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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-02-06 · Heft 5 (6.2.1883) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 5 (6.2.1883)
Date
1883-02-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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erew und endlich das plötzliche Ausjauchzen der Seele durch Erhebung des Tones zur Obersexte — diese und viele andere Schönheiten zeigen uns das umsichtige Walten des Autors, die volle Beherrschung des zu bearbeitenden Stoffes. Außerdem können wir es uns nicht versagen, darauf hinzuweisen, wie fein im vierten Satze die Beziehung zum alten Chasonuth aufrecht gehalten erscheint — wie Singer überhaupt ein warmer Anhänger der. Tradition ist. Der Raum gestattet uns nicht, eine eingehende Recension zu schreiben, wir fühlen uns jedoch veranlaßt, die Herren Collegen zu ersuchen, die Nummer zu studieren und sind überzeugt, daß dieselbe die volle Würdigung der Fachgenoffen und die bereits bekundete Anerkennung der andächtigen Zuhörer finden wird. Das Recitativ Na godlu ist eine Perle unter den Synagogenrecitationen moderner Richtung; wir wären Herrn Obercautor Singer sehr dankbar, wenn er baldigst etwas Aehnliches folgen ließe — nur wäre es erwünscht, des besseren Verständnisses halber die reiche Modulation durch einige Accorde zu verzeichnen. Schließlich kann ich nicht umhin, der löbl. Redaction der ״ö.-u. Cantorenzeitung" für diese nützliche Bereicherung des Blattes zu danken und um baldige Fortsetzung zu bitten. Zwar hat jede Neuerung ihre Gegner, und wenn sie auch noch so zweckmäßig ist. So habe ich in der Nummer 2 der ״C.-Z." einer mit I. T. gezeichneten Correspondenz entnommen, daß es unter unseren Berufsgenossen im Gegensätze zu der jetzigen Zeitströmung, wo es viele Anfänger der ״Zukunftsmusik" gibt, auch ein Schwärmer für die ״Vergangenheitsmusik" cxistirt. Mit Rücksicht aus die ״Ueberladung des Büchermarktes" ist er gegen jedes neue Schaffen auf dem Gebiete synagogaler Musik. Die alten Tondichtungen sind ihm dogmatische Schriften, die für lange Zeit genügen werden. Gleich jenem Amru, der die kostbare Bibliothek zu Alexandrien verbrannte, indem er raisonirte, ״entweder lehren sie, was im alten Koran enthalten ist, so sind sie überflüssig; oder lehren sie etwas anderes, dann sind sie sogar verwerflich," denkt auch unser Autor über die neuen Compositionen, nur mit dem Unterschiede, daß er ein pharaonisches Gesetz schaffen will, wonach jedes neugeborene Kind synagogaler Tondichtung im Lethe, dem Flusse der Vergessenheit, ertränkt werden soll. Sotten wir dieser Ansicht beipflichten? Ich glaube ״Nein"! Göthe sagt: Die Abgeschiedenen betracht ich gern, Stünde ihr Verdienst noch so fern; Doch mit dem edlen lebendigen Neuen Mag ich wetteifernd mich lieber erfreuen. Auch wir wollen mit dem Edlen und Neuen uns freuen; das Alte wollen wir als den festen Grund betrachten, ans dem wir wacker weiter bauen wollen. Von der Vielheit der nationalen Tonstücke gilt dieselbe Ansicht, die der Talmud von der Vielheit des Volkes hat. Wie kommt es, fragt der Talmud, daß Gott einmal zu Abraham sagte: ״Deine Nachkommen werden so zahlreich sein, wie der Staub der Erde" und das andere mal wieder: ״Wie die Sterne des Himmels"? Das kommt daraus an, antwortet er, welchen Standpunkt sie in sittlicher und cultureller Hinsicht einnehmen. Stehen sie aus einer Liesen Stufe, dann gleichen sie dem Staube der Erde, nehmen sie hingegen einen hohen moralischen Standpunkt ein, dann gleichen sie den Sternen des Himmels. Auch die geistigen Nachkommen unserer musikalischen Autoren mögen zahlreich sein, aber nicht wie. der Staub der Erde, sondern wie die leuchtenden Sterne! Geschichtliche Streiflichter jut Kerussthätiglreit unserer Ämtsvorsahren Von I. Scknvarz in Kamt;. Um allfälligen Mißdeutungen einen Riegel vorzuschieben, sei es hiemit vorausgeschickt, daß, wer diese aus eine schüchterne Hinweisung berechneten Zeilen mit denen einer geschichtlich und chronologisch streng.gegliederten Arbeit identisch fände, sich einer trügerischen Hoffnung hingeben würde. Meine ungewandte Federführung und der Mangel an verläßlichen Quellen verweisen mich in die Schranken einer knapp concisen Formsassung, welcher ich' hinfort mich zu bedienen gedenke. Sollte es aber dennoch Einen oder den Anderen interessiren, so möge er meine sporadisch und zusammenhanglose Anführungsweise im Geiste oder — was beiweitem ersprießlicher wäre — womöglich an dieser Stelle vervollständigen. Ich beginne mit einer landläufigen Hypothese der meisten Cantoren, die da lautet: ״Wer niemals nvschorer war, der wird es kaum jemals zum tüchtigen Cantor bringen" und will es untersuchen, inwieweit die Stichhaltigkeit dieses charakteristischen Ausspruches mit den Traditionen des Cantorcnthums - etwas gemein habe. Das Wort' ״nr8chorer‘; birgt, wie die meisten dem blumenreichen Sanscrit entstammten Worte und vorzugsweise^ wie die der hebräischen Sprache, eine vierfache Sinnesdeutung in sich; es kennzeichnet den Dichter,. Sänger, Musiker und Musikanten in einer und derselben Person, wie dies bekanntermaßen beim königlichen Psalmographen David der Fall . war, oder es bezeichnet ebenso gut eine Person, welcher eine dieser Eigenschaften innewohnt. Der ursprünglich behufs Ucberwachung des provisorischen Sanctuariums (משק) dienstlich auserkorene Levitenstamm, hatte , wie Num. Cap. I und Chronik. Cap. XY dies zweifellos darthun, von Zeit zu Zeit, von Fall zu Fall auch den vocalen und instrumentalen Tempel- und Gottesdienst zu executiren. Diese singende, musicirende (sckorTiin biirgunos imi’nazckmi biclfle schir) und dienstleistende Levitenschaaren, 8ehomr6 misehmeres liakodeseli), in denen wir unstreitig unsere Berufsurahnen begrüßen, waren also m'8ebor'rim in des Wortes edelstem Sinne und erfüllten diese Heili genpflicht seit dem Erstehen des misekkan bis zur Zerstörung des zweiten und letzten Tempels nahe ununterbrochen. Freilich mußte das allmälig zur souveränen Nation herangewachsene Nomadenvölkchen sein Orchester- und Sängercorps haben. Um dieses priesterliche Corps nicht dem Volkseinflusse preiszugeben, wurde eine gesetzliche Norm geschaffen, der zufolge die Leviten zwar eine reichliche Dotation erhielten, ohne indeß in ihrer Wirkungssphäre behindert zu werden. Mit der nach der Zerstörung des letzten b68 liamikdaseh erfolgte Exilirung der 22/ג Stämme (scliewet E’uwen, sekewet. God waekazi sehewet N'nasse) scheint jede Spur der rechtmäßigen Kohanini ulwijni verwischt zu sein und .nur noch traditionell fortzuleben. Eine Zeitlang hatte es den Anschein, als gingen mit den Leviten auch die gottesdienstlichen Functionäre verloren. Kaum aber hatte das exilirte Judenthum in diesem oder jenem Lande festen Fuß gewurzelt, kaum tauchst |J)

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