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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-02-06 · Heft 5 (6.2.1883) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 5 (6.2.1883)
Date
1883-02-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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was die betreffenden Schriftsteller. sagen wollen. Wie bodenlos leichtfertig Sie -die gefährlichsten und ehrenrührigsten An״- schuldigungen erheben, ohne den mindesten substantiirten Grund, davon hier ein weiteres Beispiel. Sie schreiben: ״Ob nun die Herren Jellinek und Güdemann ihre wahrheitswidrigen Behauptungen aufrechterhalteu können, möge das Publicum entscheiden. Jedenfalls ist es Thatsache, daß der Talmudjude von religiouswegen befugt, ja, wenn er kann, verpflichtet ist, den Nichtjuden durch Lüge und Betrug physisch und moralisch zu vernichten, ihn öffentlich und gewaltthätig wie heimlich und meuchlings zu tödten; es ist rabbinischer Grundsatz: gufo muthar kol tcliechem mamona, das heißt das Leben (des Nichtjnden) ist in deiner Hand (o Jude), wie vielmehr sein Eigenthüm. (6k. Rabbi Jos. Albo. ״Fundament des Glaubens", dritter Theil, Cap. 25.") Herr Rohling, hier haben Sie wiederum einmal schmählich erschreckend die Unwahrheit gesagt! Sie haben den Albo nicht gelesen und sind dazu bei Ihrer oben gckennzeichneten Ignoranz nicht fähig : Sie sind aber auch zu indolent eine 'ordentliche Uebersetzung vorzunehmen und durchzustudiren. Das Alles hält Sie indessen nicht ab, mit Gelehrsamkeit zu flunkern und die ehrenrührigsten Schmähungen in die Welt hinauszurufen! Ich habe den Albo. dritten Theil. Capitel 25. Norgenommen und ich finde nicht, was Sie in seinem Namen erzählen; was ich indeß gefunden, berechtigt mich, Ihre Anschuldigung einfach als eine Lüge zu bezeichnen. In dem angezogenen Capitel sagt Albo: ״Fürwahr eben bezüglich jener Kategorie von Geboten, welche die Beziehung zwischen Mensch und Mensch regelt (judieiaüs), ist die Lehre Moscheh's vollkommener als jede andere; denn sie schärft die wahre Menschenliebe ein, indem sie befiehlt: ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (3. B. M. 19, 18.) und verbannt den Haß: ״Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen" (3. B. M. 19, 18.); den Fremden betreffend, lehrt die Thorah: ״Liebet den Fremden" (5. B. M. 10, 19.) und sie verbietet scharf, den Fremden zu übervortheilen, indem sie vorschreibt: ״Bei dir soll er wohnen, in deiner Mitte, au dem Orte, den er sich erwählt nach, seinem Wohlbefinden, du sollst ihn nicht übervortheilen". (5. B. M. 23, 17.) Und dies ׳Gebot gilt nicht blos jenem Fremden gegenüber, der die jüdische Religion voll und ganz angenommen, sondern auch jenem Infassen, der nur den Götzen nicht dient. Auch diesen Fremden befiehlt die Thorah zu unterstützen, indem sie sagt: ״Dem Fremden in deinen Thoren gib es, daß er es verzehre" (ibid, 14, 21) und da ist von dem fremden Insassen die Rede, dem die dem Juden verbotene Speise erlaubt ist und bleibt. Das Zinsnehmen erlaubt die Thorah nur jenem Fremden gegenüber, der im finstern Götzendienste verharrt: ״Vom Fremden magst du Zins nehmen" (ibid. 23, 21), damit ist der Götzendiener gemeint, der die sieben noachidischen Gebote — ohne welche kein Menschthum und keine Gesellschaftsordnung möglich — nicht annimrnt, also in die Kategorie jener entmenschten Ungethüme gehört, die keinen Gott im Himmel und kein gegen Mord und Raub schützendes Gesetz auf Erden anerkennen — die vom lebendigen Leibe des Thieres Fleisch gefressen re. und an deren Vernichtung und vollständigen Ausrottung die Philosophie aller Philosophen und das Glaubensgesetz aller Religionen ein gleiches gebotenes Interesse haben müssen." So lehrt Albo. Herr Rohling, auf wessen Seite also ilt die ״arge Schelmerei?" Die sechste arge Schelmerei. Sie schreiben: ״Natürlich bezog Rohlings amtseidliche Aussage über die gegen Nichtjuden gerichteten Sprüche des Talmudismus sich ganz speciell auf die Christen, weil kein Volk eben mehr dem Rabbinismus verhaßt ist als das christliche. Das wird wohl Jeder begreifen, wenn er weiß, daß Christus, unser Herr und Gott, hochgelobt in Ewigkeit, in manchen Talmudexemplaren, Tractat Gittin, Fol. 57, mit dem Zauberer Balaam gleichgestellt wird. Und da soll der Talmud die inhumanen Sprüche nicht auch gegen die Anbeter des . abscheulichsten Bösewichts“ gerichtet haben wollen?" Herr Rohling! Sie lüstern Ihren Herrn und Heiland׳ der Sie aus den schmachwürdigen Banden eines sündenvollen Heidenthums erlöst hat, dessen Priester Sie sich nennen — Sie lästern ihn, nicht der — Talmud! Es ist nicht wahr, daß der Talmud Jesus und Bileam auf gleiche Linie stellt und es ist nicht wahr, daß Bileam ein Zauberer war! Als Priester sollten Sie wenigstens die Bibel kennen und wissen, daß Bileam ein heidnischer Prophet Jahv e's war, der mitten unter den Heiden wohnend, dennoch ein Verehrer des wahren Gottes, der ihn vieler Offenbarungen würdigte. Nicht ein Zauberer, sondern ein heidnischer Prophet war er, der ohne höhere Inspiration weder Großes noch Kleines, wie die Heilige -Schrift IV. Moses 22, 18, bezeigt, that. Seine Visionen zählen zu den herrlichsten und schönsten Partien des Pentateuch, und der Talmud, Herr Rohling, der von Ihnen so sehr als glaubenseitel geschmähte Talmud, den Sie allerdings nicht lesen können, spricht ihm eine gleich große Prophetengabe zu wie dem Vater der Propheten, Moses. Lassen Sie sich vorlesen Berachoth 7, Sanhedrin 110, Midrasch Raba, Abschn. Balak, da heißt es: Es stand kein Prophet auf gleich Moses in Israel, wohl aber unter den Heiden, ״nämlich Bileam!" Vergleiche auch Midrasch Numeri Cap. 14. An der von Ihnen, Herr Rohling, citirten Tatmudstelle Gitten 57 — eine von den drei Stellen, wo die Talmudisten den Stifter des Christenthums überhaupt erwähnen, wird Er ausdrücklich höher g e st e l l t als Bileam, er wird geradezu als Beispiel auf geführt, um wie vieles höher in sittlicher Beziehung der Urheber des Christenthums selbst den vielgepriesenen und von Gott ausgezeichneten Heidenpropheten überragte. Thatsächlich hat die Censur diese Gegenüberstellung nicht gestrichen. Nach biblischer und talmudischer Anschauung — vielleicht wissen Sie es, Herr Rehling, ans Eisenmenger? — ist nichts auf Erden und im Himmel vor Gott gerecht und .sündenfrei! Moses, Aaron, alle Propheten haben sich vergangen: die Engel des Himmels selbst sind vor ihm nicht rein! Welchen Vorwurf erheben die Talmudisten gegen Jesum? Aus der von der Censur ausgemerzten, seitdem noch nicht wiederhergestellten Stelle, von der Rohling ein blasphemisches Zerrbild bietet, ergibt sich offenbar, daß der Talmud den Charakter Jesu vollauf würdigt, die hohen Tugenden in Lehre und Leben anerkennt; nur daran nimmt er Anstoß, daß Er sich für die zweite Person der Gottheit, vom heiligen Geiste selber gezeugt, hielt. Das allein wird allegorisch ausgedrückt. Es kommt nicht darauf an, wie, sondern was Einer sagt!' Wem die Form anstößig scheint, dem erbiete ich mich aus

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