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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-01-21 · Heft 3 (21.1.1883) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 3 (21.1.1883)
Date
1883-01-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 einstimmte, so konnte nur der Werth des Menschen beruhen auf seinem Wollen und seinem Verhalten selbst. Durch Menschenfreundliche/ allgemeine Gesetze wurde die Noth des Armen und die Mißhandlung eines Menschen fern gehalten und die wahre Humanität gefördert. 3. B. M. Cap. 19. 18.: ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." 4. B. M. Cap. 15. 15. : ״O, Versammlung l Ein Gesetz sei für euch und den Fremdling, der sich da aufhält. Ein ewiges Gesetz sei es für eure Geschlechter; ihr und der Fremdling sollet gleich sein. vor dem Ewigen. Als der erste und wichtigste Erziehungsfactor galt bei den Israeliten die Familie und bis zur Zeit Samuels kennen wir blos eine Familienerziehung. — So vernehmen wir auch später den Ruf des königlichen Sängers: ״Kommt, liebe Kinder, her zu mir, Furcht Gottes will ich euch lehren/- ״Wie sehr liebe ich deine Lehre, den ganzen Tag ist sie meine Unterhaltung." Spr. Salomonis 3, 11, 12: ״Die Zucht des Ewigen, mein Sohn, verachte nicht, und sei nicht unwillig bei seiner Zurechtweisung, denn wen der Ewige liebet, den züchtigt er, und will ihm wohl, wie ein Vater dem Kinde." Das Lob eines tugendhaften, fleißigen Weibes, das in den Spr. Sal. Eap. 31 so geistigen Ausdruck findet, beweist, wie | hoch das schöne Walten einer Hausfrau in der Familie gej halten wurde und wie dies liebliche Bild im Heidenthume seines Gleichen nicht fand. Im Vergleiche zu den heidnischen Völkern tritt uns auch in vielen Stellen der heil. Schrift und der späteren Geschichte unseres Volkes rührend die innige Liebe der Eltern zu dem Kinde entgegen, die nur von der ewigen Liebe des himmlischen Vaters zu seinen Kindern übertrofien wird. Wie nun die Religion des israelitischen Volkes eine geoffenbarte ist, nicht ein Erzeugniß der natürlichen Entwickelung der israelitischen Volksthümlichkeit, sondern auf einem dem Volke eingepflanzten höheren Principe beruht, so konnte auch die Entfaltung der Religion und deren.Erweckung in dem hereinwachsenden Geschlechte nur das Ziel einer bestimmten und erziehenden Thätigkeit werden. Der leitende Grundsatz der israelitischen Erziehung war und ist: ״Die Furcht Gottes ist ' der Weisheit Anfang/׳ — Unmitttlbar an die Gebote, welche die Ehrfurcht gegen Gott einschärfen, reiht das Gebot gegen die Eltern sich an, die den Willen Gottes auszuüben berechtigt und verpflichtet sind. Dem Vater lag es nun ob und zwar als heilige Pflicht, seine Kinder in dem Gesetze Gottes und über die wunderbare Führung seines Volkes zu belehren. ״Schärfe sic ein (die Worte des Gesetzes) deinen Söhnen und rede davon, wenn du in deinem Hause sitzest, wenn du draußen gehest, wenn du dich niederlegst und wenn du auistchst." (Schluß folgt.) Professor Rohling und das Wiener Rabbinal oder: ״Die arge Schelmerei".*) Vom Bezirks-Rabbiner Dr. 2. S. Lisch. Wien—Floridsdorf. III. ״Abdruck aus der ״Wiener Allgemeinen Zeitung" vom 22. December 1882.) Sie besitzen also nicht im entferntesten die wissenschaftliche Eignung, über den Talmud zu urtheilen. Der Professor der Theologie, Herr Dr. Strack, an der Universität in Berlin, Herr Professor Fleischer in Leipzig, Herr Dr. August Wünsche in Dresden — christliche Gelehrte ersten Ranges — werden Ihnen auf Verlangen diese Ihre Ignoranz bestätigen! Offenbar, Herr Professor Rohling haben Sie Ihren Beruf verfehlt. Einstens schrieben Sie ein köstliches Büchlein voll wissenschaftlicher Gründlichkeit: ״Louise Lateäu von Bois de Heine, nach authentischen medicinischen und theologischen Quellen; für Christen aller Bekenntnisse" —- eine Schrift, die Herr Professor Virchow zum Herzensgaudium der Zuhörer in der 47״ Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Breslau 1874 wissenschaftlich — verwerthet hat. Dazumal haben Sie noch ״Quellenstudien" betrieben. Warum sind Sie von diesem Gebiet abgesprungen? Wenden Sie sich Ihrer ersten Liebe zu und lassen Sie Judaica, da wächst Ihnen kein Lorber. Welch' klägliche Rolle Sie in ll?a1muäi6i8 spielen, hat gerade Ihre neueste Enunciation gegen das Wiener Rabbinat auf das eclatanteste klargelegt, zu dessen Würdigung ich nun übergehe. Die zweite arge Schelmerei. Sie erklären: ״Weil nun aber eben die Christen bestimmt genug als Götzendiener (z. B. Aboda zara, Fol. 6 a durch Subsumirung unseres Sonntags unter die Festtage der Götzendiener) u. s. w. bezeichnet werden, so gilt ihnen auch die jüdische Betitelung der Fremden, der Gojim u. s. w. als Hunde (Megilla, Fol. 7 b), Esel (Berachoth, Fol. 112 b), Viehsame (Jebamoth 946 Tos), Schweine (sogar im Prager Gebetbuche Machsor II. 56 a heißen wir Ed am, das Schwein) u. dgl." Ignoranz, Verleumdung und Unwissenheit! Diese Prädicate concurriren hier mit einander. Beides zeigt sich hier in erschreckendem Grade vereinigt. Keines gibt dem anderen nach! Sie sollten bei Ihrem Abschreiben auch mehr Acht geben und nicht Folienseiten anzeigen, die thatsächlich gar nicht vorhanden sind. Allein, es ist ״eine schauderhafte Verleumdung" nach Professor Delitzsch, S. 27, daß die Christen im Talmud als Götzendiener bezeichnet werden, eine boshafte Unwahrheit, daß Aboda sara 6 a der Sonntag unter die Festtage der ״Götzendiener u. s. w." subsumirt wird; eine Unwahrheit, daß die Christen im Talmund ״Hunde, Esel, Schweine, Viehsame" heißen; eine Unwahrheit, daß solche Bezeichnungen auch nur für Heiden im Talmud angewendet werden. Beweis. Ein simples Wörterbuch hätte Sie, Herr Professor Rohling, belehren können, daß der Ausdruck ״Aboda sara". in der angezogenen Talmudstelle, Ab. Sar. 6 a, nicht mit ״Götzendienst״, sondern mit ״fremder Cultus" übersetzt werden soll. ״Aboda" heißt ״Cultus", ,.sara" heißt ״fremd"! Ist das nicht klar? Der christliche Cultus ist dem Talmud ein ״fremder Cultur", kein dem Juden gesetzlicher Cultus. Als Sie Ihre Beschuldigung zum erstenmale im ״Talmud-Juden" erhoben haben, war es blos eine crasse Unwissenheit; nachdem indeß Ihnen Herr Professor Delitzsch in vier verschiedenen Partien, S. 11, S. 26, S. 27 und S. 98, seiner Widerlegung, die in sieben Auflagen erschienen ist, also 28mal den Jrrthum ausführlich klargelegt, hat — als ״schauderhaufte Verleumdung" gezüchtigt; was war da Ihre Pflicht als katholischer Priester? . Im blinden Vertrauen zu Ihrer unsau-

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