Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1883)
- Date
- 1883-01-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sind es Worte, die das Judenthum, dessen heiligste Interessen berühren, und denen kann sich doch kein Cantor. der es ernst mit seinem Stande nteint, verschließen. Lied und Wort! Dies sind keinesfalls derartig abstracte Begriffe, daß man meinen könnte, selbe involviren blos das da vom Vorbeter gesungene und recitirte Gebet, es muß auch dem von der Kanzel gesprochenen Worte in diesen Blättern ein Platz eingeräumt werden — da man es doch nicht weg- Leugnen kann, daß das Kanzelwort einen integrircnden Bestandtheil unseres modernen Gottesdienstes bildet, ja. daß dasselbe zur Veredlung und Belehrung der Andächtigen, zur Hebung der Andacht beitrügt und dem gesanglichen Theile der gottesdienstlichen Feier den wahren und echten Nimbus verleiht. — Darum weg mit jeder Engherzigkeit und übelangebrachter Selbstüberhebung, die nur vom Schaden sein kann. Als Beleg dieser meiner Anschauung diene das in der letzten Nummer aus ״Kanitz" figurirende ״Eingesendet" : Der geehrte Einsender ist der Meinung, wir brauchen uns nicht mit solchen Lapalicn, wie: mi bon sichi, Kain et Abel etc, abzugeben. Ich lege dem geschätzten Leserkreise dieser Blätter ungescheut und vertrauensvoll die Frage vor: Gehören solch e. eine religiöse Tendenz tragende Gegenstände nicht vor das Forum der Cantorenwelt??? Berührt das vielbesprochene ״mi bau siclii“, wenn auch nur unmitteldar nicht den Trauuugsact, an welchem der Cantor in hervorragender Weise participirt? Oder soll der Cantor. der eigentliche Träger des ritualen Gottesdienstes, seinen allwöchentlichen Toraabschnitt gleich dem Taglöhner einem meist unaufmerksamen Publicum (wenigstens auf dem Lande) gegenüber Herunterleiern, ohne hie und da einmal das Bedürfniß zu fühlen, einer den Inhalt der biblischen Verse tiefer berührenden Frage in diesen gesch. Blättern begegnen zu wollen, ja ihnen gar mit einer gewissen Ostentation aus dem Wege zu gehen? Ja wohl ist es wahr: musikalisches Wissen, Liturgie rc. sind weite Felder. Zugegeben, wiewohl auch dieses Gebiet, wenn gar zu oft und nur von! fachmännischen Standpunkte allein betreten, auch an Reiz verlieren könnte. Aber dieses Blatt soll ja nicht blos in Cantoren-, sondern auch in weiteren Kreisen Eingang finden; namentlich den Gemeinde- Vorständen empfohlen werden. — Kommen Sie da fortwährend mit musikalischen Artikeln. — Oder vergißt der geehrte Herr Einsender, daß diese Vorstände, mit wenigen Ausnahmen, trotz ihrer Unkenntniß in musikalischen Dingen, dennoch den Herren ein Lied aufzuspielen wußten, nach welchem oft die ״musikalischesten" Cantoren nach ganz unangenehmen Rythmen, nach der Pfeife tanzen mußten? — Und gibt es nicht eine ganz erkleckliche Anzahl der Cantoren, die zugleich als Religionslehrer fungiren, daher verhalten sind, auch an Sabbat und Feiertagen gottesdienstliche Vorträge Zn halte!: und darum nicht ungerne einer exegetischen Betrachtung in diesen Blättern begegnen? Darum weg mit jeder engherzigen Anschauung. Die ״Cantoren Zeitung" sei vornehmlich der Liturgie und was hiezu gehört, gewidmet, denn dies ist ja ihre eigentliche Tendenz, aber sie stelle sich nicht zu sehr auf einen einseitigen Standpunkt. אל תבח את ידיך .-uv טוב אשר תאהה בזה רגם ״Was dem י Einen recht, sei dem Andern billig!" Austerlitz, am ZI.December 1882. S i m o n D i a m a n t. Kteine GHronik. Habsburgfeier. Aus sämmtlichen Vororten Wiens und aus vielen Provinzgeuleinden, wie Graz, Proßnitz, Kremsier, Göding, Krems, Lemberg werden uns feierliche Gottesdienste aus Anlaß des 600jährigen Habsburgjubiläums gemeldet. Ueberall hatten unsere Collegen den größten Antheil an der Hebung der Feier und die gerechte Anerkennung ward ihnen nirgends versagt. Budapest. (O.-C.) Das Jubiläum des Obercantvrs Prof. Fried mann wurde laut Vorstandbeschluß vom 9. auf den 13. Jänner verschoben, da eine solenne Tempelfeier hiebei beabsichtigt wird. Göding. (O.-C.) Ein tröstender Beweis, daß die Ränke eines I st o z i und Consorten in unserer Stadt und deren Umgebung keinen fruchttragenden Boden gefunden haben, wurde durch das folgende traurige Ereigniß geliefert. Freitag den 29. Deceniber v. I. starb hier der 9jährige Sohn des Herrn Sigmund Kolitsch, Schriftstellers und Mitarbeiters der ״Neuen freien Presse." Der Knabe, welcher der Stolz und die Zierde seiner Eltern war, sagte dem Vater gegen Abend eine Lateinaufgabe zu dessen größter Zufriedenheit auf und starb eine halbe Stunde später während des Nachtmahles. An dem Begräbnisse, welches Sonntag den 31. December v. I. 10 Uhr Vormittags stattfand, nahm die ganze Bevölkerung unserer Stadt theil. Unter diesen Theilnehmeru sah man den k. k. Bezirkshauptmann mit den Beamten seines Ressorts, der kaiserliche Rath und k. k. Gutsverwalter Herr Fleisch Hacker mit den Beamten der k. k. Gutsverwaltung, der k. k. Notar Dr. Ni et sch, der Bürgermeister mit einem großen Theil des Ausschusses, die Bergknappen aus dem Kohlenbergwerke der Frau Ko lisch und die ganze Elite der hiesigen christlichen Bürger und der Umgebung. Lippnc. (O.-C.) Im Hause des hiesigen Cautors Samuel Stern ereignete sich vor einigen Tagen ein furchtbares Unglück. Durch entzündetes Petroleum geriethen die Kleider seiner zwei Kinder in Flammen und diese zogen sich höchst gefährliche Brandwunden zu. Eines der beiden Kinder, ein Knabe, ist denselben bereits erlegen. Der Cantor selbst hat sich, als er die Kinder retten wollte, die Hände fast bis auf die Knochen verbrannt. Stellenverärrderirrrg. Der Herr College Tschaßuy bisher Cantor in Königsberg a. d. Eger, hat seinen neuen Posten in Tereschau bereits angetreten. (Wir wünschen ihm das beste Fortkommen in seiner neuen Gemeinde. D. Red.) Vereinsliachrichlen. Dienstag, den 9. Jänner findet eine Ausschußsitzuug statt. Tagesordnung: Vorbereitung der constituirendeu Versammlung und Festsetzung des Termines zur Abhaltung derselben Gründung«- und Vereinsdeiträge. H. Lemberger, Kuttenplan (‘/4 jähr. Beitr.): A. Nähnadl, Libochowitz (\/t jähr. Beitr.): L. Winterberg, Aussig {’1/3 jähr. Beitr.): I. Löwiuger. Keszthely (ganzjähr. Beitr.); A. Schrecker, Piesliug (Gründungsbeitrag): A. Sch. Schirmann, Lemberg {1/4 jähr. Beitr.); M. Stangl, Zlabings (1/2 jähr. Beitr. und Gründungsbeitrag) : Singer, Neubitschos ('/« jähr. Beitr.): M. Wodak, Göding (0* jähr. Beitr.) . Der Vorstand des ״österr.-ungar. Cantoren-Vereines."