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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-02-22 · Heft 7 (22.2.1883) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 7 (22.2.1883)
Date
1883-02-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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auf den Kanzeln, in den Schulen und in den Gemeinden. Männer auf den Kanzeln, die starker Ueberzeugung,mächtigen Wortes, scharfen Auges, offenen Herzens, unbeugsamen Muthes, unerschütterlichen Vertrauens auf den Sieg der Wahrheit, Männer in den Religionsschulen, welche einen gediegenen Religionsunterricht ertheilen, die uns treue Vertheidiger des Judenthums erziehen. Der Lehrer der Religion, der nicht durch das herzgewinnende, geistanregende und fesselnde Wort die Jugend gewinnen kann, gehört wahrlich nicht in die Religionsschule! Männer brauchen wir in den Gemeinden, die nicht feilschen und marken, nicht mit der Krämerekle messen unseren hohen und heiligen Beruf, die vor der Hoheit und Macht der Ideen jede Kleinlichkeit und Zag- Hastigkeit zurücktreten lassen". Wir wollen nicht die Vergangenheit verleugnen und mit ihr brechen, sondern das wahre Leben aus ihr ziehen und daran anknüpfen, die Gegenwart aber auch nicht verschmähen, sondern für sie Alles verarbeiten. Wer trägt denn eigentlich an den traurigen Zuständen der Gegenwart, an der Oede und Gemüthsleere, an dem Jndifferentismus, der wie eine Eisdecke über alles religiöse Leben gebreitet ist, die Schuld? Wahrlich nicht die, die mit hochgeschwungenem Gottesstab neue Lebensquöllen religiöser Labung dem Sinaifels entlocken, statt die Durstigen mit dem abgestandenen Wasser abzufertigen. Nicht die, welche die Schlacken vom Gold, die Schale vom Kern abzulösen und auszuscheiden bemüht sind und angeben, wie Lehre und Leben, Vernunft und Herz, Fortschritt und Religion in Einklang zu bringen sind. Nein! Jene erdrücken den Geist, welche krampfhaftes Festhalten an den längst erstorbenen Formen lehren,, denn dadurch lassen sie die gesunde Himmelssaat verkümmern und ersticken^ Ja, diese haben den Jndifferentismus im Judenthum geschaffen und groß gezogen. Der religiöse Jndifferentismus wendet sich von allem Religiösen verdrossen ab. Warum? Etwa aus Rohheit und Böswilligkeit? Gewiß nicht. Denn gewöhnlich ist der Indifferente in solchen Sphären zu Hause, wo Bildung, Geschmack und auch Sittlichkeit heimisch sind. Warum also gerade auf dem Gebiete der Religion? Weil das Judenthum mit der Zeitbildung nicht Schritt hielt. Wenn z. B. der gebildete Jsraelite der Gegenwart in das Gotteshaus kommt, sich zu erbauen und er hört stundenlange hebräische Gebete, von denen er kein Wort versteht, welche Anziehungskraft soll das Gotteshaus für ihn haben? Beim Himmel! Man thut dem armen Jndifferentismus schreiendes Unrecht, wenn man ihm so vieles in die Schuhe schiebt. Wenn man. Freunde haben will, so muß man anziehend und liebenswürdig sein. Ist man aber geschmacklos und langweilig, bietet man dem Geiste und dem Gemüthe nichts oder wenig, wie will man sich beklagen, wenn die Freundschaft erkältet, die Verehrung versiegt? ״Fern sei es von mir", sagt .Dr. Jellinek, ״den religiösen Jndifferentismus von Millionen meiner Zeitgenossen entschuldigen zu wollen. Allein, wie nach heißen, glühenden Sommertagen, welche die Aehren auf den Feldern und die Blumen in den Thälern austrocknen, heftige Stürme und Regenschauer eintreten, welche die Luft abkühlen und oft eine empfindliche Kälte verursachen, um so empfindlicher, als ihr eine übermäßige Wärme vorausgegangen war; so ist die Abkühlung der religiösen Atmosphären gleichsam eine Folge des früheren zünden den Reli gions eifers. Nicht wir, die wir an eine Wandlung der Zeiten glauben, 'den Fortschritt und' die religiöse Entwickelung predigen und eine neue Epoche in der Geschichte der Religionen Heranbrechen sehen, sind schuld daran, daß so viele Herzen für die Interessen des Glaubens erkaltet sind, sondern jene, die in ihrem Feuereifer Alles v erzehren und verbrennen möchten, was nicht unter ihrer blutgetränkten Fahne mitkämpfen will". Die Reform, indem sie den Gottesdienst zeitgemäß ästhetisch gestalten will, überhaupt jene Hindernisse, welche das Herkommen dem religiösen Leben bereitet, aus dem Wege zu räumen sucht, bekämpft den Jndifferentismus am erfolgreichsten. Und ganz gewiß . wären unsere Synagogen noch weit mehr entvölkert, wenn die Reform nicht bereits wenigstens etwas Terrain erorbert hätte, sie wäre es weit weniger, wenn sie sich kräftiger Hütte entwickeln können. Was wollte und will also die Reform? 1. Aeußere Ordnung und Ruhe beim Gottesdienste und deshalb Beseitigung alles dessen, was dieselbe stört und nothwendig stören muß. Wer da weiß, welchen Kampf es in manchen Gemeinden noch setzt kostet, Hamanklopfen am Purim, Hoschanatklopsen am Hoschanah-rabba, Bestreuen der Synagoge mit Heu oder Strohsacken rc. am 9. Ab und Jom-,Kippur, das Ausspucken im schönen Aleuu-Gebet, Herumlaufen in oft nicht sehr sauberen Strümpfen im Gotteshause, das unästhetische Schütteln, das ewige Herein- und Herauslaufen aus der Synagoge abzuschaffen, der wird auch wissen, daß die Forderung : äußere Ordnung und Ruhe beim Gottesdienste, eine berechtigte ist. Warum versammelt sich nicht Alles vor Beginn des Gottesdienstes, warum kommt Jeder, wenn's ihm beliebt und geht, weniFs ihm beliebt? Warum ist Sprechen und Unterhaltung während des Gottesdienstes in vielen Synagogen ganz in der Ordnung? Warum glaubt der Jsraelite, wenn nicht sein eigener Mund und seine eigene Zunge in starke Bewegung gesetzt ist, so habe er nicht gebetet? Diese verkehrte Auffassung vom Gebete hat uns die verächtliche Bezeichnung ״Judenschul" eingebracht. Denn die Meisten begnügen sich nicht damit, leise zu beten, sie thun es möglichst laut, sogar lassen sie dabei allerlei Schnörkel und Fetzen von Melodien hören, denn Jeder möchte gerne Chasan sein. In gar vielen Synagogen hört man allerlei Worte und Melodien durcheinander summen und klingen; wie berechtigt daher die Redensart: Es geht zu, wie in einer Judenschule. Dr. G. Fortsetzung folgt.) Autobiographie. II. Der Beresvarer Chasen Schmeie Hecht gab mir aber keine Ruhe und überredete mich zu ihm als M'schorer zu gehen. ״Was verlebst du dir bei dem Pollak (Dowidl), ich geb' dir einen Gulden die Woche, die Kost hast du bei mir und du wirst glücklich sein." Er gab mir auch sogleich einen silbernen Thaler und ..e Pfeiferöhrl". Als Schmeie nach zwei Jahren nach Leipnik berufen wurde, ging ich nach Wradisch zu meinen Eltern, woselbst ich sogleich als Chasen mit 50 fl. Schein jährlich und halber bch'ehita acceptirt wurde. Bei diesem ungeheuren Glücke konnte ich doch nicht ledig bleiben und mein Vater sagte: ״Niein Sohn den sch'mone osor Feh 11 pp oh, du mußt heirathen!" Ich folgte seinem Rathe

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