Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 6 (14.2.1883)
- Date
- 1883-02-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 6 — Edlen, dessen Angedenken schon darum ein bleibendes sein wird/ als sein Wirken und Streben in innigem Zusammenhange mit der Entwickelung unserer Gemeinde steht. Hier in unserem Fachblatte gebührt dem Hingeschiedenen ganz besonders ein ehrendes Denkmal, da er 14 Jahre hindurch mit einer musterhaften Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit das Amt eines Scheliacli Zibbur in unserer Gemeinde verwaltet hat. Nicht imposante Stimmmittel, auch nicht künstlcrische Fertigkeit verliehen ihm den echten Prägel eines ״Vorbeters von Gottes Gnaden", sondern vielmehr die ganze Würde seines Wesens, seine ungeheuchelte Frömmigkeit, seine reinen Sitten weckten unwillkürlich bei jedem Beter in der Synagoge das Bewußtsein: Vor dem Allerheiligsten steht der Besten und Edelsten Einer! — Herr S. widmete sich später und mit gutem Erfolge dem Kaufmannsstande, aber auch da noch trat er bereitwilligst ein, sobald die Synagoge seiner Kraft bedurfte, seine Frömmigkeit, sein Interesse für die jüdische Sache blieben dieselben und eine besonders warme Theilnahme legte er jederzeit für die Genossen seines früheren Berufes an den Tag. Elf Jahre war Herr S. Mitglied unserer Cultuscom- Mission/ fast ebenso lange Cassenvorsteher unseres Armenwesens und diese Ehrenämter konnten wahrlich in keiner besseren Hand liegen. Allgemein war darum sowohl die Trauer als auch die Liebe und Hochachtung, welche sich bei der Bestattung des Verblichenen kund gaben. Möge sein Geist unter uns fortleben, möge es uns nie an Männern fehlen, deren ganzes j Leben gleich dem des Verstorbenen ein Kid du 8 611 Hasch ein genannt zu werden verdient — das Andenken des Gerechten bleibe ein Segen! — Auch unsere Nachbargemeinde Gothenbürg erlitt in den ersten Tagen des neuen Jahres einen empfindlichen Verlust. Am 3. Januar verschied nämlich der Rector der dortigen jüdischen Gcmeindeschule, Herr Br. phil. C h. Brody, in einem Alter von 47 Jahren. Die ״Gothenburger Handelszeitung" widmete dem Verblichenen folgenden Nachruf: . ■ ־־ ״Herr Dr. Brody, gebürtig in Deutschland, erlangte dort auf Grund einer philosophischen Abhandlung mit Auszcichnung die Doctorwürde und hat während eines Zeitraumes von sieben Jahren, die er hier zugebracht, mit Tüchtigkeit und Eifer sein Rectoramt und alle übrigen ihm anvertrauten Unterrichtsämter verwaltet und erwarb sich durch seine Gelehrsamkeit, Anspruchslosigkeit und Humanität die Hochachtung Aller, die mit ihm in Berührung kamen. Mit unserer Sprache vertraut, hat er auch mit Interesse ihre Literatur studirt und kurz vor seinem Tode durch eine deutsche Buchhandlung eine Sammlung gelungener deutscher Ueberfetzungen von schwedischen Gedichten unter dem Titel: ״Einige Gedichte aus dem Schwedischen frei übersetzt von Decebe" herausgegeben. Dr. B., der unverheiratet geblieben, wird zunächst von seinen Geschwistern betrauert; ein Bruder des Verstorbenen ist hervorragender Componist (officier de l’Academie) in Paris." Unter zahlreicher Betheiligung seitens der Gemeinde und der Schulen fand die Beerdigung statt, die herrlichsten Kränze bedeckten den Sarg und mehr als 20 Equipagen folgten dem Leichenzuge. Auf dem Friedhofe angelangt, trug Herr Obercantor Ba er in ergreifender Weise das . Joschew ־ beseser und mit gewohnter Beredsamkeit schilderte Herr Rabbiner Dr. Wolfs das Leben und Wirken des . im besten Mannesalter Heimgegangenen. rvranz Liszt und die Antisemiten. Seit einiger Zeit wurde mit einer gewissen Absichtlichkeit von den Antisemiten das Gerücht verbreitet, daß auch Abbe Liszt zu den. . Angehörigen des Antisemitismus gehöre.. Sie beriefen sich auf das bekannte Werk des Meisters Bohemiens en Hongrie. Zur Widerlegung dieser Gerüchte richtete Franz Liszt an den Redacteur der ״Gazette de HoEgrie״ folgendes Schreiben: Herr Redacteur! Mit einem gewissen Gefühle des Bedauerns richte ich an Sie diese Zeilen, aber nachdem seit einer gewissen Zeit meine angebliche Judenfeindschaft colportirt wird, ist es meine Pflicht, diese Nachricht als irrig und grundlos hinzustellen. Es ist bekannt, daß ich mit vielen vortrefflichen Israeliten der Musikwelt, in erster Linie mit Meyer beer, in freundschaftlichen Beziehungen stand; ebenso wie ich in der literatischen. Welt bei Heine und anderen gleich freundschaftliche Gefühle fand. Ich halte es für überflüssig weiter auszusühren, in welcher Weise ich während meiner fünfzigjährigen Laufbahn meine eifrige Loyalität talentirten Israeliten gegenüber an den Tag legte; ich enthalte mich auch gleichzeitig der Erwähnung dessen, das Gedeihen isr. Wohlthätigkeitanstalten durch meine freiwillige Mitwirkung gefördert zu haben. Das Motto meines Schutzpatrons, des heiligen Franz de Paula, heißt ״Charitas!" Ich bin bis zu meinem Tode ein Anhänger dieses Mottos. Es gibt Personen, welche aus meinem Werke ״Bohemiens en Horigrie“ einen Satz herausgerissen und gegen mich auftreten. Mit ruhigem Gewissen kann ich meinen Angreifern versichern, daß ich mir nur insoferne eines Fehlers bewußt bin, indem ich nur vorübergehend' das ״Königreich Jerusalem" .berührte, welcher Gedanke bedeutend früher von drei ausgezeichneten Israeliten : Lord Beaconsfield, Georges Elliot und Cremieux. ventilirt würd.e. Empfangen Sie rc. Franz Liszt. Rttudrntz. Die israel. Cultusgemeinde sandte an Herrn Rabbiner Dr. Bloch eine kunstvoll ausgestattete Adresse mit folgendem Wortlaut: ״Wenn das Volk in glücklichen Tagen dahinlebt,׳ dann ist sich jeder der Klügste wie der Beste; zerrüttet die Noth die gewöhnlichen Wege des Lebens, reißt das Gebäude nieder. Ach, da sieht man sich um, wer wohl der verständige Mann sei und redet nicht mehr die herrlichen Worte vergebens." Diese Worte unseres Altmeisters Goethe können wir aus - vollster Ueberzeugung auf Ew. Ehrwürden anwenden. Die lichtvolle Zeit der Aufklärung, der Glaubensfreiheit und der Gleichberechtigung aller Culte, sie wird durch Finsterlinge zu verdunkeln gesucht, welche die Herbeiführung mittelalterlicher Zustände, Glaubenshaß und Racenkampf aus ihre Fahne schreiben. Gegen dieses wüthende Beginnen sind Ew: Ehrwürden als mannhafter Kämpfer, gerüstet mit der Uebermacht Ihres Wissens, Ihrer Geistesschärfe, Ihrer überzeugenden Redegewandtheit in die Schranken getreten und zur Ehre des Judenthums, zum Ruhme der Wissenschaft von der gebildeten Welt als Sieger anerkannt worden! Die Judenschaft nennt Ew. Ehrwürden mit Stolz ihren Vorkämpfer, den Vertheidiger der Reinheit und Wahrheit unserer Religion gegenüber jenen von Bosheit und Ignoranz