Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1883)
- Date
- 1883-01-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 allgewaltige Hand des Herrn angestammt, um Israel zu schützen und zu.hüten, ist die ergreifendste Lyrik erflossen, welche der 121. Psalm enthält. Sind auch die T ö ne verklungen, welche den musikalischen Inhalt Psalmen-Troubadour-Gesänge zum unsterblichen Ruhme des Ewigen enthielten, die Wort-Dichtung lebt und bebt auf den Lippen und in den Herzen aller Andachtsbedürftigen fort und erschließen einen unversiegbaren Bronnen der Tröstung und Segnung Aller, welche mit Herz und Schmerz der Familie und Gesammtheit Israels angehören. Wo aber Dichters•Sorte leben. Werden Sänger Lieder geben, Worte sich durch Lieder heben. Wenn sie in der Dichtung weben. Dr. S. Nascher. ״Die Schule ein Tempel Gottes!" VonM.Tintner, Cantor und Lehrer in Bunzlau, Preußisch׳Schlesien. Seitdem man immer mehr den richtigen Standpunkt erkannt hat, welchen Werth die Schule züm Tempel einnimmt, seitdem hat die Schute eine andere, höhere Bedeutung erhalten. Sie ist nicht mehr eine bloße Lehr-und Lernanstalt, in welcher nur das gelehrt und gelernt wird, was das Alltagsleben fordert; nein, die Schute ist ein Tempel Gottes geworden — ein Gotteshaus der Kinder. Streng genommen, ist sie dies nicht erst geworden, sie ist's von jeher gewesen, da die Aufgabe der Schule und die Bedeutung derselben eine für immer gleichbleibende sein muß; nur sind zeitweise die Merkmale, welche die Schule als einen Tempel Gottes erkennen lassen, mehr oder weniger verwischt worden. — Jnw iefern können wir aber sagen, daß die Schule ein Tempel Gottes — ein Gotteshaus der Kinder ist? Wie zunächst der Tempel :— für das Gebäude gemeint — der Ort ist, wo der ״Sebeliach Zibbur“ seine Gebete zu Gott für die Gemeinde emporsendet, wo wir aus dem Munde des Predigers über Gott, von Gottes Rathschlusse zu unserer Seligkeit, von der Ausführung dieses seines Rathschlffses u. s. .w. belehrt werden, eben ein solcher Ort der Belehrung ist auch die Schule.^ Da muß der Religionsunterricht die erste Stelle einehmen, denn ,;Rescbis clowor jiras elokim!“ .באין חיח יפרע ייס ״Ohne Offenbarung wird das Volk zügellos." Der Religionsunterricht wird als biblische Geschichte, in welcher das Kind bekannt gemacht wird mit den Thatsachen zur Anbahnung des Heils. Der Religionsunterricht tritt ferner als Katechismusnnterricht auf, in welchem den Kindern das Gesetz vorgehalten wird, in welchem aber auch dargethan wird, daß man aus Verdienst unserer Werke nicht gerecht werden kann, sondern allein aus Gnaden durch den reinen ' Gottesglauben. Ferner ist im Katechismusunterricht die Rede und die Lehre von der wahren Bedeutun g des Gebets, daß sich nämlich im Gebete die Bereitwilligkeit und Sehnsucht des Menschen ausspricht, die Gnade zu empfangen. Nicht die vielen Pijutim, Jozeroth und Korbonoth sind die Hauptsache, Tefilotb die mit unserer göttlichen Vernunft im Streite stehen, können das fromme Herz befriedigen, sondern: Tow meat tachanumm biehwonoh, mebarbos bllo kewonoh. :.Besser wenig beten mit Andacht, als viel ohne Andacht." (Oraeb ebajiru § I.) Die vielen Versuche, welche seit Decennien gemacht worden sind, ein Gebetbuch den Zeitverhältnissen angemessen zu schaffen, genügen immer noch nicht aus dem Grunde, weil die Einheit des Israel. Gottesdienstes darunter gelitten hat. Da findet man Salomons, Eichhorns, Geigers, Joöls, dort Aubs Prägers Gebetbuch u. s. w. eingeführt. Unsere Partituren nach dem alten Ritus sind beinahe in texlicher Hinsicht unbrauchbar geworden. Unsere ehrwürdigen Herren Rabbiner müßten doch einmal ernstlich diese hochwichtige Angelegenheit regeln, damit das Judenthum nicht noch mehr in sich selbst zerfalle, da die hebräische Sprache leider immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird und der kommenden Generation, bis auf die Liturgie verständlich sein dürfte?! Eine Belehrung über Gott, über uns selbst wird vermittelt durch das sprachliche Uebersetzen des Gebetbuches und der Bibel und das Nöthigste aus der Tradition. Die Schule ist also ein Tempel Gottes, ein Gotteshaus der Kinder, weil sie ein Ort der Belehrung über Gott und seine Lehre ist. Die Verehrung gibt sich innerlich durch Gesinnung, äußerlich durch das Wort als G e b e t und Gesang kund. Die Bibelsprüche sollen wie ein Gebet gesprochen, nicht hergeleiert werden. Die Tempelgesänge müssen schon in frühester Jugend dem Kinde in's Fleisch und Blut übergehen; es muß die Bedeutung in textlicher und cer emonieller Hinsicht kennen, dann erst wird der Knabe als Jüngling und Mann gern das Gotteshaus besuchen, weil er seinen Gesang und seine Liturgie kennt, und nicht wie im Opernhause stiller Zuhörer sein muß. — In kurzen Umrissen Hütte ich hiermit dargethan: daß, wie der Tempel der Ort ist, wo wir über Gott belehrt werden, wo wir unsere Gebete zu Gott emporsenden, wo die Orgel und die Sänger die Gemeinde himmelauf führt, daß ein solcher Ort auch die Schule ist, und daß man sie darum wohl einen Tempel Gottes der Kinder nennen kann. Wie man darauf sieht und achtet, daß die Gotteshäuser, durch ihren Bau und ihre Ausschmückungen nicht ohne Einfluß auf die Herzensstimmung seien: ebenso wird man auch bei einem Schullocale, als einem Tempel Gottes, darauf zu sehen haben, daß es in seiner baulichen Beschaffenheit eine Stätte ist, in welcher man gern verweilt. Was nun bei den äußeren Einrichtungen die Personen! betrifft, so sei erst der Schüler Erwähnung gethan. Betrachte | man den Tempelbesucher in seiner äußeren Erscheinung. Der! Fromme, überhaupt jeder anständige Israelit geht gereinigt und anständig gekleidet zum Gotteshause, nicht um Staat zu machen, sondern um durch die bessere, reinliche Kleidung anzuzeigen, daß, wie er äußerlich gereinigt sich Gott in seinem Heiligthume nahe, er auch innerlich vor Gott gereinigt sein will. Es wird von den Kindern, wenn sie zur Schule, also in ihren Tempel kommen, nicht verlangt, in ihren besten Kleidern.zu erscheinen, sondern stets sauber im Körper und an den Kleidern; ihre ganze äußere Erscheinung muß kund geben, daß ihnen die Schule ein ״Heiligthum" geworden ist. Was hier von den Kindern gefordert wird, könnte wohl auch auf den Lehrer übertragen werden. Doch will ich mich hierüber nicht ipecieller verbreiten. Es ist schlimm, wenn der Lehrer hierin nicht so viel feinen Tact besitzt, um selbst herauszufinden, was hier angemessen oder unangemessen zu erachten ist. — Die Wahl der zu lernenden Tempellieder muß auf die jedesmalige festliche Zeit Bezug haben, ebenso die Erklärungen der Sabbath- und Festabschnitte. — Tempelgebete gehören, da die