Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 6 (14.2.1883)
- Date
- 1883-02-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Bei Ihrer notorischen Unwissenheit kennen Sie sicherlich nicht alle Päsisie und Bischöfe, Könige und Fürsten, Gelehrten und Theologen des Christenthums, welche diese infame Beschuldigung gründlich abweisen. Allein davon haben Sie erfahren, daß die theologischen Fa ultäten zu Amsterdam, Utrecht, Kopenhagen und Leyden, daß die eigentlichen Fachmänner auf dem Gebiete der hebräischen Alterthümer, die christlichen Professoren Delitzsch in Leipzig, Theodor N öldecke in Straßbürg, Merx in Heidelberg, Siegfried in Jena, Bernhard Stad e in Gießen, jene Beschuldigung als ״Erfindung der Bosheit, welche von der Dummheit geglaubt wird", der gelehrte Kirchenfürst Bischof Dr. Kopp als ״entschiedene freventliche Unwahrheit, die weder durch die jüdische Religion noch durch die Geschichte zu begründen ist', öffentlich gebrandmarkt haben! ־ Wie widerlegen Sie alle diese Aussagen und Erklärungen? Durch Ihre Talmud-Gelehrsamkeit? Durch Geschichtskenntniß? Durch Ihren Scharfsinn? Nein — mit Ihrem Amtseid! Ihr Amtseid hat Riesenkraft; Vernunft, Logik, Gelehrsamkeit, kirchliche Autorität verschwinden vor ihm wie nichts! Ihr Amtseid ist ein hoher Schatz, Herr Rohling, schützen Sie ihn vor Erkältung; es könnte ihm sonst Menschliches passiren. Auch ich habe den Eid der Treue geleistet Sr. Majestät Franz Josef I., dem Gerechten, den ich mit allen Israeliten des österreichischen Kaiserstaates aus innigster, tiefster Seele, als unseren Vater, unseren einzigen Schutz und Hort in trüben Zeiten, segne und preise — auch ich besitze einen Amtseid; allein behüte, mich Gott davor, ihn zu prvfaniren! Herr Rohling! Der berühmte evangelische Theologe, Professor der hebräischen Literatur, Dr. A. Merx, hat Sie ״einen böswilligen Verleumder" genannt, ״dem gegenüber die Strafgesetze in Anwendung zu bringen sind". Warum schmiegen und schweigen Sie dazu? Ich erinnere Sie an Ihr Schmähwort gegen Lukherl Spiegeln Sie sich darin, allein nie wieder wagen Sie es, hier in der Residenz mit Ihrer unwahren Gelehrsamkeit zu flunkern. Wien, Floridsdorf, am- 18. December 1882. Gingesendet. Löbliche Redaction! ־ In Folge der mir von Herrn Cantor Stern in seinem Artikel ״I. Musikbeilage" zugeschriebenen Ansicht, ich sei ein Gegner neuen Schaffens auf dem Gebiete der Synagogalmusik,*) sehe ich mich veranlaßt, um Aufnahme dieser Zeilen in Ihr gesch. Blatt ergebenst änzusuchen. Ich erkläre hiermit — und viele der Herren Componisten neueren Datums werden es mir bezeugen können — daß ich vielleicht mit eben so viel Freudens- und Anerkennungsäußerungen wie Herr Stern selbst jedes neue derartige Schaffen begrüße. Dasjenige Neue aber, das in Wirklichkeit ein Zusammenfügen von musikalischen Sätzen oder Wendungen aus alten oder bereits bekannten Compvsitionen ist, Neues, das nicht nur keine Verbesserung ist, sondern kaum die Güte des Alten erreicht, kann *) Dadurch, daß Ihr diesbezüglicher Artikel kurz nach Kem Erscheinen eines der besten Werke der neueren Synagogenmusik veröffentlicht wurde, konnte Herr College L. Stern sehr leicht zu dem Glauben verleitet werden, daß Sie überhaupt ein Gegner jeder Neuerung auf diefein Gebiete seien. Die Red. ich nicht gutheißen und Solches nur sehe ich als Ueberfüllung des Musikmarktes und Ueberbürdung der Herren Collegen an. Hochachtungsvoll I. T e n n e n b a u m. Carlsbad, 7. Februar 1883. College«! Für die Zweigniederlassung in Böhmen werden von wackeren Männern folgende Herren zur Wahl vorgeschlagen und hoffentlich werdet Ihr diesen Vorschlag jedem anderen vorziehen: 1. Obmann: I. Körner. 2. Stellvertreter: S. Moor. 3. Schriftführer: I. Stransky. 4. Cassier: A. Brod. 5. Für's Land: I. Holz e r. G.-Jenikau. 6. ״ I. Frankel, Strakonitz. 7. ״ A. Frei sing er, Pilsen. 8. ״ I, Weiß, Brandeis a. d. Elbe. Mehrere Cantoren vom Lande Böhmen. Kleine Kpronik. Groß Beeskerek. (Orig.-Corr.) Ein verkommenes Individuum, das sich Weinberg er aus Al sö-Kubin nennt, und angehender Rabbiner und Dvctor der Philosophie zu sein vorgibt, treibt sich in den ungarischen Gemeinden herum, um, wie er sagt. Stoff für sein Werk ..über die israel. Geme in den in Ungarn" zu sammeln. In Wahrheit aber ist der Mann ein ganz gemeiner Landstreicher, der, nachdem er die Gemeinde durchgeschnorrt, über dieselbe und ihre Beamten jeder Categorie sich in der niederträchtigsten Weise ausläßt Die geehrten Herren Collegen, sowie die Herren Rabbinen und Lehrer seien hiemit vor dem genannten Individuum eindringlichst gewarnt. II. L. Andrichlttr, 7. Februar 1883. (Orig.-Corr.) Unter sehr reger Betheiligung der hiesigen Einwohnerschaft fand heute das Leichenbegängniß der Frau Peppi Bi uz er geborene Unger auf dem hiesigen israelitischen Gottesacker statt. — Die Verewigte, einer im Judenthum hochgeachteten Familie (Unger) entstammend, war mit außerordentlichen Gaben des Herzens und der Seele geschmückt und nur diesem Umstande wie nicht minder der in ihrem Elterllhause empfangenen, für die damaligen Verhältnisse ganz ungewöhnlich bedeutenden Bildung ist es zuzuschreiben, daß sie sich einer rühmenswerthen Zuneigung aller Menschen erfreute, die sie näher kannten. — Das Verhältniß zu ihrem einzigen Kinde, der Frau Obercantor Singer in Wien, als auch zu ihrem Schwiegersohn war ein überaus zärtliches und ihre Opferfreudigkeit für dieselbe wie für die bedürftige Umgebung eine unbegrenzte. — Leider war Herr Obercantor S i n g e r durch Unwohlsein verhindert, seiner Schwiegermutter das letzte Ehrengeleite zu geben. — Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Glaser aus Biala tief empfundene, begeisternde Worte über die geistige Eigenschaft und Herzensreinheit der Verewigten. — Sanft ruhe ihre Asche. M. Stockholm. (Orig.-Corr.) Einen Ehrenmann in des Wortes vollkommenster Bedeutung haben wir heute zu Grabe geleitet und unsere ganze Gemeinde trauerte um den Heimgegangenen. Herr Levy Salomon war der Name dieses