Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1883)
- Date
- 1883-01-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Nicht, ob es sich mit der Ehre des Cantors verträgt, wenn er auch r2NW ist, nicht mit der Polemik über ״mi bon siehi“ und viel weniger, ob die geistige Arbeit der Herren Rabbiner in unserem Blatte Eingang finde, (sind wir denn wirklich schon so selbstständig auf diesem Gebiete, daß wir ihre Belehrungen entbehren können?) soll uns beschäftigen, sondern es thue jeder sein Möglichstes, daß das Band des Cantoren- Vereines alle Cantoren diesseits und jenseits der Leitha zu einem gemeinsamen Streben umschließe. Mit vereinter Kraft wird das Schwerste leicht vollbracht. Wenn . wir selbst uns nicht zu beherrschen vermögen, um unserem Stande die ihm gebührende Stellung in der Gemeinde zu erringen, und unsere Zukunft durch gemeinsames Wirken womöglich theilweise sicher zu stellen, wer denn? אם אין אני לי מי לי. Im Namen unserer Frauen, im Namen unserer unmündigen Kinder, deren Los ein sehr trauriges ist, wenn ihr Ernährer und mit ihm ihre ganze Stütze ihnen entrissen wird, rufen wir euch zu: Collegen! theilen wir unsere Kraft nicht in zwei Lager, vereinen wir uns Alle, Alle in dem ״österr.-ung. Cantorenvereine"; nur so können wir das Elend, das unsere Familie vielleicht erwartet, mildern. Sind wir vereint, ein Ganzes, dann wäre es leicht, dahin zu wirken, daß jede Gemeinde zur Gründung eines gemeinsamen Pensionsfondes für Cantoren, jährlich einen Betrag beisteuert. Es tritt nun die sehr ernste und nicht minder wichtige Frage an uns heran: wie seien die Gemeinden zu bestimmen einen Pensionsfond für uns Cantoren mitgründen zu helfen? Unbedingt ist es die moralische Pflicht der Gemeinden, ihre Beamten, die die Vermittler am Allerheiligsten zwischen Gott und ihnen wären, die in ihrem Dienste grau und vom Alter gebeugt, in ihrem Dienste erwerbsunfähig geworden, für sie, eventuell deren Witwen und Waisen zu sorgen. Geschieht dies doch täglich bei allen anderen Confessionen. Da aber die isr. Gemeinden keinen Fond, wie jene, zu diesem Zwecke haben, mit kleinen Ausnahmen in den größeren Städten, deren große Milgliederzahl dies ermöglicht, damit aber auch die zog von Elchingen,. Fürst von der Moskowa, Marsch all und Pair von Frankreich. — Auf dem Platze der Execution wurde ihm 1853 ein — Standbild errichtet. --- — * Wenige Tage sind verflossen, feit die Tagesblütter aus Paris die Meldung brachten, daß der Prinz de la Moskowa, der jüngste Sohn des Marschalls Ney, in Paris gestorben sei. — An dem Sterbelager des Prinzen saß eine in Trauerkleider gehüllte, gramgebeugte und von den schwersten Schicksalsschlügen getroffene Frau. Diese Frau war — die Exkaiserin von Frankreich, welche im Jncognito nach Paris gekommen war, um von dem mit dem Tode ringenden Prinzen Abschied zu nehmen. Dem Sterbenden mag wohl die letzte schreckliche Stunde seines Vaters vor Augen geschwebt haben, denn plötzlich ergriff er die Hand der an seinem Bette sitzenden Kaiserin Eugenie, richtete sich mit großer Anstrengung auf und rief: ״Drei Kugeln in's Herz, mitten in's Herz! So viele Schlachten unverwundet durchgemacht und — gleich einem Verbrecher erschossen worden!" --— Alois Kulka. große Mehrzahl minder bemittelter Gemeinden ihrer Pflicht-, gegenüber ihren Beamten gerecht werden könne, wäre ein Counts aus Nichtcantoren, aus Männern, deren Name ein großes Renomme besitzt, zu bilden, dasselbe sollte mit der ״österr.-ung. Cantoren-Zeitung" und dem ״Cantoren-Vereine", vereint wirken und dieses dreiblättrige Kleeblatt, mit dem Cymits an der Spitze, würde das erreichen, was wir nicht zu erreichen vermochten. Im sichern Glauben, der guten Sache Förderliches anzuregen, gebe ich der Hoffnung Raum, viele Gleichgesinnte unter meinen geehrten Herren Collegen zu finden, um die weitere Diseussion dieses Themas angebahnt zu haben, wodurch dasselbe bis zur nächsten Tagung des Cantoren-Vereiues spruchreif würde. Das ist auch der Umstand, der mich veranlaßte, diese Zeilen unseren! -Organe schon jetzt zu übergeben. Göding, im Jänner 1883. M. Wodak. ״Das Erziehailgsweseil im israelitische« Volke." Eine Studie von M. Lintner, Cantor und Lehrer in Bunzlau. Die Geschichte der Erziehung und Cultur bei den alten Völkern führt überall zu einer Geschichte des Verfalls. Der letzte Grund davon ist in der Religion dieser Völker zu suchen, denn auf seiner. Religion beruht die Art, wie der Mensch seine Bestimmung auffaßt, auf deren Verwirklichung dann die Erziehung hinauszuarbeiten hat. Confucius, Zoroaster, Buddha u. A., welche man als Religionsstifter anzusehen gewohnt ist, sind dies doch nicht im strengen Sinne des Wortes gewesen, da sie keine schöpferische Thätigkeit aus religiösem Gebiete übten, sondern nur die in ihrem Volke schon vorhandenen, religiösen Elemente läuternd und weiterbildend zusammenfaßten. So hat auch Mohamed nur erborgte und verzerrte Elemente aus dem Judenthum und Christenthum zu einem Religionssystem gemacht. Die mosaische Lehre aber hat ihrer Natur nach einen im höchsten Sinne pädagogischen Charakter, indem sie den Menschen aus den Banden der Entartung zu befreien und in das höhere, ideale Leben, in die Gemeinschaft mit dem wahren Gott einzuführen trachtet. Darum besteht das Judenthuin trotz Berfolgung, Verstoßung und elender Verleumdung. Ja, unser Bestehen ist eines der größten Wunder, welches die Geschichte des Menschengeschlechtes aufzuweisen hat. Unser Dasein verdanken wir der consequenten Erziehung und der Macht des geistigen Lebens, die niemals in eine Starrheit ausartete und die stets einen Fortschritt und eine Verjüngung, aber nicht einen Rückgang duldete. Und dieses Princip ist durch Moses und seine Lehren, wie durch die Stiftung eines innigen, häuslichen Familienlebens in Israel geweckt und gepflegt worden bis auf den heutigen Tag. Gleich an der Schwelle der Bibel lesen wir: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, also der Eine reine geistige Gott ist der Urgrund aller Dinge, ein Ausspruch, den die philosophischen Heiden nicht recht erkannt haben. Mittels des Gesetzes: ״Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig der Ewige, Euer Gott," wurdadas Volk Israel fern gehalten vom Heidenthume, daß es dem natürlichen Verderben nicht anheim fallen konnte. Erschien es sonach als die höchste Bestimmung des Menschen, daß sein Wesen mit dem des heiligen Gottes über-