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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-03-26 · Heft 11 (26.3.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 11 (26.3.1883)
Date
1883-03-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 bringen, allein lediglich mit dieser Aufgabe wäre unsere heilige Mission lange noch nicht erfüllt, wenn die Vereinsleitung nicht das Bestreben und die Fähigkeit besäße, auf die Bessergestaltung des jüdischen Cantorenthums durch gesetzliche Anerkennung, Belehrung und Aufklärung rc. fördernd einzuwirken. Zur Erreichung dieser idealen aber ungemein nothwendigen Zwecke meine lieben Amtsbrüder brauchen wir nun einen Verein. Der Begriff dieses Wortes bedingt aber eine Vereinigung vieler Menschen, verschiedener Fähigkeiten und mannigfacher Arbeiten zu einem gemeinsamen Zwecke. Anstatt nun daran zu denken, wegen etwaiger nichtssagender persönlicher Bedenken — an dem heiligen Vereinsbestrebungen rütteln zu wollen, ist es Pflicht eines Jeden von uns, Groll und Hader aus unserer Mitte zu verbannen, durch vereinigte Thätigkeit zu erstarken, durch corporatives, einmüthiges Auftreten zu imponiren um all' das erwarten zu können, was wir erstreben und was wir בע״ה erreichen werden. Ist etwas in' unserer Mitte unklar, nun so möge es beleuchtet werden, so wie es heißt '121 ליהודים היתר! אורה ושמחה soll Freude und Wonne einziehen in unserer Mitte, so muß erst אירה das Licht, die Verständigung, die Aufklärung vorausgehen. Nun denn! Wir sind erfüllt von Thalkraft und edler Absicht für ein edles Ziel. — Wir werden unverdrossen an dem begonnenen Baue weiter arbeiten, die etwaigen Widersacher zurückweisen, denjenigen jedoch die zu dem heiligen Zweck mit uns vereinigt bleiben, unsere Freundeshand reichen. Wien, ליהודים היתר, אורה ושמחה תרמ״ג לפ״ק. Singer, Präses. לקים את ימי הפרים האלה בזמניהם, Zweimal des Jahres, am Chanucka und Purim, sammeln sich die Glieder der jüdischen Familien im häuslichen Kreise, um mit Spiel und Sang, Lust und Freude, die Erinnerung an zwei große erlösende Ereignisse ihrer alten Geschichte zu feiern. Und doch wie groß ist der Unterschied zwischen beiden Freudenfesten. Das erste ist im Strome der Zeiten aus den Herzen der Meisten unserer jüngeren Generation geschwunden. das letztere jedoch wird fast noch Allgemein gefeiert. Es wäre gewiß eine falsche Auffassung des Volksgeistes wollte man das längere und innigere Hegen des Purimfestes blos in den leiblichen Genüssen, die an demselben officiel sind, suchen, vielmehr muß der Grund bedeutend tiefer liegen und findet sich in der That auch in seinem Ursprünge, in dem Grundmotive desselben. Das Chanuckafest ist der Wiedereinweihung des zerstörten Tempels, der Wiederherstellung des alten Gottesdienst geweiht. Beide Errungenschaften sind aber später verloren gegangen. Grund genug, daß namentlich in unserer Zeit, wo gerade die jüdische Religion sehr oft ein Stein des Anstoßes ist, wenn man sich schon die jüdische Nationalität gefallen läßt — die Erinnerung an jenes Ereigniß nicht mehr mit der alten Pietät bewahrt wird. Das Purimfest hingegen ist frei von jedem religiösen Hintergründe. Kommt doch in dem ganzen Buche, das uns von jenem Ereignisse erzählt nicht ein einziges Mal der Name Gottes vor, ist doch in demselben keine Erwähnung von Tempel, Gottesdienst, Gebet rc., sind diese Tage doch vielmehr bloß ימי משתה ושמחה ומשלח מנות איש לרעהו ומתנות לאבינים °ls° Fest der ruhigen Genusses, der innigen Verbrüderung des ganzen Volkes. Und was anderes sollten Tage sein, die zur Erinnerung an ein Ereigniß eingesetzt sind, bei welchem vielleicht zum ersten Male Israel blos als Nation in das Rad der Weltgeschichte eingreift und welches uns bereits seit 18hundert Jahren allein Musterbild und Richtschnur in unserem Welt- Wandel abgeben kann. Denn seit Zerstörung des zweiten Tempels, seit Entstehung des Christenthums hat Israel seine Hauptaufgabe als Religionsgenossenschaft im engen Sinne als Vorkämpfer des Monotheismus zum großen Theile erfüllt und die zweite Aufgabe übernommen, als Nation in der Weltgeschichte segensreich und belehrend fortzuwirken. Verfolgen wir die Geschichte, die unserem Purimfeste zu Grunde liegt, so sehen wir in der großen Masse der handelnden andersgläubigen Personen ein JudenpaarMordechaff Esther, welche uns das ganze Israel versinnbildlichen. Diese beiden sind namentlich für unsere Zeit ein höchst lehrreiches Beispiel. Mordechai verkehrt am Hofe des Königs, ist Hofbeamter, leistet dem Könige Staatsdienste, rettet das regierende Haus durch seine Wachsamkeit, bekommt zwar dafür keine Belohnung, sondern bleibt vielmehr im Verborgenen, läßt aber keinen Augenblick die Liebe und Sorge für das angestammte Herrscherhaus aus den Augen. Esther läßt sich an den königlichen Hof bringen, lebt dort mit allen anderen Mädchen, läßt an sich alle Ceremonien zur Krönung vollziehen, wird Königin und nimmt Theil an der obersten Leitung des Staates, dabei aber kein Wort von ihrer jüdischen Religion. Sie hat keine eigenen exclusiven Speisegesetze, keine Festtage, keine eigenen Gebete — nichts von Alledem. Gewiß ein merkwürdiges Beispiel aus jener alten Zeit, gewiß ein bedeutsamer Fingerzeig für alle Diejenigen, die sich auf ihre Amalgamierungsmacht so viel zu Gute thun! Um so mehr aber als unsere Weisen schon diese Erscheinung nicht übersahen, vielmehr zu wiederholten Malen ihre Verwunderung und Mißbilligung darüber ausdrücken, was aber doch die Aufnähme dieses Buches als ״heiliges" in den Canon nicht verhinderte. Und wie merkwürdig! Trotz diesem engen Anschluss? hinterdringt doch der Minister dem Könige die neue Botschaft ישנו עם אחד מפזר ומפרד בין העמים בבל מדינות מלכתך וזתיהם שנות מכר עם ואת דתי המלך איבם עשים da gibt es unter deinen Völkern ein Volk zerstreut und vertheilt über alle Theile deines Reiches und ihre Gesetze sind verschieden von jedem Volk und die Gesetze des Königs üben sie nicht aus! Also in einem Reiche, das aus so vielen Nationen und Sprachen zusammengesetzt ist, in welchem man der Nationalität und Sprache jeder einzelnen Provinz bei jedem Anlässe Rechnung getragen, konnte sich ein Volk ohne Wissen des Königs befinden, das ein Gesetz befolgt, wie kein anderes mehr, das die Gesetze des Königs nicht erfüllt. Wie ein solches dem Könige hätte verborgen bleiben können, ist wahrlich schwer zu begreifen! Allein sehen wir dem Treiben Haman's zu. so finden wir, daß dieser Emporkömmling, dieser Finsterling eine totale Umwälzung des Staatswesens bezweckt. Am Beginne der Erzählung sehen wir ein glückliches Reich mit fröhlicher Bevölkerung, das mit seinem König in süßer Harmonie lebt. Wie ein Vater sammelt er seine Staatskinder um sich, bewirthet sie und schafft ihnen Vergnügungen. Nachdem aber Haman an's Ruder gekommen, wie ganz anders! Da darf sich Niemand dem Könige nahen, selbst die Königin muß sich erst von ihm rufen lassen; vor dem Minister als des

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