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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-01-21 · Heft 3 (21.1.1883) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 3 (21.1.1883)
Date
1883-01-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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steher verzieht den Mund, schüttelt das Haupt; der Ausschuß thut's ihm nach und so erzeugt der Fluch des Vorstehers eine ganze böse Gemeinde, Alles ist plötzlich darüber einig, daß der Cantor nichts tauge. Er erhält in optima forma die Kündigung. Vergebens erheben einige Rechtlichdenkende ihre Stimme gegen solch' schreiendes Unrecht. Sie werden niedergestimmt; denn sie ״zählen" zufällig wenig. Der arme Cantor muß den Wanderstab ergreifen; wenn dieser ihm nur nicht ach! zum Bettelstabe wird! Es gibt unter den obgenannten Gemeinden viele ehren- .rverthe Ausnahmen; aber diese sind nur geeignet, die Regel zu bestätigen. Daß man es unter solchen Verhältnissen zu einem Jubiläum nicht bringen kann, werden meine lieben College» wohl begreifen. Und die Moral hiervon? Wir müssen treu zusammenhalten! In die entlegensten Winkel unseres weiten Vaterlandes möchte ich es ohne Unterlaß Hinausrufen: Schaaret Euch alle, alle um die Fahne unseres Vereines, thuet es jetzt, כלבו ה ים ns .אבהבו אלד ehe es zu spät wird und mit Gottes Hilfe wird es uns gelingen, לעתיד לבוא das Jubelfest dieses Cantorenvereines zu feiern; ״ובל היא תהיה לבם Uns Allen wird es ein Jubeljahr sein, wo Jeder "von uns mit Seelenruhe sich seines errungenen Besitzes und seiner Familie freuen wird. Das walte Gott! Ein Wort zur Zeit. Im December 1881 klopfte Jemand an meine Zimmerthüre und auf das ״Herein" öffnete der Postbote und entfaltete nach Etwas suchend einen Pack Briefe. Endlich übergab er mir eine Zeitung und erstaunt las ich deren Titel: ״Osterr.-ungar. Cantoren-Zeitung!" Gibt es wirklich, dachte ich mir, unter unseren Berufsgenossen Männer, die uns aus unserer Lethargie erwecken wollen, Männer, die sich die Aufgabe stellten, uns den Werth des eigenen I ch kennen zu lehren? Durch den bisherigen Mangel eines eigenen Organes für uns Cantoren, für unfern Stand, war der Cantor sich seines heiligen Berufes nicht bewußt, er wußte nicht, was ihm wohl öder wehe thue, und sieh da, es ist wirklich so, denn in dem Leitartikel heißt es unter Anderem: ״Welchen Standpunkt nimmt der jüdische Cantor in seiner Gemeinde sowohl als in der Gesammtgesellschaft ein und welche Stellung muß ihm kraft seines Amtes und seiner sonstigen Befähigung zuerkannt werden"? Ferner heißt es weiter in demselben: ״daß die Stellung des jüdischen Cantors im Allgemeinen gegenwärtig eine derartig prekäre, eine derartig unsichere, von der Willkür jedes Einzelneu in der Gemeinde abhängige sei, daß er thatsächlich von Tag zu Tag für seine und seiner Familie Existenz ernstlich besorgt sein muß — denn ein Machtspruch dies oder jenes Vorstehers oder angesehenen Mitgliedes der Gemeinde ist oft hinreichend, ihn brodlos zu machen". Was haben jene Männer, die Zierden unseres Standes, deren Worte maßgebend, deren Wirkungskreise ein großes Gebiet offen steht, und deren Einfluß groß ist, für die Tendenz dieses Blattes gethan, die wehrlose Stellung der Cantoren von der Laune eines jeden Gemeindemitgliedes unabhängig zu machen? Seit meiner Kindheit gehöre ich diesem Stande an, und stets war es mein Ideal, alle Cantoren, wie die anderen Stände, vereint, verbrüdert, gemeinschaftlich ihre Interessen durch ein Organ vertreten zu sehen לבלם אגרה אהת יהיה und als sich solche Männer fanden, die ihr Können und Wollen zur Verwirklichung dieser Idee uns so selbstlos anboten, trat Uneinigkeit unter uns ein, und als läge ein Fluch auf uns, der die Devise אגדה אחת יהיה לבלם Lügen strafen wollte, als ertönte an heiterem Sommertage ein heftiger Donner, so traf die Freunde dieser Idee diese Nachricht. Die Cantoren Oesterreich-Ungarns, die vereint unter einem Panier, unter dessen Schutze vermöge ihrer Gemeinsamkeit und geistigen Stärke einen maßgebenden und "nicht unbedeutenden Factor bilden würden, denn in der Eintracht liegt die Macht »״מה טוב ומה נעים שבת אהים גם יהד, trennten sich in zwei Lager, wodurch ihre Kraft zersplittert und die Ziele, die sich die ״österr.-ung. Cantoren-Zeitung" gesteckt hat, in weite Ferne gerückt sind. Ein Walzer. Von Alois Kulka. (Fortsetzung und Schluß.) In einer verschlossenen Stube mit vergitterten Fenstern im Gefängnißhause schritt ein bleicher, ernster Mann mit verschränkten Armen auf und ab. Er schien Gedankenrath zu halten. Sein ganzes Leben zog an seinem inneren Auge vorüber. Da sah er ein freundliches Thal bei Saarlouis. Um den Maibaum tanzte die Jugend des Dorfes und der glücklichste, froheste Jüngling trug seine Züge, wie ein Sohn dem Vater gleicht. Darauf kamen blutige Bilder mit sterbenden Kriegern und brennenden Städten. Aber die sterbenden Krieger und brennenden Städte verwandelten sich in grüne Lorbeerkränze, welche bald das Haupt des ernsten Mannes schmückten. Da kam ein Schneegestöber aus Norden und warf sich als weiße Leichendecke auf seinen Ruhm. Ein neues Pharaonen- Heer ertrank in einem Meere von Blut, im wärmsten rothen Meere und der ernste Mann war einer der Wenigen, die sieglos, doch unverwundet an den Strand schwammen. — Und wieder erschien ein Helles, freundliches Bild. In einem verwüsteten Lande erschien die Göttin Ceres und warf ihr goldenes Korn auf die brachliegenden Felder. Da erklang auf's Neue der wilde Guillotiuenmarsch und der ernste Mann war der erste Reiter, dessen Roß die-junge Saat zerstampfte. So war sein Gedankengang. Da kam es fast wie Zittern über ihn und ״mea culpa, mea maxima culpa!“ flüsterte es von seinen Lippen, aber er nahm sich gewaltsam zusammen, ergriff seine Flöte und blies einen alten, deutschen — Walzer. Wenige Tage darauf, am Morgen des 7. December 1815, stand der ernste Mann im Garten zu Luxembourg mit unverbundenen Augen vor den Musketenläufen düster blickender Grenadiere. Die Musketen krachten und von drei - Kugeln mitten in's Herz getroffen, starb er mit dem Rufe: ״Vivo la Trance!“-Der Mann hieß — Ney*), Michel, Her- Ney Michel, Herzog von Elchingen, Fürst von derMoskwa, Marschall und Pair von Frankreich, Sohn eines Böklchers, geb. am 10. Jänner 1769 511 Saarlouis, ward Schreiber bei einem Notar, dann Aufseher in dem Eisenhammer zu Saleck, trat 1788 als Gemeiner in das Hußarenrcgiment Oo10n6I-A6n6rg.I, wohnte dem Feldzuge von 179A als Adjutant der Generäle Lamarche und Calland bei und kehrte 1791 als.Capitän zu seinem Regimente zurück. Im russischen Feldzuge erhielt er den Befehl über das 3. Armeecorps, an dessen Spitze er in der Schlacht bei Smolensk, /besonders aber an der Moskwa tapfer kämpfte und sich den Titel eines { Fürsten von der Moskwa erwarb.

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