Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 6 (14.2.1883)
- Date
- 1883-02-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 losigkeit. Aber ich frage Sie: Quis tulerit Gracchos de seditione querentes? Sie predigen uns Toleranz? Ist das nicht ein Hohn? Den ״Schurren" hat er nicht erreicht. Im Vergleiche zu Ihnen ist Graetz ein schüchternes, zaghaftes Kind. Der ״Schurke" gehört Ihnen ganz allein, ist Ihr eigenstes Eigenthum. Für diesen zarten Ausdruck citirten Sie als Gewährsmann den edlen Gelehrten und Priester v. Döllinger. Ich, der ich zwei Jahre zu Füßen Döllinger's saß, seinen geistsprühenden Vorträgen lauschend, weiß, mit welcher Anerkennung dieser große Kenner der deutschen Religionsgeschichte von den Reformatoren sprach. Sie rechneten indeß auf die Unwissenheit des amerikanischen Publicums. Ein gleiches Verfahren schlagen Sie jetzt in Bezug auf den Talmud ein, Sie citiren dem großem Publicum nicht leicht zugängliche Zeugnisse. Sie citiren einen Satz im Namen des ״Rabbi Bloch in Posen" — einen Satz, den nicht der Angeschuldigte, sondern ich selber einmal geschrieben, und zwar nicht in irgend einem Buche, nicht in irgend einer Polemik — ich habe nie gegen das Christenthum polemisirt — sondern in einem ״Referat" über eine christliche Schrift. Allein als Professor sollten Sie gewußt haben, daß dieser Satz bei Renan, ״Die Apostel״ S. 373 sich findet: ״Wenn etwas den Begründern der Kirche gänzlich abgeht, so ist es Patriotismus." ״Sie besitzen keine Anhänglichkeit an Judäa; nach Verlauf weniger Jahre haben sie Galiläa vergessen;" ..der Ruhm Griechenlands und Roms ist ihnen gleichgiltig." Alsa Sie, deren einzige wissenschaftliche Beschäftigung darin gipfelt, allen alten Kehricht Zusammenzuscharren und einen Brei davon herzurichten, verargen es einer jüdischen Zeitschrift, wenn sie ihren Lesern gelehrte Ansichten der Christen vorführt! Was Sie aber als eine ״politische ׳Revolte gegen Rom zur Herstellung eines weltlichen Judenreiches" geschichtstreu bezeichnen, hatte Macaulay im englischen Oberhaus 1833 glorreich gepriesen. Er sprach damals: ״Welche Nation hat je mit mehr männlicher Kraft gegen eine ungeheure Ueberlegenheit für die Sache bürgerlicher und religiöser Freiheit angekämpft? Welch' andere hat in ihren Todeskämpfen so ausgezeichnete Proben von dem abgelegt, was eine tapfere Verzweiflung vermag? (Langanhaltender Beifall.) Möge sich Niemand vermessen, den Stammcsgenossen des Jesaias Geist, den Abkömmlingen der Makkabäer Muth abzusprechen." Gegen den verstorbenen Geiger erheben Sie den Vorwurf, weil er in seinen Vorlesungen behauptete, das Christenthum, welches den heidnischen Völkern das Heil gegeben, habe dem Judenthum nichts Neues gebracht, und Sie wissen nicht, daß Renan (״Die Apostel", S. 165 ff.) dasselbe und noch viel schärfer sagt: ״Es ist eine schwere Ungerechtigkeit, das Christenthum dem Judenthum gegenüberzustellen, weil Alles, was im ursprünglichen Christenthum vorhanden war, am Ende aus dem Judenthum gekommen ist/' ״Der Ruhm des jüdischen Volkes ist es, diese Grundsätze glänzend verkündet zu haben." ״Das jüdische Gesetz steigt bis zu den letzten Einzelheiten der sittlichen Erziehung herab. Das Christenthum ist nur die Entwicklung desselben Gedankens." Repräsentirt Ernest Renan auch den Geist des Talmudismus? Herr Rohling, Sie haben ein eigenes Mißgeschick mit Ihren Entdeckungen. In Ihrem ״Talmud-Juden" S. 56 haben Sie eine Predigt des französischen Rabbiners August Fabius vom 5. September 1842 (gedruckt in Lyon) ״Offrande au Dieude l'univers“ betitelt, welche in Lästerung des Christenthums und der Person Christi, das Aeußerste leisten soll, entdeckt, über welchen ״Rasenden" der gutmüthige. vertrauensselige Professor Delitzsch wegen Ihrer Mittheilungen recht böse war! Nun aber hat bei dem Preßprocesse Sebastian Brunner eontra Ignaz Kuranda am 10. . Mai 1860 vor dem Landesgeeichte in Wien zu Händen des Gerichtes der damalige Vertheidiger Dr. Bergcr eine amtliche Mittheilüng aus Lyon erlegt, daß dort ein Rabbiner oder Ober-Rabbiner Fabius nicht existirte und auch in ganz. Frankreich nie eristirt habe. Resumiren wir das Ganze, so erlangen wir folgendes, für einen k. k. Professor besonders interessantes Ergebniß: 1. Sie besitzen nicht die moralische, noch die wissenschaftliche Eignung, den Talmud zu begutachten; Sie sind kein Gelehrter, sondern ein Abschreiber, dessen einzige sogenannte wissenschaftliche Leistung ein Plagiat bildet; Sie besitzen nicht die wissenschaftliche Vortenntniß, auch nur eine einzige Seite des Talmudtextes zu lesen; Sie haben selbst den deutsch geschriebenen Eisenmenger nicht sinngemäß erfaßt, und darum verunstaltet; Sie sind in der gelehrten katholischen und protestantischen Literatur nicht bewandert; Stellen der heiligen Schrift alten und neuen Bundes haben Sie übersehen; Sie wissen nicht zu unterscheiden, was aus der Bibel, > was aus dem Talmud herrührt. Dennoch haben Sie amtseidlich sich über den Talmud geäußert. 2. Nach den Zeugnissen berühmter wissenschaftlicher Autoritäten des katholischen und protestantischen Christenthums ist der Talmud nicht christenfeindlich; nur an wenigen Stellen polemisirt er gegen christliche Dogmen, aber er hält die Christen für Gottesgläubige und nicht für Götzendiener; es ist eine Unwahrheit, daß der Talmud die Nichtjuden Hunde, Esel, Schweine, Viehsame nennt; es ist eine Unwahrheit, daß der i Talmud dem Juden erlaubt, die Christen zu betrügen und zu hintergehen, oder gar falsche Eide zu leisten! Demnach haben Sie, Herr Professor, Wahrheitswidriges amtseidlich ausgesagt. 3. Des Ferneren ist unwahr, was Sie von dem Christenhasse jüdischer Theologen gefabelt, welche, von christlichen Lehrern vorgebildet, in der׳ christlichen Literatur mehr bewandert sind, als Sie, Herr Professor Rohling. Sie citiren französische Rabbinen, welche angeblich das Christenthum beschimpft haben sollen, und Rabbinen solchen Namens hat es überhaupt nicht gegeben. Sie haben selbst den klangvollen Namen des berühmten katholischen Gelehrten v. D ö l l i ng e r zu unwürdigen Schmähungen gegen Luther mißbraucht. Dessenungeachtet ist dies Alles nicht das Schlimmste. Sie haben dem Lesepublicum noch eine größere Ueberraschung vorbereitet: Ihre Selbstzüchtigung!! Die Selbstzüchtigrmg des k. k. Professors Rohling! Sie wollen, sagen Sie, ״auf Verlangen" die schauerliche Sache von den rituellen Morden der Juden amtseidlich er- Härten. Mehr als irgend ein Gerichtshof der Welt es ver- > möchte, und schärfer haben Sie selber dadurch Ihre amtseidlichen Aussagen über den Talmud' gerichtet. Herr Rohling, Ihr Amtseid ist ein wunderbares Genie, was sonst noch würde er ״auf Verlangen" erhärten und vollbringen!