Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 10 (18.3.1883)
- Date
- 1883-03-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/1304829-3452915-3452925--0508-3454553- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 . Seitdem ich denken kann und durch die Worte der Weisen religiös mich zu bilden bestrebte war, war mir-auffallend, was eigentlich her Talmud mit der zum Gemeinplütz jüdisch Unterrichteter gewordenen Sentenz ausdrücke: ״Wer etwas im Namen eines Anderen mittheilt, bringt Erlösung für die Welt"; wie Esther im Namen Mordochais beim König es gethan (Esther L, 22). Ist denn das etwas, so Verdienstliches im Hinblick auf geistiges Eigenthum gewissenhaft zu sein, nicht Andere zu belügen und gegen fremdes Geistesgut gerecht zu sein? Und wie stimmte denn, nach dieser ja so viel ver» breiteten Meinung die Belegstelle aus dem Buche Esther mit jener Sittenwahrheit überein? Dort handelt es sich doch offenbar um die rettende That einer Persönlichkeit, durch welche der ganze Glaubensstamm (Esth. Cap. YI.) erlöst worden war, dort wirkte ja nicht die That des Wortes, sondern das Wort der That? Darum übersetzte man ,,boche’m omro“: Wer etwas spricht, dem objectiven Charakter der Persönlichkeit angemessen, von der er spricht, wie Esther das lebendige Echo Mordochai's beim Könige war (Esther Cüp. 4, 14—17); wer in edler Selbstverleugnung der Wahrheit dient, woher sie auch stammen möge, den Charakter der Wahrheit wahrt, wirkt geistig und sittlich veredelnd und bringt Heil und Er- 16^119 für die Welt! (Vergl. Maimonides' Jad hachsaka, hilch-kidusch. kackodescli, Abschn. 17, Seite 258 a: ״Nimm die Wahrheit an, von wem immer du sie hören mögest"). Allein wie häufig sind Männer ״mit Namen" bis zur kleinsten Kleinlichkeit empfindlich für den eigenen Namen und rücksichtslos für den ihrer Genossen, wenn nicht gar geneigt, mittelst des Anspruchs auf den eigenen autoritativen Namen das wohlberechtigte Ansehen des Namens Anderer selbstsüchtig zu schädigen. — Glücklicher Weise waren die Alten klug genug, nach dem Ursprung der Namen auf dem Wege thaterzeugender geschichtlicher Wissenschaft zu fragen (6bulin 396). Sie wissen, Moses war ein unsterblicher Geist in sterblicher Hülle, Mord'chai war ein Spender des edlen Dufts der Freiheit, Esther das verschleierte Bild einer jungfräulichen Königin und für Haman und Gleichgesinnte das Paradies der Menschheit nur den — Galgen aufweist. Haman hatte aber seiner Zeit noch einen höheren Rang, als Parlaments-Abgeordnete diesseits und jenseits der Leitha, als gewisse Hofprediger an der Spree und russische und rumänische Eintags-Minister. Wir sehen hieraus, daß der Name wie der Begriff Ehre ein Innerliches und kein Aeußerliches ist. Man kann mit Ehren überschüttet werden und im Grunde ein recht ehrloser Mensch sein und umgekehrt beim Mangel aller äußerlichen Ehren in Glanz und Herrlichkeit vor Gott und im Lichte des eigenen sittlichen Bewußtseins erstrahlen; denn was zu deutsch man ״Charakter" nennt, das übersetzt in heiliger Sprache man correct mit ״Namen" (8ch6m). Ruse ich aber den Namen (Charakter) Gottes an, dann gebet Gott die Ehre (Deut. 32, 3). Wien, den 12. März 1883. Dr. S. N a s ch 6 r. שושנת.יעקב Eine Purim-FaMasie vvn Canlor Altenberg, Straßnitz. Die Rose, diese schöne Sommerkönigin, dieser Pflanzenschmuck und Blumenstolz, deren zarten Bestand der Naturgärtner, wenn auch nicht vor der rohen verwegenen, vor der mit dem Blumenzwickcr bewaffneten Hand, doch wenigstens, vor zufälligen Verletzungen in einer Dornensestung zu schützen wußte, diese Rose ist der reinste Abglanz der Königin aller Religionen, aller Nationen Stolz und Schmuck, die Tora, welche die alten Gottesgrrten-Wächter, wohl auch nur vor. einem unversehends verletzenden Angriffe (sogeg), keineswegs aber vor der mit dem Umsturzprincipe, bewaffneten״b’jad romoli“, verschanzen konnten, — ' כשושנה בין החזיזים. כן. רעיתי בין הבנות Die Rose, die mit jedem Morgensonnengruße ihre Krone weit öffnet und entfallet und aus ihrem Kelche .den reichen Duft, den erquickenden Wohlgeruch in die weite Ferne, wie ein Duftmeer, verschwenderisch ausströmen läßt, die aber auch beim Sonnenuntergänge sich wie erschrocken vor dem heranbrechenden Nachtgrauen wieder eng zusammenbalgt, als wollte ihre Gewürzbüchse die reiche Spende der Düfte nunmehr ewig versagen, diese Rose ist das treffendste Ebenbild des Toravolkes, welches auch mit jedem Morgengruße der freiheitlichen Glückssonne, die Seelenzier seiner Herzensfülle, seines Wohlthätigkeitssinnes, himmelsgroß und weltbrcit öffnet und jeden Vorübergehenden nicht unerquickt vorüberziehen läßt, welches aber auch, sowie die Freiheitssonne eine abenddämmerifche Schwenkung angenommen, sich alsbald schüchtern, bang und hoffnungslos J) zusammenschließt, als wollte cs seiner Urstammesgröße völlig entsagen. Die Rose, diese Würzezier, dieser köstliche Düftschatz, sie sie wird von einem schwachen dünnen Stengel getragen, wodurch sie, wenn sie vom leisesten Luftstoß bewegt wird, der Stichwunden ihrer eigenen schützenden Umgebung preisgegeben ist, dennoch aber ihren herrlichen Farbenglanz und innern Werth nicht einbüßt. Diese Rose ist umjchreibungsweise auch der Cantor zuweilen. Gleichniß und Verglichenes wettsingen wie folgt: "אני לדודי" "ודודי לי“»הרועה בשושנים. Es ist unglaublich, doch eine sich täglich wiederholende Wahrheit, daß mitunter noch mancher College vom Launendrucke eines cultusregierenden Achaichweros eommandirt wird. Diese Launenwucht, läßt sich am sichersten durch die Manier Esthers, daß heißt durchlistig gefallsüchtiges Anschmiegen, durch Verabreichen von Leckerbissen an schmackhaften Vorträgen verscheuchen. ״kimnagen hairmagen werowacii Ischoul“. Jede Auflehnung kann wie bei wasehti den Verlust des Thrones nach sich ziehen. Freilich die Schochet-Stellung ist eine viel sicherere. Denn hat sich derselbe einmal durch prompte höfliche Küchenbedienung die Damengunst erworben, dann trotzt er jedem zeitlichen makas clierew liereg weabdor. Das Entlassungsrecht seitens seiner Gemeinde belacht er. Ja, dieser Schocher oder in Purimsprache: dieser liegai-saasgas wird durch die mächtige Intervention seines Serails, die, indem sie einerseits Kanzler dem Galgenstricke ausliefert, anderseits Völker rettet, nachdrücklichst geschützt. Der Harem muß siegen. Darum Heil der Schwangerschaft des inaadiin-Planeten, dessen Ausgeburten die sichergestellten Olialol-Söhne sind -). — Der Talismann des Rabbiners ist die Tora, die jedem Achtung, der des Lehrers das Gesetz, welches jedem Respect, der des Schochet, die biedere Hausfrau, die jedem Furcht 1) ״rewaeli wehazoloh jaamod“, tröstet nimmermehr. 2) "״הנולד במאדים יהיה אשיר דמא