Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1883)
- Date
- 1883-01-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische rliLnmiiatwni-Pirii^ für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 -vyv׳- Für das Ausland: Ganzjährig . . fl. 7.— Halbjährig . . fl. Z.50 Bierceljährig . fl. 1.75 InfttUnng in’» ^am. JJ Organ die Gesammt-Interessen jüdischer Güntnreu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Jakob ferner. und Administration feopoldstadt, E Circusgasse Nr. 20. 1 _ | Inserate werden billigst berechnet. I Manuskripte werden nicht l! retournirt. Ar. 2, Wien^ 13. Jänner 1883. 3. Jahrgang. Zu seiner fünfundzwanzigjähvigen Amtswirksamkeit als Obercantor in Budapest. Vor uns liegt das, gelegentlich der 25jäh1־igen cantoralen Tbätigkeit Friedmann’s veröffentlichte Album, dessen Inhalt für ewige Zeiten Zeugniss ablegen wird, welch’ bedeutende ethische und fachmännische Eigenschäften in dem verehrten' Manne sich vereinigten, um eine Erscheinung zu Tage treten zu lassen, die uns jüdische Cantoreu mit Stolz und Verehrung erfüllt und auch den nichtfaehmännischen Kreisen Hochachtung und Werthschätzung einflösst. Eine Blumenlese der begeistertsten, tiefgefühltesten Anerkennungskundgebungen ist darin zu einem ewig grünenden Strausse gewunden — und es wäre füglich das Beste, am heutigen Tage nur mit einigen Worten auf jenes Album■ hinzudeuten. Allein so wie an jenem Festtage die massgebenden Personen aller Kreise und verschiedener Länder zur vollen W erthschätzung . und Würdigung Friedmann’s als jüdischen Cantor imji 1!gerne ine n Sinn״ als hochwürdigen Repräsentanten unseres Standes, als Künstler und idealen Menschen sich vereinigten, ebenso wichtig ist der heutige Tag für die Kennzeichnung Friedmann’s als Obercantor der Bud apester Cultu sgemeinde, als Organisator des ungarisch-jüdischen Syuagogenges anges. Unsere ungarischen Glaubensgenossen, denen die tieferschütternden Gesangsweisen eines Dowid’l Brod, Kanarik, Freisinger etc. noch zu lebhaft im Gedächtnisse haftete, konnten sich unmöglich mit der damals allgemein üblichen, mit der Kirche liebäugelnden Vortragsweise befreunden und 80 sehr auch Friedmann, dieser wahrhaft würdige/Schüler •Snlzer's jvon der Bedeutung seines Meisters durchdrungen war, so hehr und lauter ihm auch die fachmännischen Anschauungen Sulzer’s als Leitsterne erschienen, er fühlte es bei seinem Amtsantritte in Budapest nur allzubald, dass er eine neue, eine eigene Richtung einschlagen müsse. Die im Judenthuuie Ungarns allgemein beliebte polnische Gesangsweise, die Friedmann in eminenter Weise beherrscht, musste, zeitgemäss gestaltet, dem Gottesdienste wieder zugeführt, die ungarische Volksspräche mitherbeigezogen und die Orgel :dem Synagogengesange einverleibt werden. ’Diese drei vorerwähnten Einrichtungen, die eine geradezu aufreibende Hingabe an die Sache beanspruchten, deren Bedeutung aber auch im weiten Heimatlande anerkannt und angenommen wurde, sind lediglich als Errungenschaften Meister Friedmann’s zu betrachten und im Hinblicke auf diese angedeutete Reorganisation des ungarisch jüdischen Synagogengesanges gebührt Friedmann der heutige Jubeltag nach jeder Richtung. Auch au die allgemein-organisatorische Begabung Friedmann’s wurde von Vereinen und Gesellschaften, deren tüchtiger Beirath oder gar Vorsitzende er ist, zu wiederholten Male Anforderungen gestellt, die zumeist von den besten Erfolgen begleitet wären, und die Cantorschule, die allererste des österreichischen Staates, zur Ausbildung eines tüchtigen Cantornachwuchses und namentlich zur Weiterverbreitung seiner fachmännischen Ansichten und Absichten ist nur dem energischen Eingreifen Friedmann’s zu verdanken. Die hohe Sittlichkeit unseres verehrten Jubilars, die innige Verschwisterung zwischen würdiger Mannesstrenge und edlem Zartgefüllte in dessen Wesen sind zu allgemein bekannt, als dass. es. noch einer ausdrücklichen Erwähnung bedürfte. '־ Lauter wie seine That ist auch seine Gesinnung und trotz bitten! Ungemaches, das den felsenfesten Mann zu knicken drohte, blieb seine Schaffens- und Berufsfreudigkeit unangetastet, seine Menschenliebe ungetrübt, seine Stimmung eine reine. Die Brust des braven Mannes schmückt eine hohe Auszeichnung seines erlauchten Monarchen — Friedmann’s Intelligenz, sein Pflichtgefühl, seine fachmännische Künstlerschaft und seine hohe Sittlichkeit bleiben für ewige Zeiten eine Zierde unseres Standes, ein Leitstern des jüdischen Cantorthums. -Deshalb feiern wir, jüdische -Cantoreh, den 13. Januar 1883 •als einen Jubeltag, deshalb reichen wir,-־ die Mitglieder des österreichisch-ungarischen Cantoren Vereines, sowie die Herausgeber und Leiter unserer Vereinszeitiing, Ihnen, hochverehrter Herr College, die Freundeshand, rufen Ihnen ein tiefgefühltes הזק entgegen, indem wir der sicheren Ueberzeugung leben, dass der 13. Januar 1883 die feste .Brücke bilden wird, welche unser Streben, unsere Arbeit, unser collegiales Sinnen •und Trachten dem Ihrigen näher bringen und uns die Möglichkeit bieten wird, das heutige Silberfest, wenn dasselbe בע״ה ׳ im Goldglanze erstrahlet, mit Ihnen wieder feiern, zu können.in Freude und Wonne. אמן . ' Wien, am 13. Januar 1883. Josef Sin *»,ex*, Obereantor.