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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-01-21 · Heft 3 (21.1.1883) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 3 (21.1.1883)
Date
1883-01-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Heren Quelle haben Sie gegen eine ganze Religions-Genossenschaft eine ״schauderhafte Verleumdung" in die Welt hinausgerufen; man belehrte Sie Ihres Unrechtes, und-Sie sind christlicher Priester; was war da als Mensch und Christ rind Priester Ihre Pflicht? ״-■; Dem Talmud ist das Christenthum kein Götzendienst, das hat Ihnen Herr Professor Delitzsch gezeigt, dessen Eifer für die Lehre Christi so groß als Ihre maßlose Eitelkeit und -Unwissenheit, was viel bedeutet; ich nenne Ihnen zwei andere Autoritäten ersten Ranges des protestantischen und katholischen Christenthnms, durch welche Ihre ״amtseidliche" Aussage gerichtet ist. Gerhard Tychsen (geboren 1734), Professor der Theologie und der Philosophie an der Universität Rostock, dessen Kenntniß der rabbinischen Sprache und Literatur so umfassend war, daß . er in rabbinischer Sprache und Schrift correspondirte, zur Aufhellung der rabbinischen Literatur viel leistete, ein geborner Christ, von christlichen Eltern und conservativer Gesinnung — den Juden nichts weniger als zugethan; ein Polyhistor ersten Ranges, der in sämmtlichen Wissensfächern unterrichtet war — dieser Professor Tychsen hat auf Grund seiner ausgebreiteten Kenntniß des Talmud mnd der rabbinischen Literatur in einem Erbproceß der beiden Schwestern Frau v. Buse und Frau v. Kunkel, welcher sich in Berlin abspielte, ein gerichtliches Gutachten abgegeben, in welchem er folgende Gedanken durch Beweise erhärtet: ״Der Gegensatz von ״jüdischer Religion" im Schriftthum und Sprachgebrauch der Juden sei keineswegs das Christenthum, sondern nur Irrglaube, Unglaube, Epikuräismus und ähnliche Sectirerei und Ketzerei. Nur Accum, Götzendiener, Minim, welche an zwei Götter glauben, und Apikorsim, welche an keine übernatürliche Eingebung glauben, wurden von Rabbinen und Juden als Feinde ihres Glaubens bezeichnet. Dagegen aber würde die christliche Religion im ganzen jüdischen Religionsgesetzbnche nie als. eine von der jüdischen Religion verschiedene durch irgend ein Gesetz dargestellt, denn die scharfen Verordnungen, die gegen Accum und Gojim gerichtet werden, beziehen sich blos auf Sternanbeter und Heiden. Die christliche Religion sei nur als besonderer Zweig der alljüdischen Religion in demselben Verhältnisse zu betrachten, wie die römische, lutherische und reformirte Kirche nur drei Hauptpartien der altchristlichen Religion seien. Denn die Christen nehmen der Hauptsache nach die von Maimon, einem berühmten Rabbiner des zwölften Jahrhunderts, aufgestellten 13 Grnndartikel des jüdischen Glaubens an. Und die zum Christenthume übergetreten- Inden würden von ihren Glaubensgenossen nicht als solche betrachtet, die nicht bei der jüdischen Religion geblieben, sondern blos als solche, welche die Hauptstücke des altjüdischen Glaubens beibehalten, sich aber über manche Nebendinge weggesetzt haben." Wer sich von der Echtheit dieses Auszuges überzeugen will, der lese A. F. Hartmann's, ״O. G. Tychsen, oder: Wanderungen auf dem Gebiete der biblisch-asiatischen Litera- Lür." Bremen. 1818. S. 182. Was sagen Sie, Herr Professor Rohling, zu diesem — amtseidlichen Gutachten Tychsen's? Wie bringen Sie das mit Ihrer amtseidlichen Anssage 11t Uebereinstimmung? Jndeß. war Tychsen wie Delitzsch ein An- -.Hängerder Lehre Luther's, welchen Sie als ״Schurken" :schmähen. Ich führe Ihnen deswegen noch Franz Molitor einen der ,größten Gelehrten der katholischen Christenheit,, vor den die ״Wiener Kirchenzeitung" vom 11. April 1860 ״eine der vollgiltigsten Autoritäten über Judenthum und Christenthum" nennt. In seinem großen Werke: ״Philosophie der Geschichte", Band III, schreibt er, §. 125: ״Obwohl unter noachidischen Geboten die Enthaltung von der Abgötterei das Erste und Vornehmste ist, so müssen wir doch bemerken, daß der Talmud über diesen Punkt sich sehr freisinnig ansspricht und keineswegs Alles als Abgötterei ansieht, was nicht gerade Jehovah-Dienst ist. Denn im Tractat Sanhedrin wird gesagt Den Kindern Noah's ist es nicht geboten, bei der Gottheit noch ein Schittuf (Verbindung), das heißt eine mitwirkende oder eine Urkraft anzunehmen, obschon, wenn sie den himmlischen Namen erwähnen, ihre Intention noch auf eine andere Sache geht, dennoch ist dieses kein Name von einem Götzen. Da ihre Intention gerichtet ist auf den Schöpfer des Himmels heißt es im Gesetzeodex Schulchan Aruch Orach Chaim Cap. 156 u. a. Stellen." Fortsetzung folgt ) Einige Worte über ZiMgogengesang. (Zum (שבח שירה ״D, Laß aufgehen unsere strahlende Sonne, daß die Schatten entflieh'n, dann stimmen ein neues Lied an die Erlösten ('שידה חישה ,וכי) Der ״Sabbath des Gesanges" ist für uns Vorsänger einer der wichtigsten und erhebendsten des ganzen Jahres, denn er erweckt uns zur neuen Kraftentfaltung: er rüttelt uns auf aus der winterlichen schlummerähnlichen Ruhe; er erscheint uns als Friedensvorbote, ausrufend mit lauter Stimme: daß ein neuer Cyklns heiliger ausgezeichneter Sabbathe für uns angebrochen, an denen wir Alle mit gehobenem Herzen und begeisterter Seele die Loblieder unserer unsterblichen Dichter ertönen lassen! Es sind dies die mächtigen Gefühle des nahenden Frühlings der עת הזמיר die in der Menschenbrüst wachgerusen werden. Wir eilen im Geiste hinaus zu den lieblichen Fluren des gottesdienstlichen Gesanges, dort erblicken wir das freundliche, grünende, blühende Feld, auf welchem die emsigen Tonschöpfer den heil. Boden bearbeiten, immer neue Saaten ausstrcuen, junge Bäume pflanzen. Ueberall sehen wir die edlen Sprossen emporkeimen, wachsen und gedeihen! Und die holden süßen Früchte — für wen reifen sie? — für uns! Wir sollen sie genießen mit Wohlbehagen und uns erfreuen an ihrer prächtigen Gestalt! Dieses selige Bes wußtsein allein ist schon geeignet, uns mit freudigem Stolz zu erfüllen, unseren oft gesunkenen Muth neu zu beleben und uns für die mannigfachen Unbilden Trost und Beruhigung zu gewähren. Aus dem großen Magazin unserer Synagogenmusik möchte ich für heute einen kostbaren Schatz besonders hervorheben; es sei mir gestattet, die Aufmerksamkeit unserer Collegen auf die vortrefflich schönen und gediegenen Tempelgesänge des Herrn Ad. Grünzweig in Arad zu lenken. — Dieser geniale rühmlichst bekannte Componist wirkt bereits seit 28 Jahren auf diesem heil. Gebiete als Chor-- und Musikdirector in uneigennützigster Weise und hat bereits die glänzendsten und bedeutendsten Erfolge zu verzeichnen. Nur scheint mir, daß seine vorzüglichen Geistesproducte in Deutschland nicht so all-

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