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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-01-29 · Heft 4 (29.1.1883) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 4 (29.1.1883)
Date
1883-01-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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schöpft hat, der Katholik Molitor legt das Zeugniß ab, daß der Glaube an die Dreieinigkeit von den Talmudisten nie als Götzendienst bezeichnet worden; er sagt mit der Erklärung des Wiener Rabbinates, daß der Talmud nichts ״Christenfeindliches enthält". Was würde er über Ihre amtseidlichen Behauptungen, daß?״eben die Christen bestimmt genug als Götzendiener u. s. w. bezeichnet werden", wohl gesagt haben? ׳Er würde es offenbar als gehässige Lüge gebrandmarkt, über Sie, Herr Professor Rohling, dasselbe Urtheil gesprochen haben, welches er über Ihren Gewährsmann Eisenmenger wiederholt geäußert! Nicht? Lesen Sie einmal die ״Philosophie der Geschichte" und Sie würden es finden. Es ist schlimm, daß Sie als katholischer Priester so wenig in der katholischen Literatur bewandert sind. Und was bedeutet Ihr ״u. s. w."? Den christlichen Leser soll eine Gänsehaut überlaufen wegen der Bezeichnungen, die Sie angeblich verschwiegen haben! Dieses Verfahren brandmarkt sich selber als unmoralisch! Die dritte arge Schelmerei. Sie erklärten ferner amtseidlich: ״So gilt ihnen auch .(den Christen) die jüdische Betitelung der Fremden, der Gojim u. s. w. als Hunde (Megilla, Fol. 7 b), Esel (Berachoth, Fol. 112 b), Viehsame (Jebamoth, 946 Tos.), Schweine (sogar im Prager Gebetbuche, Machsor II, 56 a, heißen wir Edam (das Schwein) u. dgl." Aus den oben angeführten Zeugnissen ergibt sich eigentlich von selbst, daß das Citat blos Lügen enthält. Mit der falschen, erlogenen Prämisse fällt auch die boshafte Schlußfolgerung. Allein, daß der Talmud auch nur die wirklichen Götzendiener mit ״Hunde" und ״Schweine" betitelt, ist eine Lüge. Tausendfach ist Herrn Rohling das von jüdischer und kundiger Seite klar und sonnenhell nachgewiesen worden, ohne daß er sich daran kehrt; er wiederholt immer wieder seine Lüge! Herr Professor Delitzsch sagt mit Bezug auf diesen Anwurf, S. 39: ״Der giftige Pfeil fällt zu Boden, ohne zu treffen, denn der Fanatismus ist auf Seite des Anklägers, den er blind macht." Den katholischen Priester möchte ich erinnern an das neue Testament, zunächst an die zweite Epistel Petri, Vers 22: ״Es ist ihnen widerfahren das wahre Sprichwort: Der Hund frißt wieder, was er sgespieen hat, und die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Koth"; an Matth. 7, 6: ״Ihr sollt das Heiligthum nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen"; .an Matth. 15, 26, wo der Stifter des Christenthums dem segendürstenden kananäischen Weibe sagt: ״Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brod nehme und werfe es vor die Hunde." Noch nie ist es einem jüdischen Theologen der Gegenwart oder der Vergangenheit beigefallen, jener Be- Zeichnungen wegen das Christenthum zu schmähen. So wenig ist dieser Priester in der Bibel bewandert, daß es ihm unbebekannt ist, wie sehr er das heilige Gotteswort verachtet, denn der biblische Priesterprophet Ezechiel ist es. nicht ein Talmudist, bei welchem der Satz von dem ״Viehsamen" sich findet. Wie das kam? Hätten Sie nur eine Ahnung von der Religionsgeschichte, so würden Sie den großen Gegensatz zwischen dem Particularismus des Priester- und dem Universalismus des Prophetenthums gekannt haben — einen Gegensatz, der bis in;:bie späteste Zeit hineinragte und in dem Kampfe zwischen Sadducäern und Pharisäern seinen herbsten Ausdruck fand, im Christenthnm in Paulus und Petrus zur Erscheinung kam! Josephus oder, ich nenne Ihnen lieber Ed. Schürer, ״Neutestamentliche Zeitgeschichte", hätte Sic belehren können über die Identität des Priesterthums mit den Sadducäern. Das altadelige sadducäische Priesterthum hat nun auf die reine Abstammung, auf das blaue Blut sehr viel gegeben, hat im vollen Gegensatz zu dem ausgesprochenen Universalismus des hebräischen Prophetenthums die Racenreinheit und Racengüte verherrlicht, während der Grundsatz der talmudischen Pharisäer gelautet hat: ״Einem Bastard, welcher unterrichtet ist, gebührt der Vorrang vor einem unwissenden Hohenpriester." ״Ein Heide, welcher die Thora studirt, gleicht vollkommen dem Hohenpriester." Mischna Horioth 13, Sanhedrin 59, worüber Sie schon Molitor hätte belehren können. Der Prophet Ezechiel war auch sonst in seinen Lehren und Reden mehr Priester als Prophet, mehr eine Stütze der abstammungsstolzen, tempelfrommen Sadducäer als der volksthümlichen, den arbeitenden Ständen angehörenden talmudischen Pharisäer. Aus diesen Auseinandersetzungen werden Sie vielleicht erkennen, woher cs kommt, daß die Bezeichnung der Heiden als ״Hunde" im neuen Testament gerade in den Schriften petrinischer Richtung vorkommt. Es ist derselbe Gegensatz zwischen Universalismus und Particularismus, wie auch zwischen Priesterthum und Propheten, zwischen den raeenstolzen Sadducäern und dem Humanismus der pharisäischen Talmudisten. Der Gegensatz war auch nach anderer Richtung ein sehr schroffer. Das Priesterthum hielt viel auf Tempel und Altar, Opfer und Cultus; Ezechiel, der Priesterprophet, ist voll von Opfervorschriften, während der Prophet Jeremia rund heraus erklärt: Gott habe nie und nimmer ein Opfergesetz erlassen! Micha verkündet: ״Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was allein Gott von dir verlangt, Gerechtigkeit thun, Liebe üben und demüthig wandeln vor deinem Gotte." Ganz in demselben Sinne erklärten die talmudischen Pharisäer: ״Wohlthun ersetzt Tempel und Altar", ״der Arbeiter und Handwerker ist von Pflichten religiöser Ceremonien eigentlich befreit." So wenig wie die Talmudisten, so wenig Hütte der groß-angelegte, völkerumfaffende Geist, des Apostels Paulus die Bezeichnung der Heiden als Hunde zugelassen. Bei Ernst Renan, ״Die Apostel," S. 203, lesen Sie von dem talmudischen Pharisäer Gamaliel: ״Er war ein freisinniger, aufgeklärter Mann, der die Heiden verstand. Möglicherweise sind die liberalen Ideen, zu denen sich Paulus, nachdem er Christ geworden, bekannte, eine Erinnerung an die Unterweisung seines ersten Lehrers gewesen." Im Vereine mit anderen Talmudisten hat dieser Gamaliel es bewirkt, daß es ein talmusches Gesetz geworden: ״heidnische Arme zu Pflegen und zu kleiden gleich den jüdischen, heidnischen Leichen die letzten Ehren zu erweisen gleich den jüdischen." Diese Vorschrift ist nie aufgehoben worden! Oder wissen Sie es anders, Herr Rohling? Zeigen Sie Ihre Gelehrsamkeit! Also es ist das neue Testanient und der Priesterprophet Ezechiel im alten Bunde, welche die Heiden als Hunde und Viehsame bezeichnen. Im Talmud, Tractat Sabbath lesen Sie nun, daß die Talmudisten das Buch Ezechiel aus dem Verbände der heiligen Schrift ausweisen wollten! Es ist nicht Geist von ihrem Geiste! Gestehen Sie zu, Herr Professor, welche bodenlose Unwissenheit sich darin offenbart, wenn Sie gegen den Talmud

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