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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-03-18 · Heft 10 (18.3.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 10 (18.3.1883)
Date
1883-03-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 dafür verantwortlich gemacht werden? Welcher Beruf, welches Metier, welcher wie immer Namen habende Stand besitzt deren nicht in weitaus größerer Menge?? Von den Engeln heißt es: "אי ן מלאך אחר שושה שתי שליחות", von dem ״armen jüd. *״ח wird gar viel und vielerlei verlangt, jeder Concurs, insbesondere die von Transleithanien und Böhmen, belehren uns darüber des Näheren. Also: während der Cantor eine überbürdende Verquickung von Thätigkeiten, ein ganzes Conglomerat von Pflichten übernimmt, während jeder der unserigen, der von der Tragweite seiner Aufgäbe völlig durchdrungen ist, unaufhörlich bemüht ist, selbe strictifsime zu erfüllen, darf er es nimmer außer Acht lassen, daß die geringste Veränderung, die in seiner Gemeinde vor sich geht — so z. B. ein Deficit, ein Vorstandswechsel u. dgl. m. — für ihn ein Abzug an Honorar, wenn nicht gar ein Abzug ״mit Sack und Pack״ bedeutet. Ich spreche natürlich von ganz gewöhnlichen Thatsachen, denn die außergewöhnlichen, so wie deren traurigen Folgen, die bisweilen weit schlimmer ausfallen, kennt jeder College nur zu gut; sie wurden auch schon fachmännisch und an dieser Stelle zu wiederholten Malen beleuchtet. Liegt es in unserer Macht, dieser ״fragwürdigen Existenz", diesem jammernswerthen נע ונד־ Leben Einhalt zu thun? Ich glaube mit ״ja" zu beantworten. Ja, aber wodurch? Dadurch, wenn wir es verstünden, solidarisch zu sein, solidarisch zu handeln und ebenso zu denken. Jenes äolce far niente, wonach so mancher denkt: man müsse Alles der Zeit überlassen, ist ein herzlich schlechtes Palliativmittel; jenes träumerische Sichgehenlassen ist nicht mehr am Platze.? אם לא עכשיו אימתי ״Heute oder nimmer!״ Heute, solange uns ein Vercinsorgan zur Verfügung steht, bilden wir ein Eines und Ganzes, ist unser Dasein keine Scheinexistenz. Auf denn, Ihr Schläfer! 55mal pochte bereits die löbl. Redaction der Cantoren-Zeitung an Euerer Thüre, 55mal bewies sie es sonnenklar, daß wir der Belehrung, Ermahnung, Aufmunterung, Einigung und Erstarkung, wie sonst Keiner, bedürfen! Wer diese ״öffentliche Stimme" ignorirt, wer die unberechenbare Wohlthat des ihr zu verdankenden Cantoren- Vereines nicht voll zu würdigen weiß, der wird es einst mit sich und den Seinen gar kläglich zu verantworten haben, an dem ist überhaupt ״Malz und Hopfen verloren." Ist der Cantoren- Verein danach angethan, Euch und den Eueren ein erträgliches Dasein zu bereiten, so ist die Cantoren-Zeitung, wie keine andere, geeignet, Euch in allen nur erdenklichen F a ch a n g e l e g e n h e i t e n mit Rath und That beizuspringen. Je mehr Mitglieder dem Cantoren-Verein beitreten, desto sicherer und erfolgreicher seine Zukunft und Prosperität, je größer die Abonnentenzahl eines Journales sind, desto ersprießlicher sein Wirken und billiger ist es zu erreichen. ״אם א", אני לי מי לי?" Wenn wir unser eigenstes Eigenthum unterschätzen, wenn wir unsere vitalsten Interessen verkennen, wer soll an unsererstatt es besorgen? —- Noch ist es nicht zu spät, das Versäumte nachzuholen, noch stehen erleuchtete Männer an unserer Spitze, denen das Wohl und das Wehe unseres Gesammtstand es am Herzen liegt, noch winkt uns ein Hoffnungsschimmer von successive erwachender Solidarität; beeilen wir uns daher, das Schicksal zu corrigiren, die alternde Generation und unsere nächsten Angehörigen werden uns sicherlich ewig Dank wissen. I. Schwarz. Kanitz, 12. März 1883. Wie übersetzt man das Wort ״Charakter" hebräisch? (Eine Megilah-Betrachtung.) Bevor wir diese Frage für Hebraisten erörtern, fragen wir zunächst, was versteht man denn unter ״Charakter?" Nun dieses Wort ist dem philologischen Ursprünge nach bei allen Germanen, der ethischen Bedeutung nach beim antisemitischen Theile derselben — nicht zu Hause. Es bedeutet getreu der griechischen Abstammung die Ausprägung des Innern nach Außen, also Uebereinstimmung des Erscheinens mit dem Wesen Was das Wort״Charakter" bedeutet, drückt das hebräische״Schem" (שבן) aus. So heißt es (Kohel 71.) Ein guter Charakter (שם) ist besser als duftiges Oel; wie der Tag des Todes besser ist, als der Geburtstag. Im Leben hat der Dust nur Werth, über's Grab hinaus die wahre Innerlichkeit des Seins. Sinnig bemerkt hierzu unserer Auslegung nach der Midrasch Rabbah am angegebenen Orte: In dreifacher Weise bildet sich der Charakter, durch Vater und Mutter in der Erziehung, durch den Umgang mit ״Anderen" in der Gesellschaft, vorwiegend aber vermöge der Bedingungen der Menschennatur. — Höchst geistreich bemerkt Rabbi Schimschon Chinon im Buche Krituth (§. 164) bezüglich des Ueberbleibsels der Opsergaben (Nothar). Seiner Meinung nach sagt R. Jakob (Chulin 91) das diesbezügliche Verbot gehört n i ch t in die Kategorie derjenigen, welche durch ein f o l g e n d e s Gebot in so ferne gut gemacht werden könnten, als durch Erfüllung des letzteren die Bestrafung des er st er en fortsiele. (Law hemituk l’aseh); weil in dem gegebenen Falle das G ebot nicht die volle Aufhebung der Uebertretung zur Folge hat. Wer beispielsweise veruntreutes Gut wiedererstattet, hat die Unterschlagung ausgehoben. Wer aber Opferüberreste ן verbrennt, hat doch damit nicht die Thatsache aus der Welt geschafft, daß unerlaubter Weise etwas übrig geblieben. Demgemäß hat dieses Gesetz nicht den ihm von R. Jehuda beigelegten Charakter (lau min 11 äschern hu seh). 1). Der äußerliche Name ist leerer Schall, wenn ihm nicht der sittliche Charakter innewohnt, dieser bestimmt jenen, aber nicht umgekehrt; wie Raschi bezüglich Kaleb's im Abschnitte der Kundschafter (Num. 13,4) bemerkt, dessen kynischer Name doch im höchsten Maße mit dem Charakter desselben, der doch (Num- 14, 37) höheren gottbegnadeten Geistes ist, comrastirt. Bei dieser Gelegenheit sagt nämlich Raschi: ״Es gibt Menschen mit wohlklingendem Namen und übelriechendem Charakter und wiederum vollgewichtige Charaktere mit wenig verheißendem Namen." Damit aber ״Namen" und ״Charakter" sich decken, der echte ״Charakter" einen ״Namen", der echte ״Name" einen ״Charakter" bedinge, hatten in der heiligen Sprache beide Begriffe sich in dem einsilbigen Wörtchen ,,Lehern״ zur harmonischen Einheit verschlungen. *) Bergt. Moises Nascher, Oberrabiner in Baja. Eine exegetische Monographie von Dr. S. Naschör, Rabbiner in Berlin. — Berlin, 1879. (Hahn.)

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