Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 11 (26.3.1883)
- Date
- 1883-03-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/1304829-3452915-3452926--0519-3454565- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 6 - Kenntniß zu bringen, daß rs sich durch ihre künstlerische, ein vorzügliches Talent bekundende - Widmung besonders ausgezeichnet sieht, wofür es Ihnen den schönsten Dank weiß und die Tendenz Ihrer beherzten Widmung, welche auf ein edles, von Mitgefühl gegen die leidende Menschheit beseeltes Gemüth hinweist, wird die armen Ueberschwemmten bemüßigen, ihr Gebet zum Allvater zu erheben, damit er Sie sammt Ihrer werthesten Familie bis in's höchste Alter in Gesundheit, Glück und Zufriedenheit erhalte. Unseren Wunsch, den humanen Zweck je eher realifirt zu sehen, mit dem Ihren vereinend, zeichnet für den Vorstand des Raab und Raab-Szigeter isr. Frauen-Wohlthätigkeitsvereines mit ausgezeichneter Hochachtung Fanni Lederer, Präsidentin. G. .W. Szögyi, Secretär. Graz. Gelegentlich der vor einigen Tagen stattgefundenen Trauung der Tochter des Herrn Mor. Fröhlich, Edler von Feldau, gelangte die 2. Musikbeilage der österr.-ung. Cantorenzeitung ,Mah towu“ von A. Grünzweig in Arad zur Aufführung und wurde von den zahlreich anwesenden, der besten hiesigen Gesellschaft angehörigen Gästen, höchst beifällig aufgenommen. Auch mehrere der Trauung anwohnende Musiker drückten dem fungirenden Cantor Herrn A. Rerchard ihre Anerkennung für seinen schönen Vortrag aus und äußerten sich über einige besonders gelungene Stellen dieses Werkes in sehr lobender Weise.*) Der Prediger Dr. S. Mühsam, als Kanzelredner rühmlichst bekannt, hielt die Trauungsrede. Cottbus, 18. März. (Orig.-Corr.) Am vorigen Donnerstag beging die hiesige Chewra kadiseha ihr sechstes Stiftungsfest und zwar ebenso wie im vorigen Jahre durch Todtenfeier in der Synagoge, an welcher sich dann ein großartiges Festessen im Gesellschaftshause anschloß. Das ganze Fest nahm einen glänzenden Verlauf. Die köstlichsten Speisen und Weine schmeckten vortrefflich. Alles war heiler und vergnügt; auch der launige, sinnreiche ״Lemer" von dem nunmehr dahingeschiedenen Collegen Winkler - Gleiwitz זצ״ל verfaßt, wurde abermals unisono executirt. Diesmal hat uns das Lied jedoch mächtig ergriffen und wehmüthig gestimmt; die Nachricht von dem Ableben dieses großen Mannes machte auf alle Anwesenden einen tief erschütternden Eindruck. Bis um 5 Uhr Morgens blieben die meisten Festgenoffen beisammen und trennten sich sodann mit dem angenehmen Bewußtsein, einige recht vergnügte, gemüthliche Stunden verlebt zu haben. ששון ושמחה ימצא בה תודח וקול זמרה* _ A. Zad eck. *) Wir gratulircn dem Autor, Herrn A. Grünzweig, zu diesem Erfolge und wiffen denselben um so höher zu schätzen, als wir das kunstsinnige Publikum in Graz kennen zu lernen Gelegenheit hatten. D. Red. Berichtigung. In Nummer 10, Seite 6, Spalte 1, Zeile 11 von oben lies: ״Es wird nur verlangt von den Herren ׳ש1חטיפ ׳ובודקים jenen Herren Amtsgenoffen die das שחיטות ובדיקות u. s. w. Ferner in der היכא תמצא soll es heißen ,,ונטרפו" statt ונשרפו• In der untern Randbemerkung lese man שעדיין לא ערד, עליו הםרכא. Correspondenz -er Re-action. I. in M. Wollen Sie gefälligst den Vereinsbeitrag an Herrn Cafsier A. Fischer, I., Seitenstättengasse 4 senden. Gruß. G. in U. O. Ihr weiteres Ausharren freut uns sehr. R. in St. Dankend bestätigen wir den uns seinerzeit auf indirektem Wege eingesandten Betrag. Colleg. Gruß. R. in Gr. Sie haben bis 1. April Ihr Abonnement beglichen. Gruß. Th. in Oed. ES sind jährlich 4 fl.׳ als Vereinsbeitrag zu entrichten. Das 2. Quartal beginnt am 1. April a. c, . . ־ G. in Sch. Danken für Ihren guten Rath. Colleg. Gruß. K. in T. Correspondenz erhalten. Blätter und Mufikbeilagen an den neuen Abonnenten bereits abgesandt. G. in St. Wir wußten wohl, daß der Rückstand von 1 Jahr bei Ihnen gut ist, wollten jedoch mit Zusendung der Mahnbriefe keine Ausnähme machen. Nichts für ungut. A. I. in B. Abonnementspreis mit Einschluß der Musikbeilage beträgt für das Ausland 7 fl. per Jahr. Sie können jedoch d.n Betrag auch in Mark einsenden. Herzl. Gruß. M. in B., K. in R. Für diese Nummer zu spät. Sch. in R. Auf Ihr Eingesandtes werden wir demnächst noch'zurückkommen. B. in Mußte wegen Ueberfülle des. Stoffes für die nächste- Nummer Zurückbleiben. Dr. Gr. in Z. Danken für Eingesandtes, wird nächstens veröffentlicht. Gruß. L. G. in W. Besten Dank für Purim-Geschenk. Herzl. Gruß. Samuel, der blinde Geiger. Novelle von Alois Kulka. 3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.^ Ein ergreifendes melancholisches Adagio verhallte in der leeren Gaffe, bald der tiefsten Schwermuth banges Seufzen, bald der Sehnsucht inniges Flehen und bald der reinsten Liebe schmeichelndes Säuseln, aber so wahr und gefühlvoll geschildert, daß es sie rühren mußte. Sie sprang vom Lager, warf eilig ein leichtes Tuch um ihren blendend weißen Racken, schob vorsichtig die Gardinen zurück und öffnete leise das Fenster, um die süßen Klänge noch reiner und Heller zu vernehmen, und so die ihr bereitete herrliche Ueberraschung in vollen Zügen in ihrer vollen Größe zu genießen. Ach, sie ahnte nicht, daß es Abschiedsklänge waren, die letzten, die sie von dem ihr im Stillen immer theuerer werdenden Samuel vernahm. Nimmer konnte sie sich halten und neigte daher ihr reizendes Engelgesichtchen über die Fensterbrüstung, nachdem der Töne letzter sanft verklungen war. Samuel lehnte weinend an der Mauer und als er zum Himmel aufblicken wollte, dessen Dunkelblau sich mit trüben Wolken überzog, als bemitleidete er den armen Jüngling, erbebte er heftig —er sah sie — sie lispelte herab: ״Samuel! — ich danke — herzlichst". Mit schluchzender Stimmeerwiederte er: ״Leben — Sie wohl, theures Röschen! Ich scheide auf — Nimmer-Wiedersehen!" — Dann stürzte er fort, beklommen und vor dem Nachhalle seiner eigenen Schritte zurückschaudernd. Mit einem Male däuchte ihm Alles so unheimlich, ruhig und leer — er suchte die Ruhe im Vaterhause und fand sie nicht, während Röschen sich gerührt zurückzog und die vorige Stille mit den lieblichen Bildern der Phantasie bei ihr einkehrte. Als Röschen, welche wähnte, das Ständchen habe nur ihrem Geburtstage, der am nächsten Tage war, gegolten, am Morgen wie gewöhnlich in das Comptoir ihres Vaters ging, da vermißte sie das Gesicht Samuel's, . dessen herzlicher Morgengruß ihr täglich so viel Vergnügen bereitete. Er begegnete ihr diesmal nicht, und erst als ihre Freundinnen von seiner wirklich erfolgten Abreise erzählten, da erst verstand sie die Sprache jenes Adagios. Mit vieler Mühe nur gelang es Röschen vor ihren Eltern und Geschwistern die wehmüthige Stimmung, welche von dieser Stunde an immer tiefere Wurzeln in ihrem Herzen schlug, zu verbergen.-