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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-01-13 · Heft 2 (13.1.1883) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 2 (13.1.1883)
Date
1883-01-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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bewundernder, dankbarer Verehrung nennt und preist — diese Heroen der Geistesfreiheit beschimpfen Sie als ״Menschen ohne jedwede Sittlichkeit"! Nicht eine ״arge Schelmerei" haben Sie hier begangen, sondern-• Diese Behauptungen offenbaren nicht allein erschreckende Unwissenheit und Unkenntniß der Religions- und Geistesgeschichte, sondern auch eine Frechheit sondergleichen; hier haben sich ein wissenschaftliches und moralisches Deficit in wunderbarer Harmonie begegnet, um Ihre — Unverfrorenheit vor aller Augen zu enthüllen! Herr Rohling, Sie haben sich selber gerichtet! Fanatismus und Intoleranz haben Ihnen die Augen geblendet und jedes Urtheil benommen, selbst dort, wo eine bessere Einsicht, kine richtige Erkenntniß leichter zu gewinnen wäre als in den Ihnen verschlossenen talmudischen Literaturschriften. Ihre Schmäh- und Verfolgungssucht bewirft das protestantische Christenthummit Schmutz und Koth — und Sie wollen ein unbefangenes Gutachten abgeben über den jüdischen Talmud? Dazu fehlt Ihnen die moralische Eignung! Behauptung B: Ihnen, Herr Rohling, fehlt es an der nöthigen wissenschaftlichen Eignung, über den Talmud zu urtheiten! Beweis. In Ihrer Schrift: ״Der Talmud-Jude bieten Sie tausend blanke Thaler Jedem, der Ihre Citate als erdichtet, unwahr und erfunden uachweist; Sie appelliren im voraus an das Urtheil der Deutschen morgenländischen Gesellschaft. Der Herr Professor der evangelischen Theologie, Franz Delitzsch in Leipzig, in der Schrift: ״Rohling's Talmud-Jude", welche in sieben Auflagen erschienen, hat Ihnen nun nachgewiesen: ״falsche Uebersetzungen", S.!6, ״Unwissenheit", S. 18, ״entstellte Texte", S. 21, ״falsche Unterschiebung", S. 23, ״Lügen", S. 26, ״schauderhafte Verleumdung", S. 27, ״falsche Zeugnisse", S. 29, ״Entstellungen durch ״Verschweigen", S. 30 ff., ״Unwahrheiten", S. 32, ״falsche Deutungen", S. 34, ״tendenziös falsche Uebersetzungen", S. 37, ״falsche Schlüsse aus entstelltem Sachverhält", S. 43, Unkenntniß der katholischen Bibelübersetzung, S. 48, ״Gewissenlosigkeit", S. 65, ״tendenziöse und leichtfertige Entstellungen", S. 80, ״Verleumderische Unwahrheit", S. 95, und außerdem ״drei Falsa", Seite 103 ff. ״Die Deutsche morgenländische Gesellschaft wird es bestätigen." . ״Wo bleiben nun," fragt Herr Professor Delitzsch, ״wo bleiben nun die tausend blanken Thaler, die er mit stolzem Selbstbewußtsein für die Unantastbarkeit seiner Citate einsetzt? Hat er wirklich noch den Muth, mit mir vor die Deutsche morgenländische Gesellschaft hinzutreten?" Herr Rohling, warum haben Sie die Beschuldigung ״schauderhafter Verleumdungen und verleumderischer Unwahrheiten" ohne Rechtfertigung, ohne ernstliche Widerlegung, ohne nennenswerthe Zurückweisung auf sich sitzen lassen? Herr Professor Delitzsch hat ihnen das Wort ״Lügen" in's Gesicht geschleudert; wie ging es zu, daß in den späteren sechs Auflagen seiner Schrift die Beschuldigung der ״Lüge" immer wieder erscheint, ohne Rectification, ja ohne jegliche Milderung? So jämmerlich war Ihre Gegenschrift, daß Sie nicht wagten, das Urtheil der Deutschen morgenländischen Gesellschaft zu provociren, einer gelehrten Gesellschaft, zu welcher Sie freilich nicht mit ihrem ״Amtseid" kommen dürfen! Sie berufe. sich aus Eisenmenger, Eisenmenger und wiederum nur Eisenmenger, welchem Sie gläubig vertraut haben, wo aber bleibt Ihre Talmud-Gelehrsamkeit, Herr Professor? Ich meinerseits erkläre laut, so laut, daß es in jedem Gerichtssaal und Regierungscabinet vernommen werden kann, nämlich, daß Sie. Herr k. k. Professor Rohling, nicht eine einzige Seite im Talmudtexte je gelesen haben und zu lesen nicht die wissenschaftliche Qualification besitzen. Ich erkläre mich bereit, 3000 sl. österreichischer Währung zu deponiren; die sollen Ihnen gehören, Herr Rohling, wenn Sie nur eine einzige Seite des Talmudtextes — eine Seite, die nicht ich, sondern der Zufall in einem Tractat, wie er zufällig in die Hand gelangt, Ihnen wählen soll — richtig und fehlerlos lesen und übersetzen. Herr Professor Rohling! Ich, der Bezirks- Rabbiner in Floridsdorf nächst Wien, biete Jhueu 3000 fl. und bin bereit, sie im voraus bei einer Bank zu deponiren für das correcte, fehlerfreie Lesen und Uebersetzen einer einzigen Seite im Talmud! Herr Professor, Sie bringen das nicht zusammen, solches haben Sie wohl in Ihrem Leben auch noch nie versucht — allein Gutachten über ' den Talmud, und zwar unter Ihrem ״Amtseid", haben Sie bereits wiederholt abgegeben. In wissenschaftlichen Kreisen ist es seit Jahren kein Geheimniß, daß Sie auf talmudischem und rabbinischem Literaturgebiete ein Ignorant sind. Schon die wenigen Worte: ״Rabbi Raschi", ״Rabbi Rav", so unschuldig sie sind, haben Sie verrathen und Jeden erkennen lassen. Wenn Sie ein jüdisch-deutsches Volksbuch vom Jahre 1602 für den Talmud gehalten und Seite 42 Ihres ״Talmud-Juden" als talmudische Quelle citiren (Delitzsch sagt treffend: Eine Stelle aus der schönen Melusine im Namen des heiligen Augustin 46 civitati dei), so war es jedem Unbefangenen klar, wie es mit Ihrem Wissen bestellt sei. Woher käme es denn, daß alle Schnitzer und Versehen Eisenmengers vollzählig bei Ihnen wiederkehren, von der famosen. ״Perle" bis zum berüchtigten ״Hundegesichte" und den curiosen vier Ellen ״Weg", in denen der liebe Gott sich blos bewegen darf? Warum berufen Sie sich in Ihrer Vertheidigung gegen Delitzsch nie auf eine correctere Auslegung des Talmudtextes, sondern weisen immer blos auf Eisenmenger hin? Seite 36, 58, 59 u. s. w. In den gerichtlichen Gutachten anläßlich des Breslauer Processes haben Sie sich selber kleinlaut als Eisenmenger-Leser bekannt, nur eine einzige Stelle wollten Sie selber gefunden haben, und das sicherlich auch nicht im Talmud selbst. Vergleiche das Gutachten Joöl's S. 12. Eisenmenger abschreiben, das könnte jeder junge Gymnasiast; wenn Sie indeß den Eisenmenger zu controliren nicht in der Lage find, im Quellenwerk selber sich nicht auskennen — dann wahrlich würde ein Schüler irgend einer Gymnasialclasse unter der Zucht einer Schule die Sache besser verstehen. Thatsächlich hat man Ihnen unzähligemale nachgewicsen, daß Sie selbst den Eisenmenger — den deutsch geschriebenen Eisenmenger — zu oberflächlich lesen und darum verunstalten. Eisenmenger's Rabe wird bei Ihnen zum Rabbiner, und was Eisenmenger vom biblischen Propheten Elias berichtet, erzählen Sie von einem Talmudisten, ohne zu wissen, daß im ganzen bändereichen Talmud nicht ein einzigesmal ein Lehrer solchen Namens erscheint! Herr Professor Rohling, Sie sind kein wissenschaftlicher Forscher, sondern ein Abschreiber, ein Compilator, Nachdrucker; Ihre Schrift ist längst vom maßgebenden christlichen Munde als ״Plagiat und Pamphlet zugleich" gebrand-

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