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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-02-22 · Heft 7 (22.2.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 7 (22.2.1883)
Date
1883-02-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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und wäre bald sammt meinem Weibe verhungert. Da ging ich auf Reisen und kam nach Aussee, wo ich als Cantor acceptirt wurde, doch durfte ich nicht schlachten, da ich .als Ungar hiezu keine Licenz erhielt. Dadurch wurde mein Einkommen bedeutend geschmälert und ich war gezwungen wieder nach Ungarn zurückzukehren. Um diese Zeit traten in allen 'Gemeinden Spaltungen ein. Die Fortschrittler wünschten Chor, die Orthodoxen polnischen Gesang. Zwar konnte ich beide Parteien befriedigen, jedoch wurde mir in jeder Gemeinde durch diese Spaltungen das Leben sauer gemacht und ruhelos wanderte ich von einer zur andern. In Patocha, Vesprim, Csegled, Werschetz, Groß- Szt.-Miklos, Schoßberg, Bisenz, Boskowitz, Holitsch, traf ich sehne z’dodim. Von Holitsch aus wurde ich, da man Schmeie gekündigt hatte, nach Leipnik berufen und mußte daselbst choralisch und polnisch vortragen. Nach zwei Jahren wurde ein neuer Vorstand gewählt. Derselbe ließ mich ״zu Kohl rufen" und sagte mir, er brauche keinen Chor und keine M'schorerim, ich solle allein beten. Dies verleidete mir das Dortbleiben und ich ging nach Preßburg, woselbst gerade der Posten frei geworden war. Preßburg war damals, es war im Jahre 1846, eine reiche nnd angesehene Gemeinde und ich war ganz glücklich endlich einmal Ruhe gefunden zu haben. Doch da kam im achtundvierziger Jahre unglücklicherweise die Plünderung, die angesehensten und reichsten Gemeindemitglieder zogen nach Wien, die Gemeinde verarmte und ich sollte Sehames werden. ״O nein", dachte ich mir, ״vom General zum Korporal, das gibt es nicht!" Und ich verließ Preßburg. (Schluß folgt.) KLeine KHronik. Wien. Der verstorbene Stadtrath und geh. Commercienrath M. Magnus aus Berlin stand bekanntlich in sehr befreundeter Beziehung zu Dr. Iellinek, ,dessen Einfluß auf die Gestaltung der Verhältnisse in der Berliner Gemeinde, in welcher der Verblichene 28 Jahre lang den Vorstandsvorsitz geführt hatte, dadurch von nicht zu unterschätzender Wirkung war. Nach Anhörung eines Versöhnungstag-Gottesdienstes indem Seitenstätten-Tempel zu Wien, im Jahre 1874, hatte der Verstorbene dem Dr. S. Nascher gegenüber, damals in Berlin, die Aeußerung gethan:!.Sulzerl ist fürwahr ein hoher Priester des Judenthums". Gleichwohl war das Cantorenverhältniß in Berlin ungleich weniger abhängig vom Wiener Einflüsse, als das des Rabbinates. Alle drei Rabbinats- Mitglieder in der Berliner Gemeinde sind Oesterreicher, welche sich in den Trauerfunctionen nach dem dahingeschiedenen Vorsteher getheilt hatten. Linz. (Orig.-Corresp.) Ueber die Neubesetzung der erledigten Rabbinerstelle in der oberösterreichischen Landes- Hauptstadt haben wir vor Kurzem eine Notiz gebracht, die wir heute einer gründlichen Modification zu unterziehen genöthigt sind. Wie wir nämlich nachträglich erfahren, hat sich die von Seiten der Linzer Gemeinde mit Herrn Dr. Groß aus Lundenburg gepflogene Unterhandlung in der zwölften Stunde wieder zerschlagen, u. zw., wie wir vernehmen, wegen solch geringsügiger, ja kleinlicher Ursachen, daß füglich angenommen werden darf, es habe von vorn herein zwischem diesem Freier und der eifrig Umworbenen jene wahrhaft innige Zuneigung kaum bestanden, ohne"deren Vorhandensein ein zartes Herzensbündniß zu schließen überhaupt nicht denkbar ist und gewiß werden beide Parteien zufrieden sein, daß diese nüch- Lerne Erkenntniß sich noch rechtzeitig geoffenbart hat. Nachhaltiger hingegen und darum auch erfolgreich war, wie wir hören, der Eindruck, den Herr Rabbiner Friedmann aus N. Rausnitz mit seiner Proberede und seinem einnehmenden Wesen in Linz erzielt hat, und diesem ist es auch gelungen, das etwas spröde Herz dieser jungen — Gemeinde dauernd an sich zu fesseln. — Nun, wir freuen uns, der Linzer Gemeinde die Versicherung geben zu können, daß sie ihr Herz an keinen Unwürdigen verschenkt hat, daß vielmehr ihre Wahl dies Mal in jeder Hinsicht eine recht glückliche genannt zu werden verdient. Dr. M. Friedmann, der auch in Wien (Margarethen) eine Reihe von Jahren als Rabbiner thätig war, genießt hier allgemein den Ruf eines vielseitig gebildeten Mannes und eines offenen, biederen Charakters. Letztere Eigenschaft — bekanntlich nicht jedermanns Tugend — wird in erster Reihe unserem Collegen Herrn Sparger zugute kommen und wir beglückwünschen ihn zu diesem wackeren Amtsgenossen. Wien. Die Pollack'sche Clavierschule gab in der vorigen Woche mit bestem Erfolge eine Schülerproduction. — Im Institute Thilo fand in voriger Woche eine vom Musikdirector Un g er geleitete musikalische Akademie der Schülerinnen des Institutes statt. Eingeleitet wurde die Production durch einen sinnigen poetischen Prolog von Frl. Friederike Thilo und abgeschlossen mit einer anregenden Ansprache der Institutsvorsteherin Amalie Thilo. Der Beifall war gut und verdient. In dem letzten Tagen hielt unser bewährter Mitarbeiter Herr Prof. Dr. Nascher im großen Saale des n.-ö. Gewerbevereines, in welchem er das Thema: ״Ein öfterreichisches Dreigestirn in der deutschen Literatur" (Grillparzer, Lenau,׳ Grün) in wahrhaft meisterhafter und erschöpfender Weise behandelte. Das zahlreich anwesende distinguirte Publicum spendete dem Vortragenden wohlverdienten Beifall. Cottbus, 18. Februar (Orig.-Corresp.). Aus zuverlässiger Quelle geht mir soeben die Nachricht zu, daß der Cantor in Züllichau es vorgezogen hat, seine Stelle, die ihm während seines kurzen Wirkens in der dortigen Gemeinde soviel unsäglichen Kummer und Verdruß bereitete, wieder aufzugeben. Derselbe ist bereits nach Lüben in Schlesien übersiedelt. In der Aula des hiesigen Gymnasiums hielt vorgestern Herr Dr. Thiem einen sehr interessanten und geistreichen Vortrag über: Klangunterschiede, Sprech- und Singstimme, Fehler beim Gesangsvortrage, Stimme der Thiere u. s. w. Montag den 19. d. M. Abends wird derselbe, geniale Redner ebendaselbst über Stimme und Stimmorgane sprechen- Einen ausführlichen Bericht über diese beiden herrlichen Vorträge, die für uns Vorsänger von besonderer Wichtigkeit sind, übersende ich nächstens. Bei dem am 11. d. M. in Luckau gefeierten Jahressest des Missionsvereines hielt der bekannte Antisemitenführer, Hofprediger Stöcker, die Festrede. Zum Schluß , hielt derselbe auch in einer öffentlichen Versammlung daselbst eine Ansprache. Es ist jedenfalls bemerkenswerth, daß Herr Stöcker sich wieder

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