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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-02-06 · Heft 5 (6.2.1883) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 5 (6.2.1883)
Date
1883-02-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 merzt?' 0 tempora. 0 mores! Rabbi Joseph Karo ein Reformer! — Sowie im Talmud der vernünftige Grundsatz gegolten hat, man dürfe der Gemeinde keine Erschwerung auserlegen, wobei ihre Mehrheit nicht bestehen könne, ebenso muß eine. Erschwerung, welche sich der Mehrheit als unerträglich belästigend erweist, von selbst in sich zusammensallen. Könnte etwa jene ״Weisheit und Vernunft", welche unsere Gesetze aller Welt offenbaren sollen, daraus entnommen werden, daß wir durch die Jahrhunderte und Jahrtausende immer und immer neue Bürden ausgenommen, ohne jemals die Mittel und die Möglichkeit zu besitzen, dieselben wieder abzulegen oder abzumindern? Hören wir doch auch, was Maimonides hierüber sagt: ״Will eine Behörde eine Erschwerung auserlegen, eine Einrichtung treffen oder einen Brauch cinführen, so hat dieselbe sich wohl vorzusehen und zu vergewiffern, ob die Mehrheit der Gemeinde dabei bestehen könne oder nicht. Niemals soll man der Gemeinde eine Erschwerung auferlegen, welche für die Mehrheit derselben unerträglich wäre. — Hat aber eine Behörde, in der Meinung, die Mehrheit könne dabei bestehen, eine Erschwerung auferlegt, woraus das Volk daran Anstand genommen, so daß sie von der Mehrheit der Gemeinde nicht angenommen ward, so hat die bezügliche Erschwerung keine Giltigkeit und kann man dem Volke sie nicht ausnöthigen." Welche Freiheit athmen diese Worte! ״Hat man endlich eine Erschwerung auserlegt und der Meinung gelebt, sie habe sich in ganz Israel ausgebreitet, woraus diese Meinung viele Jahre als die richtige gegölten, aber nach langem Zeitraum stand eine andere Behörde auf, stellte Nachforschungen in Israel an, und es stellte sich heraus, daß jene Erschwerung sich nicht in Ges a m m t i s r a e l ausgebreitet habe, so steht es dieser Behörde zu, die Erschwerung au fz uh eben, auch wenn dieselbe an Gelehrsamkeit und Zahl der ersten Behörde nachstehen sollte." (Mamrim 2.) Wie weit ist. es denn von diesem Grundsätze zu einer grundsätzlichen Reform vieler Satzungen? Fortsetzung folgt. ' Dr. G. Ein Wort Mr Lache. Das Betreten eines fremden Bodens fällt in der Regel dem neuen Ankömmling ziemlich schwer: denn bald sind es die Sitten des fremden Landes, die er nicht kennt, bald ist es die Sprache, der er nicht genug mächtig ist; oder es ist auch zuweilen seine Religion, die ihm zwischen Andersgläubigen so manches Unangenehme verursacht. Anders ergeht cs aber einem jüdischen Cantor, der, wenn er auch vom Auslande ist, die ehrwürdigen Hallen der ״Oestcrr.- Ungar. Cantoren-Zeitung" betritt. Hier fühlt er sich nicht im mindesten fremd: auf diesem Felde kann auch er bauen und wirken; die hier zusammentretenden Amtsgenossen darf er als seine Brüder betrachten, weder gegen Religion, noch Sprache oder Sitte kann er irgend welchen Verstoß begehen und von uns Allen gilt.der Satz: אנו אין לנר אלה יי אהד אי־ון אהד ותורה אחת ומזבח אחד (*בה״ג) אהד — עמך עמי ואלקיד אלק,. Ich wage daher ungenirt auch hier meine Stimme zu erheben לא "לקנתרי, ה״ו aber blos um auch auf diesem Felde I6W6168 aehaj w:reia was beizutragen. Zieht man in Betracht, welchen Zweck eine Cantoren- Zeitung zn verfolgen hat, so findet man, daß noch eine bedeutende Lücke hier auszufüllen wäre. Die Aufgabe der Cantoren-Zeitung ist es gewiß, die Rechte aller Standesgenossen zu wahren und ihr Wohl zu fördern. Zu meinem größten Bedauern las ich mehrere Male die gewiß unberechtigte Rüge: ״Es kämen in der Cantoren-Zeitung Artikel vor, die nicht in ihren Rahmen gehören." Solche Be- Hauptungen können nur von jenen Collegen ausgehen, die nur mit ihrer Stimme allein sich produciren müssen und sich wohlgemuth von allen anderen Anstrengungen unseres Standes ganz und gar befreit wissen. Ich bin Cantor und wie Viele, vielleicht die Meisten meiner Berufsgenossen auch 8611061161 und Religionslehrer. Unser Blatt soll daher nicht nur für Cantoren, sondern auch für beliochtini und Lehrer Ersprießliches wirken. Und will dasselbe bestehen und unterstützt werden, so muß es allen zu dieser Kategorie zählenden Cultusbeamten zugänglich gemacht werden. Es wird demnach Jedem leicht begreiflich werden, daß die obenerwähnte Lücke keine andere sei, als das Fehlen von 861166l1ita11-Artikeln. Alles sehen wir hier vertreten, blos auf dieses Gebiet hat sich noch Niemand gewagt und dennoch gibt es auch hier genug Schönes und Wissenschaftliches zu schaffen, das von Seite der Herren Collegen Sclioehtmi freudig begrüßt werden wird. Es wird dies für Manchen eine Wohlthat sein, den das gute Hälschen dazu verleitet auch die. עבודת הקדש, das Schächterami auf sich zn bürden. Binnen kürzester Frist tritt er als fertiger 861106116t ndoäslc hervor, aber leider — man wird es mir wohl zugeben — mit knappen und unvollkommenen Scliirauscli, noch mit ganz geringer Kenntnis; בהלכות ודינים ausgerüstet. Darum Collegen und Brüder! .חזקו ואמצו! Laßt die Uneinigkeit fallen. Nehmet jeden Artikel ד סבר פנים יפות auf; denn נתן את הכרם לנוטרים - איש יבוא בפריו; Alles ist nützlich. Alles ist belehrend und Alles ist Bedürfnis;. Die Cantoren- Zeitung wird festeren Boden gewinnen, sie wird die schönsten Knospen und Blüthen tragen ואיש על מקומו יבוא בשלום. Sollte die löbliche Redaetion geneigt sein, die Spalten ihres geschätzten Blattes auch diesem heiligen Zwecke öffnen zu wollen und die verehrten Herren Collegen meinen Antrag beherzigen, so bin ich gerne bereit, nächstens schon mit einem diesbezüglichen Beitrag den Anfang zu machen.*) I. Küustlinger, - Cantor in Georgcnberg O. S. Professor Rohling und das Wiener Rabbinat oder: ״Dir arge Schelmerei". Vom Bezirks-Rabbiner Dr. 3. 3. Bloch. Wien—Floridsdorf. v. (״Abdruck aus der ״Wiener Allgemeinen Zeitung" vom 22. Decembcr 1882.) Die fünfte arge Schelmerei. Um das große Publicum zu blenden, werfen Sie mit Citaten um sich, -ohne daß Sie in Ihrer Unwissenheit ahnen, *)Wir sehen einem solchen Artikel mir Vergnügen entgegen und sind davon überzeugt, daß diese Anregung allen Collegen, welche auch Loliooütim sind, willkommen sein wird. D. Red. «SEP■

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