkern ausgezeichnet. Israel war, wie die Schrift vielfach erwähnt, die winzigste unter den Nationen, und gerade darum von der Vorsehung mit einer hohen Mission betraut worden, blos um der Väter willen, die sich stark erwiesen in der Gottestreue. Vielleicht danke es auch der Redner den Verdiensten seiner Ahnen, einem sectius owaus, daß gerade er, der nichts voraus hat vor zahllosen Collegen und Berufsgenossen, dennoch von dem Geschicke ersehen worden, ein Wort zur rechten Zeit öffentlich zu reden. Neben der Lauue des Schicksals ist es Floridsdorf selber, dem ein Antheil an den Erfolgen gebührt. Vermöge der Nähe der großen Residenz ist es von hier aus möglich, die öffentlichen Vorgänge zu beobachten, auf die tausendfachen Stimmen des Tages zu horchen, die Erfordernisse des Momentes zu erspähen, die Gelegenheit zu nützen, das Wort zur rechten Zeit auszusprechen, welches in den Herzen ein lebhaftes Echo findet. Diese Gunst des Geschickes kam auch der jungen Floridsdorfer Cultusgemeinde zu Gute, die in der Zeit in den weitesten jüdischen Kreisen des österreichischen Kaiserstaates so oft gegenannt worden, und in den ersten Jahren nach ihrem Entstehen sich eine ehrenvolle achtunggebietende Position errungen hat. — Der Redner dankte dem Präses der Gemeinde, Herrn Em. Grünwald, dem geistreichen Sprecher der Deputation Herrn Dr. L. Grünwald, sowie den Mitgliedern des Comites und allen Erschienenen für den erneuerten Beweis der Liebe und Anhänglichkeit, die ihm bei den Mitgliedern der eigenen Gemeinde am kostbarsten sei. *) Znairrr, im März. Unsere noch in der Entwickelung begriffene Gemeinde hat einen herben, wahrhaft unersetzlichen Verlust erlitten durch den allzusrühen Tod ihres langjährigen Vorstehers Herrn Wolfg. H. H el lm a n n, welcher im 52. Lebensfahre den Seinen entrissen und am selben Tage unter großen Ehrenbezeugungen zur Erde bestattet wurde, an welchem er vor 25 Jahren mit seiner biederen, höchst intelligenten Gattin den Ehrentag gefeiert hatte. Besondere Verdienste erwarb sich der Heimgegangene um die Hebung, Pflege und Veredlung des Gottesdienstes durch Einführung der Harmonium- und Chorbegleitung, ebenso durch Acceptirung des Mannheimer- Machsors, später der Wiener Tempelordnung, wobei er oft viele Mühen und Kämpfe anwenden mußte. Ein erklärter *) Es erscheint uns höchst auffallend und ungerecht, wenn die das Judenthum vertretenden Zeitschriften, wie die ״Neuzeit" rc., Thatsachen, die da« Leben eines Mannes, wie Dr. Bloch betreffen, der für das Judenthum in solch' kräftiger und wirkungsvoller Weise zur rechten Zeit singetreten ist, mit vollkommenem Stillschweigen übergehen. Die Red.

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