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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-01-21 · Heft 3 (21.1.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 3 (21.1.1883)
Date
1883-01-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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gemein verbreitet und gewürdigt sind, wie sie es wohl verdienen. Cs wäre sehr wünschenswerth, wenn Herr Grünzweig zunächst seine 6״ Tempelgesänge", welche bereits gänzlich vergriffen sind, ' recht bald wieder von Neuem erscheinen lassen möchte. Die zärtlichste Sorgfalt hat Herr G r ü n z w e i g ans die Quartette verwendet, welche vorzugsweise gut gelungen und in jeder Hinsicht als wahre Juwelen zu betrachten sind. Derartige Quartette hat Herr Grünzweig sehr viele, fast für sämmtliche Gelegenheiten geschrieben, die. bisher leider noch nicht das Licht der Oeffentlichkeit erblickt haben. Indem ich schließlich die Meisterwerke dieses rastlosen Tondichters meinen werthen Amtsbrüdern auf's Angelegentlichste empfehle, wünsche ich von ganzem Herzen, daß es Herrn Grünzweig recht bald vergönnt sein möge, seine zahlreichen Collectaneen veröffentlichen zu können, zur Verherrlichung unseres Gottesdienstes, zur Veredelung des Synagogengesanges und zum Ruhme Israels. Cottbus, 15. Jänner 1883. A. Zadek, Cantor. Kleine GHroniL. Das Lubiläum des Obercantors Professor Friedmann in Budapest am 13. Jänner 1883 שית פ' בא הרמ״ג• Mit einer wahren Seelenfreude gehe ich daran, über eine imposante erhebende Feier zu berichten, wie sie nur einmal in einem halben Jahrhundert Vorkommen kann. Eine Feier, würdig der großen, hochherzigen Gemeinde, die sie veranstaltete, würdig des großen Mannes, dem sie galt. Ich hätte nur gewünscht, daß unsere College» aus aller Welt am letzten Sonnabend hier gewesen wären, sie hätten gewiß alle mit mir ausgerufen: "אשרי עין ראתה כל אילד,'.,. Da leider so etwas nicht denkbar ist, so werden unsere verehrten Amtsgenossen mit einem Gefühle besonderer Genugthuung diese Zeilen lesen, und dabei sprechen: "הלא למשמט אזן תארה נפשנו’•" Zum näheren Verständniß will ich daran erinnern, daß das eigentliche Amtsjubiläum Fri edmann's als solches schon vor sieben Jahren stattgefunden hat, wie dies aus dem damals erschienenen Buche ״Friedmann-Album" bekannt ist. Diesmal galt es blos seine 25-jährige Amtirung in der Pester Gemeinde zu feiern. Wir haben daher auch nur ein bescheidenes Familienfest localer Natur erwartet. Doch die allseitige Theilnahme des In- und Auslandes und der großartige Erfolg׳ zeigten, daß wir uns in unserer Erwartung getäuscht haben. Und nun übergehen wir zur Schilderung der seltenen Feierlichkeit. Unser großer Tempel war zur Ueberraschung des Jubilars schon vor Beginn des Morgengottesdicnstes aus Anordnung des Gemeindevorstandes in allen Räumen beleuchtet, was sonst bei Tag, außer am Geburtstage Sr. Majestät, nie der Fall ist. Die übrige äußere Ausschmückung des Tempels war so, wie nur an den höchsten Feiertagen, sogar jeder Tempeldiener mußte weiße Handschuhe anlegen. Der Tempelbesuch war so zahlreich, wie an 30m Kipur. Der Gefeierte, obgleich unwohl, fungirte selber und das Auditorium war einstimnlig' in dem Urtheile, daß sein Organ an Macht und Pracht in den zurückgelegten 25 Jahren nicht nur nichts verloren, sondern noch gewonnen hat. Für uns College» war der Vortrag mancher Stellen geradezu von erschütternder Wirkung; man hätte hören sollen den großen Recitator, wie er die Worte גדלו לה' אתי, dann die Worte 'יהללו את שם ה, ferner die Worte ותהי לרצין תמיד עבוהת ישראל und noch einige Stellen vortrug, welche speciell mit Gottesdienst und Sch’liach Zibbur Zusammenhängen. Der Jubilar wurde mit vollem Namen zum Nallir aufgerufen. Nach der gewöhnlichen bir6ba8 hattorob, sprach ' er wieder nur in seiner Weise ,שהחינו, was eine allgemeine Rührung hervorrief. Darauf trug Schreiber dieser Zeilen ein vom Rabbiner Dr. K o h n im.Aufträge der Gemeinde eigens verfaßtes Ni86b6b6ra6b vor, worin der hebräische und ungarische Name des Jubilars genannt wurde. Hiebei sang der Chor einen von Friedmann schon vor Jahren componirten Psalm (121). Der Mi86b6b6ra6b enthielt in einem eleganten Hebräisch die vielen Verdienste Friedmann's und Segenswünsche der Gemeinde. Von noch mächtigerer Wirkung aber war das vom Rabbiner Dr. Kohn in ungarischer Sprache vorgetragene Gebet für das Wohl des Jubilars. Es war ein hochpoetischer Gedanke des geistreichen Predigers, indem er sagte: ״Für den gottbegnadeten, ausgezeichneten und berufcnen Mann, der seit 25 Jahren für unsere Gemeinde betet, heute wollen wir für ihn beten, daß er uns zur Ehre Gottes und ,zur Verherrlichung seines Namens noch lange erhalten bleibe." Nach Beendigung des Gottesdienstes verfügte sich der Gemeindevorstand und das Rabbinat in eorpors in die Wohnung des Gefeierten, wo Herr Präses Neuwelt im Namen der Gemeinde die Glückwünsche darbrachte, während der Secretär Dr. Goldzieher die Adresse verlas, aus welcher wir nur einen einzigen Satz hier wiedergeben. Dieser Satz lautet in deutscher Uebersetzung wie folgt ״Zur Erinnerung an den heutigen Tag wollen wir Ihnen durch eine That beweisen, wie sehr wir Sie schätzen und lieben- Wir haben nämlich den innigsten Wunsch, Sie noch lange Jahre Ihrem heiligen Berufe gesund und kräftig zu erhalten, dazu gehört vor Allem eine Pflege Ihrer Gesundheit, daher Sie jedes Jahr eine Cur gebrauchen sollen. Zu diesem Behufe haben wir bestimmt, Ihnen jeden Sommer am 1. Juni 1000 Francs aus unserer Centralcaffa auszahlen zu lassen". Wahrlich, eine zartere Aufmerksamkeit kann man einem Beamten nicht erweisen! Nun folgte eine Deputation nach der andern, alle überreichten Adressen, viele auch Ehrengeschenke. Zunächst nach dem Vorstände kam die Okewra Kadischa, dann der Beamtenkörper der Gemeinde unter Führung des Rabbiners Dr. Kohn, der Landeslehrerverein unter Führung seines Präses Szanto, der Handwerker- und Ackerbauverein mit seinem Präses Doctor Schönberger, der Zionverein, der Concordiaverein u. a Die Seminaristen erschienen corporativ, um ihrem Meister die Huldigung darzubringen. Es ist fast unglaublich, zeigt aber von der großen Popularität Friedmanns, indem wir berichten, daß auch Bankinstitute Deputationen entsendeten. Am großartigsten jedoch, ja geradezu rührend war die Ovation, welche der .,Ungar, israel. Cultusbeamtenverein" seinem Begründer und Präsidenten bereitete. Die aus 30 Personen bestehende Deputation erschien unter Führung des 'Vicepräses Herrn Oberrabbiners Dr. Goldberg, welcher eine ebenso geistreiche als herzliche Ansprache an den Jubilar richtete. Darauf hatte Schreiber dieses die Ehre, die Huldigungsadresse zu verlesen und einen silbernen Lorbeerkranz nebst einem

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