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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-01-13 · Heft 2 (13.1.1883) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 2 (13.1.1883)
Date
1883-01-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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!2 WereinsnactzrictzLen. Nachdem die Statuten des Oesterreichisch-ungarischeu Cantorenvereines von der hohen Behörde bereits genehmigt wurden und auch alle weiteren Schritte formeller Natur geschehen sind, ist es zur Nothwendigkeit geworden, die constituirende Versammlung baldigst einzuberufen. In der Mittwoch*) den 9. Jänner l. I. stattgefnndenen Sitzung des provisorischen Comite's wurde auch der Termin für die Abhaltung der constituirenden Versammlung endgiltig festgesetzt. Im Nachstehenden lassen wir den Bericht über dieselbe folgen. Sitzung des provisorischen Comite's, abgehalten am 9. Jänner 1883. Anwesend die Herren College»: I. Bauer, M. Blatt, A. Fischer, I. Goldstein, H. Goldsteiu, A. Kulka, I. Üöwit, D. L. Rotter, I. Schiller. : Vorsitzender: I. Goldstein. College Bauer beantragt, die constituirende Versammlung für Montag den 12. Februar 1883, 7 Uhr Abends, festzusetzen. * *) Bereits für Dienstag den 8. Jänner war eine Sitzung einberufen worden. Da jedoch in derselben in Folge eines Antrages des Vorsitzenden, welcher auf die bloße Bestätigung der am Cantorentage getroffenen Wahl hinzielte, Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Nothwendigkeit der Vornahme einer Neuwahl entstanden, wurde dieselbe auf Mittwoch den 9. Jänner vertagt und der Vorsitzende erhielt den Auftrag, mittlerweile über den strittigen Punkt bei der Behörde nähere Informationen einzuholen. In dieser Sitzung waren auch die Herren S. Hirsch, I. Löw, M. Schlesinger- L. Stern. Sparger aus Linz anwesend. Die ersten vier Herren konnten ihr Erscheinen in der für Len nächsten Tag anberaumten Sitzung nicht zusagen, da sie durch Functionen verhindert seien. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Der Ort der Versammlung wird später bekannt gegeben werden. Nach einer hierauf entstehenden längeren Debatte über die Nothwendigkeit einer Neuwahl, dringt die Ansicht der Redaction der ״Cantoren-Zeitung" durch, nach welcher eine Neuwahl darum vorgenommen werden müsse, da zur Zeit des Cantorentages die Statuten des Vereines noch nicht genehmigt waren, der Verein daher auch noch nicht bestanden hat. College Schiller beantragt, eine Wahlcommission zu wählen, welche im Sinne der genehmigten Statuten die für die Neuwahl nothwendigen Vorbereitungen zu treffen und am Wahltage die Wahl zu leiten hat. Der Antrag wird angenommen und eine Wahlcommission, bestehend aus 5 Mitgliedern und 2 Ersatzmännern, gewählt. Die Wahlcommission besteht aus den Herren : A. F i s ch e r M. Blatt, A. Kulka, I. Schiller, L. Stern und den Ersatzmännern H. Gold stein, D. L. Rotter. Die Wahlcommission wird sich am Tage der Wahl noch durch auswärtige Mitglieder ergänzen. Zur Richtschnur für die zu treffenden Wahlvorbereitungen werden die auf die Wahl Bezug habenden Paragraphe zur Verlesung gebracht. §. 22. Vier Wochen vor der Neuwahl wird von dem Vorstande das ׳Verzeichniß der Wahlberechtigten, der Tag und Ort der Wahl durch die ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung" oder durch Circuläre bekannt gegeben. 23 .§״. Sollte Jemand -gegen die Anführung oder Weglassung eines Namens Einsprache zu erheben Willens sein, so hat er feine diesfällige schriftliche Aeußerung, 14 Tage vor der Wahl dem Vorstande mitzutheilen, der hierüber rechtzeitig und endgiltig entscheidet. Ein Walzer. Von A l o i S K u l k a. 1. In einem kleinen Dorfe Deutschlands war Kirchtag. Wandernde Musikanten spielten uralte deutsche Melodien, welche die Füße beflügelten, als schwebe Oberon unsichtbar mit seinem Horne unter den Dörflern und freue sich innigst an der Freude der Burschen, an der Lust der schmucken Bauerndirnen. Wohlgefällig blickten die Väter der Gemeinde auf den fröhlichen Reigen und manches alte Auge wurde feucht und welke Hände suchten die Hand, die einst im Lenze des Lebens für den nun silberweißen Scheitel die Rose der Liebe pflückte. Die Heiterkeit und der Frohsinn schienen vom Himmel herabgestiegen zu sein und in dem alten Dorfe sich niedergelassen zu haben. Da, mitten in der allgemeinen Freude, ertönte der Ruf: ״Der Feind! Der Feind!" Jung und Alt stürzten aus der Schänke in's Freie. Hörner tönten, Trommeln wirbelten; eine dicht gedrängte Jägercolonne hielt vor dem Dorfe und an der Spitze einer Schwadron leichter Cavallerie sprengte der General herbei. Es war eine schmucke, kriegerische Gestalt. Seine Augen blickten gebieterisch, aber um die Lippen lag ein freundliches Lächeln, welches nur zu deutlich verrieth, der Mann sei kein abgesagter Feind des Scherzes und sein Ohr geneigt, friedlichen Klängen zu lauschen. Der General sprach mit sanfter Stimme: ״Kinder, unser Besuch hat Euch wohl erschreckt? Fürchtet Euch nicht. Gebt' meinen Leuten nur Brod und Wein. Ruhm und Gold erwartet uns anderswo. Tanzt unbesorgt fort, Euer Kirchtag soll ungestört gefeiert werden." Nur zögernd gehorchten die Dörfler dieser Aufforderung. Doch nach und nach kehrte die frühere Fröhlichkeit wieder zurück und Hände und Füße klatschten und strampften munter den Dreivierteltact. Dem freundlichen General schien der Walzer sehr zu gefallen, denn er ließ sich durch seinen Reitknecht eine Flöte bringen und blies die kaum gehörte Melodie mit solcher Reinheit, solchem Feuer, daß ein alter Musikant unwillkürlich ausrief, es sei jammerschade, daß der Herr General kein — Musikant geworden sei. Der General meinte lächelnd, daß er es so besser habe und flüsterte leise dem Capellmeister seiner Musikbande etwas in's Ohr. Als mehrere Stunden später das feindliche Corps den Ort verließ, spielte die Regimentsmusik dieselbe Walzermelodie als Marsch. Der General bestieg sein Pferd, grüßte freundlich und verschwand mit seiner Colonne im nahen Walde. 2. Die Kälte war unerträglich geworden; die große Armee glich einer wandernden Schauspielertruppe. Grenadiere trugen Unterröcke, bärtige Hußaren Schlafhauben, leichte Jäger hüllten ihre erfrorenen Glieder in schwere Pelze. Die Reiterei hatte keine Pferde, die Kanonen lagen als unnützes Geräth im Schnee und der Infanterist warf seine Muskete weg, um seine

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