Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1883)
- Date
- 1883-01-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Musik und doch kommen Uncorrectheiten des Textes in denselben äußerst selten vor. Ueber die Werke der Ersteren wurde s. Z. schon viel und Gutes geschrieben. Dieselben sind nun weit verbreitet. Die zwei bezeichneten Piecen des Letzteren erlaube mir hiermit allen Herren Collegen wärmstens zu empfehlen. Diese Piecen verdienen, als im vollsten Sinne des Wortes ausnehmend gelungen hervorgehoben zu werden und rufe ich dem geehrten Verfasser ein herzliches.j6M86116r 606110611 zu. 1׳. I. Kl'erne KHronik. Wien. Dienstag den 8. Jänner fand das Leichenbegüngniß des Herrn Leopold Ritter v. Wertheimstein׳ welcher durch viele Jahre ein Vorstandsmitglied, zeitweilig auch Präses der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde gewesen ist, statt. In der Wohnung des Verblichenen, Ober-Döbling, hatten sich die hervorragendsten Vertreter der Gemeinde, der Präses Dr. Ignaz Kuranda, die beiden Barone Rothschild, Baron Königswarter, Freiherr v Wcrtheimstein, Pollak Ritter v. Borken au, Doctor Jaques und viele andere Trauergäste eingefunden. An dem Sarge waren zahlreiche Kränze niedergelegt worden. Von dem Trauer- Hause bewegte sich der imposante Leichenzug durch die von einem dichten Spalier besetzten Straßen Ober-Döblings nach dem israelischen Friedhofe in Währing, woselbst die Leiche in der Familiengruft beigcsetzt wurde. Der Prediger Dr. Jellinek hielt die Leichenrede, in, welcher er die großen Verdienste des Verblichenen um die Wiener Gemeinde, sowie um das ganze Judenthum mit beredten Worten feierte. Die Trauergesänge im Traucrhause und aus dem Friedhofe wurden vom Obercantor I. Singer in solch' musterhafter und wahrhaft ergreifender Weise vorgetragen, daß er nach der Leichenfeierlichkeit von Seite mehrerer hervorragender Gemeindemitglieder für seine glänzenden Leistungen beglückwünscht wurde. Steinumunger, 8. Jänner. (O.-C) Antisemitismus. Sonntags saßen mehrere Juden im ״Hotel Sabaria". An einem anderen Tische befanden sich sechs christliche Gäste, welche fort und fort das in Ungarn verbreitete Lied: ״Wart' du Jud', du hündischer Jud', trinkst nunmehr kein Christenblut. Esther Solymossy ward gefunden schon, hündischer Jude erwart' nun Deinen Lohn" sangen. Die anwesenden Juden kehrten sich lange nicht an das Gejohle, aber endlich bat Einer Herrn Heinzmann, er möge doch veranlassen, daß mit dem Gewieher aufgehört werde. Heinz mann zuckte die Achseln. Durch das Gejohle schien den Antisemiten der Muth gewachsen zu sein, denn sie begaben sich in den Hof des Hotels und erwarteten dort die Juden, um sie durchzuprügeln. Da ihnen jedoch kein Semite in die -Quere kam, stürzte der Hotelier in's Gastzimmer und rief einem der dort anwesenden Israeliten, Namens Heinrich Feiglstock, zu, der Gatte seiner Ziehtochter werde draußen im Hofe von den Antisemiten jämmerlich geprügelt. Feiglstock lief erschreckt hinaus, bemerkte jedoch seinen Verwandten nirgends und war schon in dem Glauben, Heinzmann habe blos -einen schlechten Witz machen wollen, im Begriffe, sich zurückzuziehen, als die rohen Leute über ihn herfielen und ihn mit Stöcken, so arg zurichteten, daß er mit einem gräßlich geschwollenen Auge und klaffenden Wunden am Haupte bewußtlos zusammenstürzte. Die Wütheriche hatten jedoch mit diesem noch nicht genug, denn Einer stürzte mit einer kleiner Hacke auf den leblos Daliegenden zu und versetzte ihm einen solchen Hieb, daß der Verwundete noch eine etwa sechs Zoll große, klaffende Wunde am Haupte erhielt. In Folge dieses Lärmes liefen viele Leute herbei, auch der Herr Bürgermeister kam mit dem edlen Herrn Heinz mann, allein weder der Herr Bürgermeister noch der Herr H e i n z m a n n kümmerten sich im geringsten um den in seinem Blute Liegenden, und die Raufbolde zogen ungehindert von dannen. Der solcherart jämmerlich Zugerichtete wurde mittlerweile von seiner Familie nach Hause gebracht; vielleicht gesundet er niemals, vielleicht erst nach Monaten, daß er aber irgend eine Satisfaction erhalten soll, daß die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden, daran wagt der Arme wohl kaum zu denken. Man läßt die Geschichte auf sich beruhen. Unsere Gerichtsbarkeit ist eben viel zu idyllisch, als daß sie sich mit so prosaischen Dingen befassen sollte. — Erwähnenswerth ist vielleicht noch das Borgehen eines hiesigen jungen Arztes, Dr. Szöllösi. Dieser befand sich, zwanzig Schritte von dem tödtlich Verwundeten entfernt, im Gasthause beim Mittagmahl. Er wurde gerufen, um die erste Hilfe zu leisten, aber der Herr Doctor behauptete, sein Mittagmahl unmöglich unterbrechen zu können und — er unterbrach es auch nicht. W. A. Stellenverändernng. Herr College Schäfer, bisher in Simmering bei Wien, wurde vorige Woche in Baden als Cantor acceptirt. (Unseren herzlichsten Glückwunsch zu seinem Amtsantritte. Die Red.) A v i s o! Die geehrten Vereinsmitglieder, welche seinerzeit ihren Beitritt znm Cantorenvereine angemeldet haben, werden ersncht, ihren Gründungsbeilrag an den Bereinseassier Herrn Cantor A. Fischer, I., Seitenstetlengasse Nr. 4, ehestens einzusenden, da nur solche, welche den Gründungsbeitrag bereits geleistet, als wirkliche Vereinsmitglieder angesehen und an der am 12- Februar stattstndenden constituirenden Versammlung, sowie an ver an diesem Tage vorzunehmenden definitiven Borstandswahl theilnehmen können. Der Vorstand des ö st e r r. - n n g a r. Cantorenvereine s. Korrespondenz. P. in K. Sie haben Ihr Abonnement bis Ende Mär; l. I. beglichen. Besten Gruß. I. K. in B. Werden uns darüber erkundigen und Ihnen hievon Mittheilnng machen. S. in T. Bestätigen dankend den Empfang. Besten Gruß. W. in K. Besten Dank für Eingesandtes. Colleg. Gruß. G. in A. Wir bestätigen dankend den erhaltenen Betrag, bemerken aber, daß wir diesen , für das IV. Quartal 1882 gntgebucht haben. Herzlichen Gruß. S. in di., M in A., F. in T., B. in E., M. in S-, M. in G., A. in M., T. in S., H. in M. Dankend bestäiigen wir den eingesandten Betrag. Rosen Haupt in N. Wir danken für das Eingesandt?; unser Blatt kann auch bei der Post abonnirt werden. Colleg. Gruß. U. in G. Werden ans Ihr Eingesandtes nächstens ausführlicher antworten. Flesch in Skotschau. Herr Cantor Werde-heim ist gegenwärtig in Stockerau, Nied.-Osterr. Tb. in Ol., T. in Kl., Sch. in M. Die Vereinsbeträge haben wir an den Vereinscassier abgeliefert. Die Redaction. WU7 Nächste Nummer enthält eine Mufikbeilage-