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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-02-14 · Heft 6 (14.2.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 6 (14.2.1883)
Date
1883-02-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Damit soll freilich nicht gesagt werden, daß ein solches Verfahren allgemein wäre, wovor uns Gott bewahren möge, aber Beispiele dafür wird wohl Jeder aus seiner eigenen Erfahrung ansühren können. Daher muß es die Aufgabe der Einsichtigen sein, dieser Verwirrung, diesem Unwesen nach Kräften entgegen zu arbeiten. Es muß die Masse zur Erkenntniß gebracht werden, daß der eigentliche Werth des Gebetes darin bestehe, daß cs zum menschlichen Bewußtsein dringen, höhere Gedanken, Gefühle und Gesinnungen in ihm erwecken soll. Pflug und Saat zugleich soll das Gebet sein, es soll die menschliche Seele empfänglich machen für die Saat der Religion und geistige Samenkörner in sie streuen, höhere Empfindungen, edle Gefinnungen und gute Vorsätze wecken. Ein Gebet aber, das gar nicht oder nur fragmentarisch verstanden wird, kann niemals eine ethische Wirkung ausüben. (Fortsetzung folgt.) ÄutobiographiL *) Erinnerungen aus der guten alten Zeit von Elkan Kohn in Arad. 1•; Ich bin im Jahre '1806 in Wradist bei Holitsch in Ungarn geboren. Mein seliger Vater, Lipmann Baß genannt, war aus Nackel (Herzogthum Posen), Sohn des .רא־ט הדיל ד L!ר. ׳ ״.״*.־, גה, Er wurde in seinem 12. Jahre von einem Chasen gestohlen, welcher ihn nach Ungarn brachte. Hier blieb mein Vater, bis er im 94. Lebensjahre starb. Als ich das neunte Jahr erreicht hatte, wurde ich zu dem berühmten Kol Chasen Jsroel Proßtiz geschickt. Mit diesem reiste ich in den bedeutendsten Gemeinden Mährens, Böhmens, Galiziens und Preußens herum. Zur weiteren Ausbildung kam ich dann zu dessen Schwager M e i r S u s ch n y, Chasen in Groß-Meseritsch, Vater des zweiten Cantors in Pest. Dort lernte ich Violinspielen. Von Meseritsch ging ich nach Schoßberg, um in der Musik Fortschritte zu machen. Mein Lehrer war der Capellmeister Abraham Hirsch Geiger. Als ich zwei Jahre in Schoßberg war, hörte ich, daß in Altosen ein bedeutender Chasen, D o w i d l B r o d aeceptirt worden sei, von dessen Stimme und Vortrag man wahre Wunder erzählte. Sogleich reiste ich nach .Pest, um die Chedoschim zu hören. Freitag Abends hörte ich den Chasen undwirklich übertraf sein Gesang alle meine Erwartungen; den Eindruck, welchen sein Gesang auf mich machte, werde ich nie vergessen. Meine Bewunderung für ihn war eine so große, daß ich beschloß, Alles daran zu setzen, um nur bei ihm als AI686I10r6r bleiben zu können. Sonntags ging ich zu dem guten Dowidl Brod ז"ל und bat ihn, er möge meine Stimme anhören, und wenn sie ihm gefalle, solle er mich zu sich nehmen. ״Wenn Ihr singen könnt, so singt!" Mit Angst und Schrecken fing ich an. ״Was schreckt Ihr? Ich weiß Ihr send a Drong, aber beim Singen darf man nischt schrecken. Ihr wert/ bei mir bleiben, ich will Euch Kosttäg' verschaffen, Gehalt geb' ich keinen; aber auf 0lm886n68 und 8uä68 werd' Ihr einen *) Diese Biographie, in welcher d r Berfasser, der berühmte C h o n e l e Chasen, Vater unseres hochverehrten Collegen David Kohn in Arad, seiner Beziehungen zu den bedeutendsten Chasonom der älteren Zeit Erwähnung thut, wird gewiß für unsere Leser von großem Jnreresse sein und wir haben die Originalität derselben so viel möglich zu schonen gesucht. Die Red. Teller aufstellen, das gehört mit dem Fistelsinger zusammen. Chanuke und Purim gait Ets in die Häuser mit dem Baß, jeder kriegt e Chelek; Erew Jom Kipper stehen die Meschoreim in Schul, wert/ Ihr oichet Geld verdienen." — Wer war glücklicher als ich? Mit Allem war ich zufrieden, wenn ich nur bei Dowidl Brod sein konnte. So blieb ich denn zwei Jahre bei ihm und lernte Polnisch singen. Zu damaliger Zeit ist Asriel D ö n h o f Pester Chorchasen geworden. Als ihn sein Lehrer Herr Professor Sulzer besuchte, veranstaltete er ein Festmahl, zu welchem auch Dowidl Brod, Wahrmann und mehrere Andere geladen waren. Auf die Aufforderung der Gäste sang zuerst der Balbos. Dönhof und dann Wahrmann. Hierauf sagte Professor Sulzer zu Dowidl: ״Reb Dowid, Herr Strelitzka, singen Sie auch etwas!" — ״Ich sing' meschum Ofen nischt", antworte Dowidl. — ״Warum?" — ״Ech bin nischt gelaunt und hob keine Meschorerim bei mech." Ohne Wissen Dowidls schickte man sogleich um die Meschorerim und als diese gekommen waren, ließ er sich herbei zu fingen. Nach dem ersten Stücke fiel ihm Sulzer um den Hals und küßte ihn ab. — ״Nu, jagte nachher Dowidl, ״Herr Profefforleben singen Sie auch Etwas!"Dulzer sang ״Die Allmacht" von Schubert. Als er das Lied beendet hatte, TvolMThm Dowidl die Hände küssen, was Sulzer jedoch nicht zuließ. Dann sagte Strelitzka zu seinen Meschorerim t ״Habt Ihr gehört a Stimm mit a Gesang, äsoi muß man take singen, mir sennen nebbich Alle Drougatsches und wissen nischt, was singen heißt." (Forts, folgt.) Professor Rohling und das Wiener Rabbinat oder: ״Die arge Schelmerei". Nom Bezirks-Rabbiner Dr. I. Z. Stoch. Wien—Floridsdorf. V. (״Abd r ucf aus der ״W iener Allgemeinen Zeitun g" vom 22. December 1882.) Die ftebente arge Schelmerei. Der Talmud ist nicht ein Religionsgesetzbuch, sondern eine Quelle der Religionsgeschichte. Sie finden es auffällig, ״daß die Rabbiner aller Länder, wenn wir (im Interesse des Christenschutzes, nicht zum Zwecke von Judenhetzen) auf die verwerflichen Lehren des Talmudismus hinzeigen, sofort bei der Hand, diese entweder ganz zu leugnen oder durch specielle Jnterpretationskünste umzudeuten." Sie begreifen nicht, daß das, was Ihnen in so bedauerlichem Grade mangelt, nämlich das wissenschaftliche Gewissen, bei anders gearteten Menschen in lebendiger Bethütigung wirkt. Den civilisirten Menschen empört' es, wenn er Literatur-Denkmäler ältester Zeiten mit Koth bewerfen sieht. Wir treten für den Talmud ein gegen Ihre verlogenen Angriffe, wie Johann Reuchliu gegen Ihren geistesverwandten Pfefferkorn sich gestellt hat, weil der Talmud, dieses ״von Christi nächsten Verwandten geschriebene Buch", nicht dazu da ist, ״daß Jedermann mit ungewaschenen Füßen darüber lauff." Sie wenden sich gegen Herrn Professor Graetz, welcher die Geschichte der Judenverfolgungen mit Herzenswärme geschrieben hat, und klagen über seine Maß-

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