Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 5 (6.2.1883)
- Date
- 1883-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichischungarische für Wien und Umgebung und Provinz: - Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig •. . fl. 3 — Vierteljährig . fl. 1.50 -—v/v— Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 inrl. Jostellung in'! fass. J Organ für die GeZllwmt -IriteresZrll MZiher Mlltmrll. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Jakob Mcrusv. IScdactiai und A-mrnrftration Leopol-sta-t, f Circusgasse Nr. 20. n — Znfcrate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 5. Wien, (i. Februar 1883. 3. Jahrgang, Die erste Musikbeilage. Kedusehah und R ec it a tiv des Ma godlu von Obere am or I. Singer in Wien. — Bon Leopold Stern, Eantor in Fünfhaus. ' Mit Freuden begrüße ich die temporären musikalischen Beilagen der ״Oesterreichisch-ungarischen Cantoren-Zeitung", d tun erst entspricht sic allen.Anforderungen eines Fachorgans für Cantoren. Bis jetzt nur für die Hebung der materiellen Interessen unseres Standes wirkend, fördert sie nun auch unsere idealen nnd-geistigeir Bestrebimgen. Durch die bisherigen Correspondenzen konnten wir unsere Standesgenossen nur als M e n sch e u kennen: lernen;. denn der Styl ist der Mensch. Durch die musikalischen Beilagen hingegen wird jedem unserer Collegen Gelegenheit geboten sein, sich auch als Fachmann, als Cantor zu zeigen. Wir hören ihn zwar nicht singen, wir hören den Charakter seiner Stimme nicht, aber die Saiten seines Gemüthes hören wir erklingen, wir kennen sein musikalisches Fühlen. Wir hören ihn zwar nicht recitiren, allein wir vermögen in den Geist seiner Vortragsweise einzudringen und zu erkennen, wie er den Ton dem Worte anpaßt. Einer der Ersten unter seinen Standesgenossen, Herr Obercantor Josef Singer, trat auch als Erster in die Arena. Eine Keduschalr und ein -Recitativ des Na godiu sind der Gegenstand seiner Bearbeitung; wir. wollen nun untersuchen, ob das Werk seinen Meister Lobt. Die Hauptbedingungen für den Werth eines Kunstproductes im Allgemeinen sind vollständige Beherrschung des Stoffes bezüglich des Gesammtaufbaues und aufmerksame Berücksichtigung des Details. Beim Kunstproducte auf v o c a lmusikalischem Gebiete ist noch namentlich auf die ged.ankenverwandte Anpassung von Wort und Ton zü achten; für das Vocalmusikstück auf synagogalem Gebiete jedoch gilt auch die in neuester Zeit immer mehr hervortretende strenge Berücksichtigung der hebräischen Prosodie als Gesetz. All' diese hervorgehobenen Momente fanden in der vorliegenden Composition ihre entsprechende Anwendung. Den ersten Punkt betreffend ist die in dem Worte קדרשה ausge- ־ drückte heilige Stimmung durch Zartheit des Anfangs, Steigerung des Musikausdruckes in der Mitte und Wiederbesänftigung der frommen Leidenschaftlichkeit gegen den Schluß sehr gefühlvoll ausgedrückt. Der erste Satz Na^Lrizoch ist dem Texte entsprechend, gleichsam als. Einleitung oder Vorbereitung der Stimmung für die Art der Gottesheiligung (K^,80d siaeh sarLfe Kodeseh) zu . betrachten^ wie, der zweite Satz k^wojdiL das. Hallelaj.ah ganzen Welt (mole 010m) ausdrückt und erst im dritten Satze Nim^komo das eigentliche Gebet (N-'.joehon am hamljachidiii] seliLmo) zum Ausdrucke gelangt, um im vierten Satze!vechod hu elohenu) das Glaubensbekenntniß des Judenthums mit aller Macht zu verkünden und zum Schluffe bei lihyos lochen! lelohim die freudige Gewißheit des Gottesschutzes in demüthiger Weise auszumalen. Wir dürfen jedoch nicht, wie in dem Arbeitshefte eines Schülers, in dieser Composition nach verbotenen Quinten und Octaven oder gar nach vorschriftsmäßigen Auflösungen re. fahnden, sondern müssen uns befleißigen, die geradezu verbläffende und gewaltsam auftretende Modulation als das Product eines begeisterten Schaffens, als den Ausfluß eines selbst die Fessel des Gesetzes sprengenden Geistes anzusehen, um all' die Schönheiten wahrnehmen zu können, die in dieser K^duseliah enthalten sind. Nur mit den allernothwendigsten Intervallen, den einfachsten Accorden ist in dem ersten Satze Nalrizoch die einleitende Stimmung gezeichnet, um im zweiten Satze k!iwodn dem Inhalte der Worte gemäß schon zu beträchtlicherer Höhe emporzusteigen; die Gegenbewegung zwischen Sopran und Baß bei den Worten mole 010m zeichnet charakteristisch das Füllen der Gottesherrlichkeit im Weltall. Das Auftreten des Septaccordes im 7. Tacte bei dem Worte 86h, der vorbereitete Uebergang X-moll im 9. Tacte, die heilige Stimmung in der Modulation von X-änr nach 6-moll im 3. Tacte des zweiten Satzes, das Sinken der Tonkraft im 7. Tacte bei dem Worte