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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-04-03 · Heft 12 (3.4.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 12 (3.4.1883)
Date
1883-04-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Menschengeschlechte besser zu kennzeichnen und bezeichnender zu charakterisiren, als durch das tragische Bild eines gewaltsamen Angriffes eines Menschen gegen seinen Nebenmenschen? als durch das düstere Gemälde, in welchem ein Menschenstamm den andern mit roher Gewalt bekriegt und bekämpft? Ja, es ist eine traurige aber heilige Wahrheit, die Geschichte der Nationen aller Zeiten bestätigt es zur Genüge, daß das natürliche, uneultivirte Verhältniß des Menschen zum Menschen noch heute nichts Anderes ist, als ein Zustand des rohen, verderbenbringenden Kampfes und Krieges, so verschiedenartig die Waffen auch hierzu gewählt sein mögen. Oder besser, daß der kriegerische Gewaltzustand Eines gegen Einen oder Mehrerer gegen Mehrere nichts Anderes ist, als ein natürliches uncultivirtes Verhältniß der Menschen gegen einander. Es ist dies das alleinlebende, sich selbst genügende Lebensverhältniß, das sich in dem gegnerischen Auftreten Einzelner gegen Einzelne oder Vieler gegen Viele äußert, wo Keiner einen andern Richter und Beurtheiler anerkennt, billigt und achtet, als seine eigenen gemachten Forderungen, seine erhobenen Ansprüche und den unveredelten natürlichen Trieb seiner Selbstsucht; wo Niemand eine bessere Garantie hat für das, was ihm als Mensch, als Weltmitbürger gebührt, als seine physische Kraft und seine hiedurch errungenen materiellen Mittel. Könnte ein solcher bluttriefender Zustand kräftiger gemalt und abschreckender dargestellt werden, wo Neid, Gier, Eigennutz, Rücksichtslosigkeit. List, Hab- und Selbstsucht über den Nebenmenschen herfallen, und ihn mit der Wucht thierischer Gewalt zu unterdrücken und ihm den Boden des Daseins zu entziehen? Denn nicht immer müssen die Keule, die Hacke oder der Hammer die Mordwerkzeuge zum menschlichen Todtschlag sein; der - von solchen Leidenschäften hervorgerufene böse Wille hat schon unter den verschiedensten Gestalten manchen Brudermord begangen! — Ausgeschlossen aus dem Verbände der menschlichen Gesellschaft ist daher von der bibl. Sage dieser rohe, selbstsüchtige Qainite; denn er kennt kein Solidaritätsgefühl, keinen Verpflichtungsdrang für die Lebensexistenz, für das Wohl und Gedeihen, seines Bruders, er selbst ist sein Alles. Bin ich denn der Hüter meines Bruders? liegt mir etwa die Pflicht ob. für meinen Bruder zu sorgen? Habe ich doch nur für mich selbst Sorge zu tragen! In diesem Sinne läßt die h. Schrift diesen noch ganz Verthierten der erzürnten Gottheit antworten und er ist zur Strafe ein— ״Verfluchter", ein ״Ausgestoßener"! — Unstät und flüchtig, -weder Ruhe noch Rast kennend, bringt er die kurze Dauer seines Lebens mit Zeitlichem und Nichtigem zu, nichts denn Tod und Vergänglichkeit, Grab und Moder ahnend. — So macht die Bibel häufig aus einem trockenen Moralsystem ein lebendiges Gemälde handelnder Personen, das innerhalb des engen Rahmens eines einfachen Familiendramas hier zum Vorschein gelangt. Wer daher in die Gallerie dieser bibl. Darstellung eintritt und sie mit Herz und Verständniß in ihren verschiedenen Gegensätzen auffaßt, dessen Gemüth wird durchdrungen von der Würde der veredelten menschlichen Natur, sein Selbstgefühl wird erhöht, seine Kraft wird zur Nacheiferung begeistert oder zur Verabscheuung angeregt. Vereirlsnachrichte«. In der im Laufe der vorigen Woche stattgefundenen Vorständssitzung wurde in Anbetracht der großen Verdienste, die sich nufer Altmeister und Ehrenpräses Herr Professor S. Sulz er um die Neugestaltung und Veredelung des jüdischen Gottesdienstes erworben hat, der einstimmige Beschluß gefaßt, demselben ein ewiges Denkmal damit zu setzen, indem dem österreichisch-ungarischen Cantorenvereine dessen Name beigegeben wird. Der Name des Vereines wird nach behördlicher Genehmigung heißen: Oe st erreichi sch-ungarischer Cantorenverein ״Sulzer". Weiters wurde der Beschluß gefaßt, daß diejenigen Cantoren, welche vor dem Cantorentage ihren Beitritt zu dem Vereine angemeldet haben, Mitglieder desselben bleiben können auch wenn sie das in § 5 II bestimmte Alter von 60 Jahren überschritten haben. Der Antrag des Controlors I. Schiller, es seien an jedes neu eintretende Mitglied Fragebögen zur Ausfüllung einzusenden, wird angenommen. Demselben wird auch der Dank des Vorstandes für die dem. Vereine in bedeutender Anzahl geschenkten Briefpapiere, Couverts rc. ausgedrückt. Cassier A. Fischer wünscht, der Vorstand möge durch die ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung" an die Mitglieder die Aufforderung ergehen lassen, ihre Vereinsbeiträge vom Beginne des Vereinsjahres, d. i. vom 1. Juli 1882 ehestens an die Vereinscassa einzusenden. Mit Abschluß des ersten Vereinsjahres, d. i. 30. Juni 1883 wird gegen jene Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen im Rückstände sind, nach §. 12 III. der Statuten vorgegangen. (Wird angenommen.) Der Vorsitzende Präses I. Singer stellt den Antrag, der Vorstand möge die ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung", von welcher die Gründung des Vereines ausgegangen ist, officiell als Vereinsorgan anerkennen und den Mitgliedern die Unterstützung dieses für den Cantorenstand hochwichtigen Organes an's Herz legen. (Wird angenommen.) Im Laufe dieser Woche wird das zur Veranstaltung der Sammlungen für den Vereinsfond eingesetzte Comito von den Herren Baron Rothschild und Ritter v. Guttmann empfangen werden. Der Vorstand des österr.-ungar. Cantorenvereins. Gingesendet. Sehr geschätzter Herr Redacteur! Gestatten Sie mir, Ihnen ein Pendant und charakteristisches Seitenstück zu dem so treffenden Aufsatze des Herrn Dr. S. Nascher in Nr. 11 Ihres geschätzten Blattes hiermit zu liefern, welches den Beweis bieten soll dafür, daß in den alten ״Kehillos" gleichzeitig mit der Pietät und Achtung vor dem Hergebrachten auch die Humanität in höherem Grade heimisch war, als es in den sogenannten modernen, oder Fortschritts-Gemeinden der Fall ist. — Das Aufhören des ש״מ in den neuen Gemeinden ist aus dem ganz einfachen Grunde erklärlich, daß man an Purim fast gar nicht denkt, da die Wenigsten sich daran erinnern, die Megillah zu hören, wie ja im Allgemeinen der Besuch des Gotteshauses viel zu wünschen läßt. Aus dem mangelhaften oder seltenen Tempelbesuche entsteht die Apathie gegen alle religiösen Institutionen, implicite die gottesdienstlichen Func-

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