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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-01-05 · Heft 1 (5.1.1883) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 1 (5.1.1883)
Date
1883-01-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Die Troubadoure nt deu Psalmen. Jene ritterlichen Sänger, welche im elften bis zum dreizehnten Jahrhundert — während der Glanzepoche jüdischen Geisteswaltens nach poetisch-wissenschaftlicher Richtung hin in Spanien — in der Provence dichtend und singend aufgetreten waren, um — angesichts der herrlichen Natur, der begeisterten Minne, erlauchter Herren vom Hofe, im Wettkampf mit um die Liederkrone ringenden Genossen — ihre dem Herzen und Geist durch die Gunst des Augenblickes entsteigenden Empfindüngen und Gedanken mit dem entsprechenden Rahmen dichterischen Sanges zu umspannen, ohne erst zu suchen, mit ursprünglicher, unmittelbarer Dichtergabe jedesmal den richtigen, künstlerischen Ausdruck für den Inhalt ihrer poetischen Innerlichkeit gesunden hatten (trobar), heißen Troubadoure. Diese danken ihren Ursprung nachbarlicher Berührung und Beziehung mit den maurischen Spaniern, welche ihrer in der Vergleichung mit der Außenwelt und Rückbeziehung derselben auf die Innernatur wurzelnden semitischen Dichter - Eigenart gemäß lyrische, historisch-satyrische, hosdienstliche und preissängerliche Didaktik aus dem Stegreife (auf der Stelle, Makame) zu finden und darzustellen wußten. Dergestalt ist das Troubadourthum nur ein in's mitelalter-!iche Ritterthum übersetztes arabisches (orientalisches) Makamenthum, dessen Spuren, Naturbegriff und Ethymologie nach in den Psalmen 120—135 einschließlich vertreten sind. Diese gehören ihrer Dichtung nach — in Wort und Lied — der nachdavidischen Epoche, musikalischer Verwendung nach aber dem Zeitabschnitte der Weisen des Talmud während des Bestandes des zweiten Tempels an. Das Erstere beweist die Nachschrift des 72. Psalms: ״hier sind die Davidischen Psalmen mit diesem zu Ende*). — Natürlich bezieht sich dies sowohl aus die Autorschaft als auf die geistige Richtung David's, welche vorherrschend in der Dichtung diese mit unmittelbarer Lebendigkeit durchdringt — das Letztere erhärten die cinschlägigen Talmudstellen aus dem Tractate —!kali, auf welche wir noch im Lause der Betrachtung zurückkommen. Die erwähnten Psalmen waren wie das Wort ״Naalali" in Form und Geist der heiligen Sprache (״entsteigen" und ״erhöhte Stelle" **) bedeutet: troubadour'sche Makamensänger des Alterthums. Diese sind dem Quell heiligster Liebe zur Poesie entstammt und haben auf der Höhe ׳^er sittlichen Anschauung die Gemeinde zur Begeisterung angestammt. Auf der Tonleiter der Menschenseele steigen die Genien dieser Stusenlieder zu himmlischen Höhen hinaus, zu den Tiefen der Menschenseele herab. ״Stufengesänge" (Sc-hir hamaaloth.) aber heißen sie, weil der Schauplatz ihres musikalischen Vortrages im Tempel zu Jerusalem jene Anhöhe (Makame, Maalali) gewesen, welche aus fünfzehn Stufen, genau der Zahl der Liederdichtungen entsprechend, vom Gemach der Männer zu dem der Frauen hinaufgeführt hätte. In einer von den Schranken und Schlacken der Sinnlichkeit und Vergänglichkeit befreiten und geläuterten Weise haben nun die Troubadoursänger der Ledir-Hawaalotli-Psalmen im Dienste des Urquells der ewigen Wahrheit und der wahren Ewigkeit die Texte dieser Lieder gedichtet, und die Leviten *) Vergleiche die Abhandlung des Verfassers: ״Das Selah in den Psalmen". **) Vergl. Easehi, Numeri VIII, in der ״Cantoren-Zeitung , Jahrtang 1882. (Jongleure im edelsten Sinne) durch Vocal- und Instrumentalmusik den Tongehalt derselben verherrlicht (Siikab, 5. Abschn. S. 51). So sind denn auch üV dieser geläuterten, dem göttlichen Dienste erschlossenen Weise und Weihe in den Stufengesängen alle Gattungen der Troubadour-Dichtung vertreten. I. Die holde Gattin und Mutter ist für die Familie die geheiligteste und poesiereichste Minne. Ihr huldigt der 128. Psalm. II. Eine Sa ihre auf die Menschen, welche sich zu Tode rennen, um leben zu können, für eine Hand voll Staubes eine Welt voll Seligkeit hingeben, enthält der 127. Psalm, mit welchem am Versöhnungsfeste der hohe Priester zur Wacht im Heiligthum aufgemuntert wurde (Jerma, Abschn. 1., S. 19). III Tenzonen (Wcttgesänge) sind: der 122. Psalm (.,Um meiner Brüder Willen begrüß' ich dich, heiliger Tempel, in Frieden", V. 8); der 125. Psalm (״Herr, thue doch wohl Denen, welche gut sind, oder es redlich mit uns meinen", V. 5); der 126. Psalm (Einst wird Lächeln unseren Mund umspielen, wahre Freude die Sprache uns beleben, einst -.werden die Völker sprechen, Großes hat Gott mit ihnen gethan. Ja wohl, Großes hat Gott uns gethan, wir freuen uns dessen", V. 2-4); der 131. Psalm (Herr, ich habe nie stvlzirt, nie mein Auge hoch getragen, nie mich eingelassen in Dinge, die zu groß und wundersam für mich gewesen wären" V- 10; der 133. Psalm (״£), wie schön ist's doch, wenn Brüder auch in Eintracht zusammenleben" V. 1); der 134. Psalm (,Preiset den Herrn, Diener des Herrn, die ihr stehet vor ihm in der Nacht" V. 1). IV. Sirventes, Huldigungen mit dienstlichem Sang für den höchsten Herrn, den Meister aller Meister, den Geist aller Geister enthalten: Der Psalm 123 (״Wie das Auge des Dieners am Herrn, der Magd an der Herrin, hangt und bangt mein Blick an dir, bis du uns Gnade spendest", V. 2) und der Psalm 130: Meine Seele hält Wacht vor dir, mehr, als die des Morgens harren; denn diese warten auf den Morgen. (B. 6). ״Ich bete und rufe zu dir aus den Tiefen meines Schmerzes" (V 1). V. Historisch-didaktischen Inhaltes sind der 130. Psalm: Wehe mir, ich bin in Meschech gewesen in den Zelten Keder's habe ich geweilt (V. 5), Herr rette mich vor der Sprache der Lüge (V. 2); der 124. Psalm (Wenn Gott nicht mit uns gewesen wäre, rufet Israel, Gott nicht uns beigestanden hätte, so oft das heiligste Menschenrecht an uns herantrat: die Menschen hätten in ihren Leidenschaften ungestüm uns lebendig verschlangen, V. 1—4). der 129. Psalm. Sie haben mich bedrängt von Jugend aus, doch sie haben mich nicht übermocht, spricht Israel (V. 1—3); der 132. Psalm. Herr, sei doch David eingedenk, was er für dich gelitten, (V. 1). Mögen die Priester mit Gerechtigkeit sich schmücken, und deine Frommen jauchzen um י deines Dieners David's des gottgesalbten Herrn willen, (B. 9—11). Denn erwählet hat der Herr sich Zion, in erhabener Neigung dort seinen Wohnsitz sich erkoren (V. 14). VI. Der Begeisterung für den herrlichen Tempel der Natur, in welchem der Strahl der Sonne zündet und wecket, das Licht des Mondes schimmert und leuchtet, welche Beide die

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