Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1883)
- Date
- 1883-01-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 niürft worden. Zn seicht, zu unwissend, selber aus den Quellen des Studiums zu schöpfen, zu prüfen, Kritik zu üben, sammeln Sie den aufgespeicherten Kehricht und nähren damit Ihr Publicum, Nach allen Seiten erweisen sich Ihre Kenntnisse aus dem Gebiete der hebräischen Literatur und Sprachenkunde gleich Null. (Fortsetzung folgt.) Semiros l’el chaj Don Max G. L 0 wenstam m, 1. Heft, Freitag Abend. 1. Mit dem gebräuchlichen Lla torvu beginnend, leitet die Orgel einen herrlichen gemischten Chor (6-dur) ein, in dem gleich die Eigenart des verewigten Meisters hervortritt, eine Fugbetta wirken zu lassen, besonders dort, wo der Text so einladend lautet wie in den Worten: owo weseeho. Der zweite Tonsatz: obaivti m’on besecho gibt dem Cantor Gelegenheit den erkorenen Wirkungsort vor Gottes Altar, die Freudigkeit am Berufe zum Ausdruck zu bringen. Die ganze Nummer ist stimmungsvoll, melodiös und kernig. 2. Eine willkommene Gabe ist das L’chu neranneno, ein abwechselndes, würdevolles Recitativ mit Zwischenspielen. Es dürfte sich jedoch empfehlen nur Pehu neranneno unb Howu ladonoj b’ne elim zum Vortrag gelangen zu lassen, da durch zu öftere Wiederholung diese Nummer leiden könnte. 3. Das erste der beiden L’ebo dodi (As־dur) bringt drei Chöre und drei Soli, aber was für Arbeit! Der Cantor findet da für den ganzen Umsang seiner Stimme Anhaltspunkte — Andacht zu erwecken, ohne daß er eine, ״Löwenstimm" und mustergiltigen Vortrag besitzt, wie sie s. Z, der selige Löwenstamm entwickelte. 4. Dem zweiten, einfacheren, nicht minder schönen L’eho dodi (C־dur) folgt in der gleichen Tonart das toiv Pbodos, welches mit einem begeisternden Soloquartett schließt. Und nun eine ״freie Vortragsweise" des mab godlu, meistens in der Mittcllage, also für jeden Cantor ausführbar. Da ist Ausdruck, Schwung und Hingabe in reicher Fülle, die sich noch im abschließendenAdonoj moloeli (F-dur) steigert. 5. Dem eigentlichen Abendgebete ist nur ein mi 6b0nioclio (Es-J)ur) gewidmet mit einem bN8ebbUv6nu für den Cantor, u. zw. nach polnischer Weise; Letzteres nebst dem ebenfalls polnischen vrajcbulu müssen als Meisterstücke des freien Vortrages (mit Orgelbegleitung) bezeichnet werden. 0. Adon 010111 für Chor, Soli, Cantor und Soloquartett in O-dur. Ein würdiger 'Schlußgesang, groß angelegt, der sich mit dem Adouoj li welo iro zu einer imposanten Huldigung des Allmächtigen emporschwiugt. Wie bereits im ersten Berichte erwähnt, ist besonders der reine, geistvolle Satz, das Vermeiden jeder profanen Phrase, das melodiöse Fortschreiten aller Stimmen, die völlig richtige Texteintheilung, die Fingerzeige zum vorschriftsmäßigen Athmen und endlich die verständnißvolle Abwechslung zwischen Chor und Cantor lobenswerth und hat der allzufrüh seinem heil. Berufe Entrissene in diesem Werke seinen Ämtsgenossen ein dankenswerthes Vermächtniß hinterlassen. Obercantor Popper, Frankfurt a. M. Ginge lendet. Arber dir Vielschreiberei und Aebersüllung des Büchermarktes auf dem Erbiete der Syiiagogalmufik. Gewiß die Mehrzahl der Herren Collegen werden bei Ankündigung neuer Synagogenmusik gleich mir ausrufen: ״Wozu brauchen wir noch neue Synagogengesänge? haben wir nicht genug schöne und gediegene Werke von anerkannten Meistern, wie z. B.^Sul zer.!Deutsch. Naumburg, Lewandowski, Weintraub, Rubin, Baer und m. 31.".*) Wahrlich in der anspruchvollsten Gemeinde hat man an diesen Werken auf 200 Jahre hinaus genug Abwechslung. Da nun besser situirte Cantoren und Gemeinden die meisten obbezeichneten Werke zu eigen haben, bleibt es fraglich, welchen Zweck sollen die neuen erfüllen? Als Studien- oder Unterhaltungswerke? Hiefür sind die classischen oder alten Kirchenmusikwerke weit lohnender. Auf eine etwaige Gegenäußerung, daß nicht jeder die Befähigung und Muße hat, um derartige Studien zu pflegen, antworte ich/ ein auf solcher Stufe stehender Fachgenosse kann auch kein besseres Synagogengesangswerk studiren oder zur praktischen Verwerthung bringen. Es ist daher nur eine natürliche Folge, wenn so manche der neueren Componisten nach jahrelanger Mühe sich unbelohnt, ja mitunter von bedeutendem materiellen Verlust heimgesucht sehen. Möge es solchen eine Warnung sein und mögen sie ihren Musikschaffensdrang der allgemeinen Weltmusik zuwenden. Vielleicht würde ihnen dann reicherer Lohn zu Theil. Den für Synagogenmusik wahrhaft Begeisterten unter ihnen aber erlaube mir, eifriges Studiren der hebräischen Grammatik nachdrücklichst zu empfehlen. Nur dann werden sie der correcten Betonung und dem Sinne des Textes Rechnung tragen können, und werden sic die Fähigkeit erlangen, Musik zum Texte zu schreiben, aber nicht verkehrt. Daß die Mehrheit der Israeliten das Hebräische uncorrect liest, soll den Componisten hebräischer Gesänge, wie manchen Herren in dieser Beziehung gleich den Unnwissenden der Cantoren keine Entschuldigung bieten. Letztere müssen eben die Mustergütigen für reine, sinnvolle Wiedergabe des Hebräischen sein, Welcher Blamage wäre ein deutscher Componist ansgesetzt, wollte er Vater, Mutter oder dgl. zu betonen versuchen. Wie oft aber hört man Cantoren vortragen, K’wodo, mole 610111 (miPel) anstatt, K’wodo 111016 016111 (miPra).**) Auch die Ausrede mancher Componisten, man kann bei strengen Achten aufrichtige Betonung des Textes keine rechte Harmonie und Melodie schaffen, widerlege ich hiermit, indem ich auf die Synagogengesänge von Herrn Obercantor M. Deutsch, Herrn Regenschori D. Rubin und auf die jüngst erst als Musikbeilage des ״Jüdischen Cantor" erschienenen 2 Piecen, J’hirozon (ködern birehas baebodescb) u. Orponecho (Psekabbos scli’kolim) von Herrn Obercantor Berggrün Hinweise. In allen den angeführten Gesängen ist schwungvolle Melodie, gediegene stytgerechte Harmonie und überhaupt würdig gestattete Synagogen- *) Gediegene Schöpfungen auf dem Gebiete synagogaler Musik werden jederzeit mit Freude begrüßt werden. Die Red. **) D.eser Fall kommt leider zu oft vor, die Herren Collegen sollten sich die genaue Betonung des Textes, wie sie Lei den Sephardim üblich ist zum Muster nehmen. Die Red.