Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 4 (29.1.1883)
- Date
- 1883-01-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 am meisten, den Interessen des Vereines zu nützen, Kraft, Wille besitze und nur diesem seine Stimme zu geben. Wir enthalten uns der Aufstellung von Candidatenlisten, wir glauben vielmehr, diese Thätigkeit anderen Factoren überlassen zu dürfen; Eines müssen wir jedoch aussprechen — und hiebei glauben wir der Zustimmung Aller sicher zu sein — nicht Talent allein ist es, was man von Demjenigen verlangen muß, der an die Spitze des Vereines treten soll, guten Willen und Energie muß derselbe besitzen, mit einem Worte, er muß ein ganzer Mann sein. Wereinsnachrichten. In der am 20. Jänner abgehaltenen Sitzung des vom prov. Ausschüsse zur Durchführung der Wahl beauftragten Wahlcomite's wurde in Gemäßheit des §. 22 unserer Statuten die Wahl des Gesammtvorstandes auf Donnerstag den 22. Februar verlegt, da die Zeit für die Aussendung der Mitgliederlisten und Stimmzettel zu kurz erschien. Zu wählen sind in Gemäßheit des §. 13 fünfzehn in Wien oder dessen Umgebung domicilirende Vereinsmitglieder und unter diesen 1 Präses, 2 Präsesstellvertreter, 1 Cassier, 1 Schriftführer, 2 Controlore, 8 Beiräthe. Auf dem eigenhändig unterfertigten Stimmzettel muß genau ersichtlich sein, als was ein Jeder der fünfzehn gewählt wird. Die Stimmzettel sind drei Tage vor der Wahl an den Obmann des Wahlcomitö's, Herrn Cantor Adolf Fischer, I., Seitenstättengasfe 4 einzusenden. Damit die Stimmzettel als solche erkenntlich sind und nicht früher als am Tage der Wahl geöffnet werden, wäre es am angezeigtesten, auf der Rückseite des Couverts, in welchem dieselben abgesendet werden, das Wort ״Stimmzettel" zu schreiben. Das Wahlcomite. Gingefendet- Als vor einem Jahre durch die ״österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung" die Bildung eines Cantorenvereines angeregt wurde, begrüßten wir Cantoren in der Provinz diese Idee mit unendlicher Freude, denn durch Verwirklichung derselben war sowohl das Mittel gefunden, unfern Stand zu heben, als auch den im Amte ergrauten Collegen eine freundlichere Aussicht in die Zukunft zu eröffnen. Soll aber der Verein die erweckten Hoffnungen erfüllen, soll er uns das bringen, was wir von ihm erwarten, so darf in der Leitung desselben nicht dieselbe Planlosigkeit, derselbe Mangel an Energie platzgreifen, der leider in demselben bemerkbar war. Ich achte und schätze die Eigenschaften und das Talent des bisherigen Vereinsobmannes, trotzdem aber muß ich es als Pflicht eines Jeden von uns erklären, die Leitung an einen energischeren Collegen zu übertragen, der feine Pflichten von einer ernsten Seite auffassen wird. Als solchen können wir nur den Ob.-Cantor der Cultus-Gemeinde in Wien, Hr. I. S i ng er, Vorschlägen, der durch sein bisheriges Vorgehen es bewiesen hat, daß ihm die Interessen des Vereines warm am Herzen liegen und daß er sie nicht blos mit Worten zu fördern gedenkt. Wenn ich einen Präses-Stellvertreter Vorschlägen soll, so ist es selbstverständlich, daß es kein anderer sein ann, als der Mann, der uns Cantoren Oesterdeich-Ungarns zum Bewußt-, sein unseres Werthes gebracht hat, dessen Initiative der Verein entsprungen ist, und dies ist Herr Ober-Cantor Bauer. Als zweiten Präses-Stellvertreter wäre Herr Cantor Leopold Stern bestens zu empfehlen. Herr Cantor A. Fischer ist durch nahezu 40 Jahre bereits im Amte. Seine Biederkeit ist zu gut bekannt, als daß es vieler Worte bedürfte, um seine Candidatur für den Cassierposten zu empfehlen. Collegen! Wählet wie ein Mann diese Männer, die für unsere Interessen ein warmes und uneigennütziges Herz besitzen, damit unser Verein blühe und gedeihe. Proßnitz, 21. Jänner 1883. I. Epstein, im Namen mehrerer Cantoren. ״Das Erziehungswesen im israelitischen Volke." Eine Studie von M. Lintner, Cantor und Lehrer in Bunzlau. II Aber nicht allein im Gesetze wurde der Knabe unterrichtet, sondern auch zu nützlicher Thätigkeit durch Viehzucht, Ackerbau und in späterer Zeit zu Gewerben angehalten. Außerdem unterwies der Vater den Sohn in der Handhabung der Waffen, da jeder Jüngling vom 20. Jahre ab zum Militärdienst verpflichtet blieb, bis er das 50. Lebensalter erreichte. Die Töchter lernten bei der Mutter alles das, was einer tüchtigen Hausfrau nicht mangeln darf und wurden daneben im Gesang, im Spiel der Schlaginstrumente und im Tanz unterrichtet. Müßiggang war eine Eigenschaft, dem mit aller Macht entgegengesteuert wurde. ,,Wer sein Kind nicht ein Handwerk erlernen läßt, führt es gleichsam zur Dieberei." — Auch des Vornehmen Frau hat sich mit dem Hauswesen zu beschäftigen, denn Müßiggang bringt Laster, wurde gelehrt. Obgleich die Erziehung der Söhne durch den Vater die Regel zu sein pflegte, so wurden doch wohl hin und wieder Erzieher, besonders für die Söhne der Könige gehalten. — So war der Prophet Nathan der Erzieher Salomons. — Eine Erziehung durch andere Lehrer, eine umfassendere Unter- Weisung, als sie der eigene Vater zu geben vermochte, erhielten besonders die jungen Leviten. — Für sie hatte Samuel, der letzte der Richter, die Prophetenschulen gestiftet. Man lehrte hier das Gesetz, die Dichtkunst, Gesang und Musik, überhaupt alles, was die Leviten und Priester bei der Feier des Gottes- 1 dienstes zu beobachten hatten. In den Prophetenschulen wurden auch die heiligen Schriften durch Abschreiben vervielfältigt, hier auch die spätere Geschichte, vom Einzuge in Kanaan an, ausgezeichnet. — Die Lehrer in diesen Anstalten waren die älteren und erfahrenen Priester. Das Buch ״Ben birach“ verdient besonders vom pädagogischen Standpunkte die größte Aufmerksamkeit. ״Kinder, höret auf mich, euern Vater, und thuet also, auf daß es euch wohlergehe! Denn der Herr hat den Vater den Kindern vorgesetzt, daß sie ihn ehren, und er hat der Mutter Befehl den Söhnen vorgeschrieben." ״Was dir zu erhaben ist, wolle nicht erforschen, und was dir verhüllt ist, wolle nicht ergründen." ״Was dir zugänglich und anheimgegeben ist, darüber denke nach und befasse dich nicht mit verborgenen Dingen." ״Wolle niemals eine Lüge sagen, denn die Gewöhnung daran führt zum Verderben." ״Gewöhne deinen Mund nicht an ungesitteter Rede, denn darin ist der Sünde Keim." Wer ver-